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39150 Zuschauer im prall gefüllten Stadion von Breda sahen am Mittwochabend ein Pokalviertelfinale, das man in der Heimatstadt wohl noch eine Weile diskutieren wird - je nach Temperament mit Bier, Tränen oder beidem. NEK Breda führte zur Pause 1:0, spielte mutig und mit offenem Visier, doch am Ende jubelte die routinierte Truppe von Ayax Amsterdam mit 3:1. Drei Tore binnen 22 Minuten, alle in der zweiten Halbzeit - das war nicht nur effizient, das war niederländische Lehrstunde in Sachen Geduld und Kaltschnäuzigkeit. Dabei begann alles so märchenhaft für die Gastgeber. Schon in der 10. Minute schnappte sich der 19-jährige Jungspund Maarten Schuyler den Ball im Strafraum, nahm eine butterweiche Flanke von Rechtsverteidiger Gijs Ampte direkt - und drosch das Ding ins linke Eck. Der Jubel war ohrenbetäubend. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du nachdenkst, ist es zu spät", grinste Schuyler später, als wäre das Pokal-Viertelfinale ein Trainingskick im Park gewesen. Trainer Christian Naumann klatschte an der Seitenlinie, rief "Weiter, Jungs!", und tatsächlich: Breda spielte in der ersten Halbzeit frech, mit 51 Prozent Ballbesitz sogar minimal mehr als der Favorit, und brachte den großen Ayax phasenweise ins Schwitzen. Ayax-Trainer Jochen Eichhorst hingegen kaute demonstrativ an seinem Kaugummi und murmelte etwas in Richtung seines Co-Trainers, das wie "typisch Pokal" klang. Nach der Pause drehte sich das Blatt. Ayax kam mit der erwarteten Wucht aus der Kabine. "Wir wussten, dass Breda offensiv stehen würde - das wollten wir ausnutzen", erklärte Eichhorst später. Und wie sie das taten: In der 67. Minute schob Rechtsverteidiger Francisco Forque nach Vorarbeit von Espen Coeyman zum Ausgleich ein. Nur zwei Minuten später war es dann der 33-jährige Daniel Willoughby, der den Ball nach einem Solana-Pass eiskalt ins Netz setzte. 1:2 - und plötzlich war das Stadion still wie eine Bibliothek am Montagmorgen. "Wir haben kurz geschlafen", seufzte Bredas Kapitän Rikki Wendell, der sich in der 87. Minute noch eine Gelbe Karte abholte. "Aber gegen Ayax darfst du dir nicht mal einen Sekundenschlaf gönnen." Breda stemmte sich noch einmal gegen die drohende Niederlage. Noach Weidman prüfte den Ayax-Keeper in der 88. Minute mit einem satten Schuss, und Espen De Graff zwang ihn in der 90. zu einer Flugparade - doch das Tor fiel auf der anderen Seite. In der 89. Minute setzte Vaclav Simak, gerade erst 23, den Schlusspunkt. "Ich hab einfach instinktiv abgeschlossen", meinte der Tscheche trocken. Instinktiv - und gnadenlos. Drei Tore, drei Torschützen, drei Gesichter der Abgeklärtheit. Ayax spielte im zweiten Durchgang, als hätten sie die Uhr erfunden. 13 Schüsse aufs Tor, 52 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und eine Ruhe am Ball, die fast provozierend wirkte. Breda dagegen rannte an, schoss neunmal aufs Tor, aber nach dem 0:1 fehlte zunehmend die Präzision - und vielleicht auch der Glaube. Trainer Naumann nahm die Niederlage sportlich. "Wir waren 45 Minuten das bessere Team. Dann kam Ayax, wie Ayax eben kommt: unverschämt effektiv." Er lächelte müde, als er das sagte, und fügte hinzu: "Vielleicht sind wir einfach zu nett. Vielleicht sollten wir mal ein bisschen Ayax in uns finden." Ayax-Coach Eichhorst grinste, als er das hörte. "Na, wir verleihen keine Genehmigung zum Kopieren", witzelte er. "Aber sie haben uns gefordert - das war kein Spaziergang." Am Ende verließen die Zuschauer das Stadion mit gemischten Gefühlen. Stolz auf die erste Halbzeit, ernüchtert über das Ende. In der Kneipe "De Kogel" um die Ecke hörte man einen älteren Fan sagen: "Das war wie ein Film - nur dass der Held am Schluss stirbt." Vielleicht war es das passende Bild für einen Pokalabend, an dem Mut nicht belohnt, aber wenigstens bewundert wurde. Breda verabschiedet sich aus dem Pokal mit erhobenem Kopf - und Ayax zieht weiter, als wäre nichts gewesen. Und irgendwo in Amsterdam wird wohl jemand gesagt haben: "Das war nur das Viertelfinale." In Breda hingegen weiß man jetzt, wie sich Hoffnung anfühlt - und wie schnell sie im Tornetz hängen bleiben kann. 25.03.644000 14:23 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum