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Wer am Donnerstagabend ins Stadion der Flevo Boys kam, um ein spannendes Duell mit dem großen Ayax Amsterdam zu sehen, bekam zumindest eines: Tore. Nur leider alle auf der falschen Seite. Die Gäste aus Amsterdam spielten sich beim 0:5 (0:3) nach Belieben durch die Reihen der Gastgeber und ließen 40.512 Zuschauer zwischen ungläubigem Kopfschütteln und Galgenhumor pendeln. Dabei begann alles gar nicht so schlecht - zumindest, wenn man die ersten zehn Minuten großzügig als "Abtasten" bezeichnet. Die Flevo Boys, von Trainer Franz Huber offensiv eingestellt, hielten den Ball, kombinierten gefällig und hatten sogar fast 59 Prozent Ballbesitz. Doch Ballbesitz allein gewinnt bekanntlich keine Spiele - und schon gar nicht gegen ein Ayax, das mit chirurgischer Präzision zuschlägt. In der 12. Minute war es so weit: Samuel Lester, der flinke Rechtsaußen der Amsterdamer, zog nach feinem Doppelpass mit Routinier Oskar Ottosen ab - 0:1. "Ich hab den Ball nur leicht getroffen, aber anscheinend genau richtig", grinste Lester später. Für die Flevo Boys war es der Beginn eines langen Abends. Nur neun Minuten später erhöhte der 18-jährige Bram Vanderbilt auf 0:2, nachdem Lester ihm mustergültig aufgelegt hatte. Ein Treffer, so elegant, dass selbst die Heimfans kurz klatschten. "Der Junge spielt, als hätte er schon hundert Ligaspiele", schwärmte Ayax-Coach Jochen Eichhorst. Und als hätte man’s geahnt, legte in der 30. Minute Lars Vanderveer noch das 0:3 nach. Vorlage? Natürlich wieder Vanderbilt. Zur Pause stand es 0:3, doch die Statistik erzählte eine kuriose Geschichte: Die Flevo Boys führten beim Ballbesitz, aber Ayax bei allem, was wirklich zählte - 25:1 Torschüsse am Ende der Partie sprechen eine deutliche Sprache. "Wir wollten mutig sein", erklärte Huber später mit einem tapferen Lächeln. "Aber Mut ist manchmal nur ein anderes Wort für Naivität." Tatsächlich hatte sein Team viel vor, aber wenig Durchschlagskraft. Der einzige ernsthafte Torschuss kam kurz vor der Pause von Ashton Bataillard - und der flog fast bis zur Pommesbude hinter der Tribüne. Nach dem Seitenwechsel versuchte Huber, seine Elf wachzurütteln. Doch Ayax spielte weiter wie im Training. Carles Herrera, Innenverteidiger und gerade einmal 20 Jahre alt, durfte in der 67. Minute nach einer Ecke ebenfalls aufs Scoreboard - 0:4. Seine Reaktion? Ein höfliches Nicken, fast entschuldigend. "Ich wollte eigentlich nur den Ball verlängern", sagte Herrera später verschmitzt, "aber wenn’s ein Tor wird, nehme ich’s auch." Das 0:5 in der 78. Minute setzte dem Abend die Krone auf: Der eingewechselte Hans De Groot, erst 22 Jahre alt, traf nach schöner Flanke des ebenfalls jungen Everhart Vogel. Es war die Art von Angriff, bei der man fast Mitleid mit der überforderten Flevo-Abwehr bekam. Immerhin gab’s kurz vor Schluss noch einen kleinen Moment der Emotion - in Gelb: Yochanan Solodkin holte sich in der 83. Minute nach beherztem Einsteigen die Verwarnung ab. "Ich wollte ein Zeichen setzen", sagte er später. "Leider war das Zeichen der Schiedsrichterkarte gelb." Ayax-Coach Eichhorst zeigte sich nach dem Schlusspfiff zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben sauber gespielt, konzentriert, aber da ist noch Luft nach oben." Seine Spieler grinsten derweil breit - verständlich bei einem 5:0-Auswärtssieg. Und die Flevo Boys? Die trotteten vom Platz, wissend, dass sie den Ball zwar oft, aber nie gefährlich hatten. Huber versprach Besserung: "Wir trainieren weiter den Torabschluss - vielleicht treffen wir dann wenigstens die Latte." Ein Fan auf der Tribüne brachte es kurz vor Abpfiff auf den Punkt: "Wir haben dominiert, aber die anderen gewonnen. Das ist auch eine Kunst." So blieb am Ende ein Abend, der den Ayax-Fans Freude und den Flevo-Anhängern Demut brachte - und der Statistik ein Paradebeispiel dafür, dass Ballbesitz nicht gleich Erfolg bedeutet. Oder wie Reporter-Kollege Piet van Dijk in der Mixed Zone murmelte: "Flevo Boys haben 59 Prozent Ballbesitz - und 0 Prozent Tor." Treffer, versenkt. 21.05.644000 04:45 |
Sprücheklopfer
Jancker - hier nimmt er den Ball mit dem Rücken an.
Günter Netzer