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Das war ein Spiel mit zwei Gesichtern - oder, wie Ayax-Trainer Jochen Eichhorst nach dem Abpfiff süffisant meinte: "Erst haben wir höflich abgewartet, dann haben wir eingeladen zum Tanz." Und getanzt wurde in Amsterdam: Am 34. Spieltag der 1. Liga Niederlande fegte Ayax Amsterdam die Gäste von Almere United mit 5:0 vom Platz. 32.799 Zuschauer im Stadion sahen, wie aus einem taktischen Geduldsspiel in Halbzeit eins ein Offensivfeuerwerk nach der Pause wurde. Die erste Hälfte war, um es freundlich zu sagen, ein Geduldsspiel für Fußballästheten. Ayax kombinierte, Almere konterte - allerdings so zahnlos wie ein Löwe nach der Zahnreinigung. Die Gäste hatten sogar mehr Ballbesitz (knapp 55 Prozent), doch was sie damit anfingen, blieb rätselhaft. Zwei Torschüsse in 90 Minuten sprechen Bände. "Wir wollten kontrollieren", erklärte Almere-Kapitän Marnix Voorhees später, "aber irgendwie haben wir dabei vergessen, wohin der Ball am Ende soll." Nach 45 Minuten stand es 0:0, das Publikum murmelte, und Eichhorst soll in der Kabine deutlich geworden sein: "Ich habe ihnen gesagt, dass Ballbesitz schön ist - Tore aber schöner." Seine Mannschaft nahm ihn beim Wort. 49. Minute: Francisco Forque, der rechte Verteidiger mit Offensivdrang, stürmte nach einem feinen Zuspiel des 18-jährigen Hansen Ring nach vorn und zimmerte den Ball mit der Präzision eines Uhrmachers ins lange Eck - 1:0. Der Bann war gebrochen. Nur sechs Minuten später legte Hans De Groot nach. Der junge Rechtsaußen hatte schon in der ersten Halbzeit mehrfach am Tor vorbeigezielt, diesmal traf er nach einem Pass von Innenverteidiger Carles Herrera. 2:0 - und der Jubel klang nach Befreiung. "Ich wollte einfach nicht noch einmal danebenhauen", grinste De Groot später. Almere wirkte nun wie ein Boxer, der nach zwei Treffern in die falsche Ecke taumelt. Ayax nutzte das eiskalt: In der 61. Minute war wieder Forque zur Stelle - diesmal nach Vorlage von Linksverteidiger Everhart Vogel. 3:0, und die Partie war entschieden. Doch die jungen Wilden von Ayax hatten noch nicht genug. Hansen Ring, 18 Jahre alt und offensichtlich ohne Furcht vor großen Momenten, traf in der 71. Minute nach Zuspiel des erfahrenen Espen Coeyman. Der Oldie grinste danach: "Ich wollte dem Jungen mal zeigen, wie man einen Ball serviert - und er hat ihn perfekt gegessen." Zum krönenden Abschluss durfte sich auch Joker Samuel Lester eintragen. Gerade erst für De Groot eingewechselt, schob er in der 79. Minute souverän zum 5:0 ein - Vorlage von Oskar Ottosen, der im Mittelfeld Regie führte wie ein Dirigent, der endlich sein Lieblingsstück spielen darf. Dabei war das Spiel statistisch fast paradox: Almere hatte mehr Ballbesitz, Ayax die klar bessere Zweikampfquote (57 Prozent) und satte 16 Torschüsse - achtmal so viele wie die Gäste. "Das war Lehrstoff für alle, die glauben, Ballbesitz sei gleich Kontrolle", kommentierte ein grinsender Eichhorst nach dem Spiel. Almere-Trainer - der sich nach Schlusspfiff demonstrativ wortkarg gab - murmelte nur: "Wir haben versucht, Fußball zu spielen. Ayax hat es getan." Was von dieser Partie bleibt, ist eine zweite Halbzeit, die so explosiv war, dass man sich fragte, ob die Mannschaft in der Pause heimlich den Espressoautomaten geplündert hatte. Junge Spieler wie Ring und Forque zeigten, dass aus der Ayax-Schmiede weiterhin Talente sprudeln, die nicht nur schön kombinieren, sondern auch treffen können. "Das war Ayax-Fußball, wie man ihn sehen will", sagte ein älterer Fan auf der Tribüne, während er sich die rot-weiße Mütze zurechtrückte. "Erst Spannung, dann Spektakel. Und am Ende genug Tore, um den Montagmorgen zu ertragen." So verabschiedet sich Ayax mit einem Paukenschlag aus der Saison - Platz, Selbstvertrauen und Torverhältnis dürften sich gleichermaßen verbessert haben. Almere dagegen trat die Heimreise mit gesenkten Köpfen an - und vermutlich der Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. Oder, um es mit den Worten von Jochen Eichhorst zu sagen: "Wenn du den Ball ständig hast, aber nichts damit machst, ist das wie ein Date ohne Gespräch - am Ende geht keiner glücklich nach Hause." Ein Satz, der bleiben wird - genau wie dieses 5:0. 08.07.644000 02:33 |
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