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Ayax siegt knapp - Sittard kämpft, fällt aber spät

Das Pokal-Achtelfinale zwischen dem FC Sittard und Ayax Amsterdam war kein Spiel für Feingeister, aber eines für Fußballromantiker: 53.100 Zuschauer im ausverkauften Stadion sahen ein 1:2 (1:1), das alles hatte - Tempo, Emotionen und eine Prise Dramatik. Letztlich setzte sich das erfahrenere Team aus Amsterdam durch, während Sittard mit erhobenem Kopf ausschied.

Schon in der elften Minute zeigte Ayax, warum sie in Europa gefürchtet sind. Daniel Willoughby, 33 Jahre jung, aber mit der Frische eines Studenten im Frühsemester, nahm eine butterweiche Flanke von Espen Coeyman direkt und drosch den Ball humorlos unter die Latte - 0:1. Sittards Keeper Karol Vencel flog zwar, aber eher der Form halber. "Ich hab’ den Ball gehört, aber nicht gesehen", gestand er später mit einem Grinsen.

Doch wer dachte, Sittard würde in Ehrfurcht erstarren, irrte gewaltig. Trainer Patrick We brüllte so laut an der Seitenlinie, dass die Mikrofone vibrierten. "Wir sind nicht hier, um Autogramme zu holen!", soll er seinen Spielern zugerufen haben. Und siehe da: In der 27. Minute zahlte sich die Offensiveinstellung aus. Der 20-jährige Karel Sutphen, der schon vorher zwei Mal gefährlich aufgetaucht war, drückte nach schöner Vorarbeit von Malcom Silva den Ball über die Linie - 1:1. Das Publikum tobte, und selbst der Stadionsprecher klang plötzlich wie auf Koffein.

Die erste Halbzeit endete mit offenem Schlagabtausch. Beide Teams hatten je sechs Abschlüsse aufs Tor. Sittard hielt den Ball zu 46 Prozent, aber mit Leidenschaft, während Ayax mit 53 Prozent Ballbesitz die Ruhe selbst blieb. "Wir wussten, dass sie früh pressen", erklärte Ayax-Coach Jochen Eichhorst später. "Aber unsere Jungs haben das wegmoderiert."

Nach der Pause wurde das Spiel ruppiger. Ayax agierte weiterhin "balanciert", wie es im Taktikprotokoll so schön heißt, während Sittard weiter stürmte - vielleicht zu sehr. In der 63. Minute, als die Heimelf gerade auf den Führungstreffer drängte, kam die kalte Dusche: Der junge Bruno Blanchet schlich sich auf der rechten Seite frei, bekam den Ball von Oscar Leachman serviert und traf flach ins lange Eck - 1:2. Kein Jubel, kein Pomp - Ayax spielte weiter, als sei nichts gewesen.

Sittard reagierte wütend. Innerhalb von zehn Minuten feuerten sie vier Schüsse aufs Tor ab - drei davon durch Gregor Weidman, der mit 22 Jahren so kämpfte, als ginge es um seine Karriere. "Ich wollte das Ding drehen", schnaufte er nach Abpfiff. "Aber der Ball hatte heute andere Pläne."

Ab der 70. Minute verteidigte Ayax routiniert, fast gelangweilt. Rafael Solana dirigierte die Abwehr, als habe er einen inneren Dirigentenstab. Nur einmal, in der 88. Minute, wurde es noch gefährlich: Noach Groesbeck zog aus spitzem Winkel ab - doch Ayax-Torwart Nebojsa Jevtic kratzte den Ball aus der Ecke, als hätte er Saugnäpfe an den Händen.

Am Ende jubelte Ayax, doch auch Sittard bekam Applaus. "Wenn man sieht, was die Jungs heute geleistet haben - das war mehr als nur Fußball", sagte Trainer We. "Vielleicht war’s auch ein bisschen Wahnsinn."

Während die Amsterdamer in die Kabine verschwanden, blieb Sutphen kurz auf dem Rasen sitzen. "Ein Tor ist schön, aber weiterkommen wäre schöner gewesen", murmelte der junge Stürmer. Neben ihm klopfte Groesbeck ihm auf die Schulter: "Kopf hoch, wir haben Ayax geärgert - das ist auch was wert."

Statistisch gesehen war es ein Duell auf Augenhöhe: 12:11 Torschüsse, nahezu ausgeglichene Zweikampfquote (50,1 zu 49,9 Prozent) und ein Ballbesitz, der kaum den Unterschied machte. Der Unterschied lag in der Erfahrung - und in der Kaltschnäuzigkeit eines Daniel Willoughby, der noch im Mixed Zone lächelte: "Mit 33 weißt du, wann du laufen musst - und wann du einfach nur stehen bleibst, damit der Ball dich findet."

Sittard verabschiedet sich also aus dem Pokal, aber nicht aus den Herzen der Fans. Man darf gespannt sein, ob Patrick We seine Jungs mit dieser Energie auch in der Liga wieder entfesseln kann. Und wer weiß - vielleicht trifft man Ayax ja nächstes Jahr wieder. Dann vielleicht nicht als Außenseiter, sondern als unbequemer Gegner mit einer Rechnung offen.

Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen seufzte: "Wenn Mut Tore wären, hätte Sittard heute 5:2 gewonnen."

08.02.644000 12:15
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