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Freitagabend, Flutlicht, 41.578 Zuschauer in der Johan-Cruyff-Arena - und am Ende kratzte sich halb Amsterdam verwundert am Kopf. Sparta Nijkerk, der tapfere Außenseiter aus der Provinz, nahm Ayax Amsterdam mit 2:1 auseinander - na ja, zumindest auf der Anzeigetafel. Statistisch gesehen war’s fast ein Wunder, taktisch ein Lehrstück, emotional ein kleiner Krimi. Dabei fing alles ganz so an, wie es das verwöhnte Ayax-Publikum erwartet hatte. Nach neun Minuten jubelte die Arena, als Vaclav Simak, der 22-jährige Mittelstürmer mit der Schusskraft eines Presslufthammers, eine Hereingabe kompromisslos in die Maschen drosch. Trainer Jochen Eichhorst ballte die Faust, drehte sich zum Publikum und schien zu denken: "Läuft." Doch kaum war der Jubel verklungen, klingelte es auf der anderen Seite. Joshua Patton, der 32-jährige Stoßstürmer von Sparta Nijkerk, nutzte den Moment der Amsterdamer Selbstzufriedenheit, spitzelte den Ball nach Vorarbeit von Danijel Turina ins Netz - 1:1 nach zehn Minuten. Turina, sonst Mittelfeldmotor, wurde später noch zur Schlüsselfigur des Abends. "Das war typisch Ayax", grinste Nijkerks Trainer Markus Kuzmich nach der Partie. "Einmal jubeln, dann vergessen, dass das Spiel 90 Minuten dauert." Von da an übernahmen die Gäste das Kommando. Während Ayax zwar 53 Prozent Ballbesitz hatte, wirkte das eher wie gepflegtes Kreisen in der eigenen Hälfte. Sparta hingegen schoss aus allen Lagen - 18 Torschüsse, so viele wie in manchem kompletten Monat. Villar, Patton, Van Vleck - sie alle durften draufhalten. Ayax-Torhüter Nebojsa Jevtic bekam mehr zu tun als ein Barista am Montagmorgen. Kurz vor der Pause versuchte Daniel Willoughby mit einem wuchtigen Kopfball noch, die Führung zurückzuerobern, doch Nijkerks Keeper Gaspar Hirzer pflückte das Ding mit der Gelassenheit eines Mannes, der schon weiß, dass der Abend gut enden wird. In der zweiten Halbzeit änderte sich wenig am Bild: Ayax rannte, Nijkerk lauerte. Und in der 58. Minute fiel dann, was sich längst angedeutet hatte. Wieder war es Danijel Turina, diesmal selbst als Schütze. Nach einem cleveren Zuspiel von Wouter Rutgers traf er aus 18 Metern flach ins Eck - 2:1 für Sparta Nijkerk. Auf der Ayax-Bank wurde es still. "Ehrlich gesagt, wusste ich gar nicht, dass Turina so schießen kann", flachste Patton später. "Normalerweise braucht er drei Kontakte, um den Ball zu stoppen." Ayax-Coach Eichhorst reagierte hektisch: Er brachte den 19-jährigen Carles Herrera für den verwarnten Iker Caballero (60.) und später Paul Leblanc für den müden Noach Hacker (65.). Doch die Wechsel verpufften - und bescherten Ayax stattdessen zwei weitere Gelbe Karten. Erst sah Agemar Travassos Gelb für ein taktisches Foul (80.), kurz darauf Herrera selbst (81.). "Da war die Luft raus", seufzte Eichhorst. "Wir haben den Ball, die Idee, aber kein Tor." Sparta dagegen hatte Spaß. Villar und Patton schossen weiter munter aus allen Lagen. In der 89. Minute donnerte Villar noch einmal knapp vorbei - und Kuzmich an der Seitenlinie grinste, als hätte er gerade einen Lottoschein gefunden. In der Nachspielzeit gönnte er sogar seinem Torwart Hirzer den Applaus, wechselte ihn aus (95.) und brachte den 20-jährigen Silvestre Custodio. Ein symbolischer Akt: "Gaspar hat heute alles gehalten, was zu halten war - sogar unsere Hoffnung", sagte Kuzmich verschmitzt. Am Ende pfiff der Schiedsrichter ab, und während Sparta Nijkerk ausgelassen vor der Gästekurve tanzte, schlichen die Amsterdamer mit hängenden Köpfen in die Kabine. 1:2, ein Ergebnis, das nüchtern betrachtet noch schmeichelhaft war. Die Statistik sprach eine klare Sprache: 6:18 Torschüsse, 44 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Ayax - das ist in Amsterdam ungefähr so beliebt wie kalter Kaffee. "Wir haben zu viel kontrolliert und zu wenig riskiert", erklärte Eichhorst in der Pressekonferenz. "Vielleicht haben wir geglaubt, dass sich das Spiel von allein gewinnt." Markus Kuzmich grinste nur: "Wir haben einfach Anytime geschossen - wie’s unsere Taktik vorgibt. Irgendwann geht einer rein." Und tatsächlich, seine Mannschaft spielte frech, aggressiv, mit Herz. Zum Schluss sagte Turina, der Mann des Abends, mit einem Augenzwinkern: "Ich bin 33, also alt genug, um zu wissen: Wenn du in Amsterdam gewinnst, musst du nie wieder fürs Abendessen zahlen. Hoffentlich gilt das auch für uns." Ein bitterer Abend für Ayax, ein goldener für Sparta Nijkerk - und ein Beweis, dass Fußball manchmal einfach die schönste Form des Zufalls ist. 23.01.643997 12:43 |
Sprücheklopfer
Bei manchen Spielern fehlt etwas, deshalb spielen sie auch bei mir und nicht in Barcelona.
Aleksandar Ristic