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Es war einer dieser Abende, an denen das Stadion in Osijek schon vor dem Anpfiff vibrierte - 27.244 Zuschauer, Flutlicht, 13. Spieltag der 1. Liga Kroatien, und eine Heimmannschaft, die sich viel vorgenommen hatte. Am Ende aber stand ein enttäuschendes 0:1 aus Sicht von Hajduk Osijek - und ein jubelnder Sladan Babic, der für NK Zagreb den Unterschied machte. Die Partie begann mit einem Paukenschlag. Gerade waren acht Minuten gespielt, da schlug Zagreb eiskalt zu. Jerko Males, der Denker und Lenker im zentralen Mittelfeld, schickte Babic mit einem Pass in die Tiefe - und der 28-Jährige vollendete mit der Coolness eines Mannes, der schon zu viele Chancen hat liegen lassen, um noch nervös zu werden. "Ich hab einfach den Kopf ausgeschaltet", grinste Babic nach dem Spiel und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Vielleicht war das das Geheimnis." Osijek, von Trainer Tommek Dee offensiv eingestellt, brauchte einige Minuten, um den Rückstand zu verdauen. Doch dann rollte Angriff um Angriff auf das Tor von Wladimir Kostadinow, dem 33-jährigen Schlussmann der Gäste. In der 24. Minute prüfte Kamil Zytko den Keeper mit einem satten Schuss aus der zweiten Reihe - gehalten. Vier Minuten später wieder Zytko, wieder Kostadinow im Weg. Der Torwart von Zagreb hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend der Spielverderber zu sein. "Wir hätten noch drei Stunden spielen können, der Ball wäre trotzdem nicht reingegangen", meinte Osijeks junger Rechtsaußen Jurica Horvat nach dem Schlusspfiff mit einem bitteren Lächeln. Ganz Unrecht hatte er nicht. Elf Torschüsse verzeichneten die Gastgeber, doch keiner fand den Weg über die Linie. Zagreb hingegen agierte abgeklärt. Mit nur sechs Torschüssen und knapp 48 Prozent Ballbesitz erzielten sie das Tor des Abends und verteidigten es mit stoischer Ruhe. Trainer Tommek Dee konnte nach der Partie nur den Kopf schütteln: "Wir hatten mehr vom Spiel, mehr Chancen, mehr Herz - aber eben kein Tor. Fußball kann manchmal grausam ehrlich sein." Besonders bitter: In der zweiten Halbzeit drückte Osijek mit allem, was sie hatten. Der 18-jährige Georges Gariepy versuchte es in der 58. Minute mit einem strammen Linksschuss, Jannik Hirsch scheiterte zweimal (68. und 77. Minute), und selbst der 17-jährige Hrvoje Horvat kam zu einer Chance aus spitzem Winkel. Doch immer wieder war da ein Bein, eine Hand, ein Reflex - oder schlicht das Pech, das sich an diesem Abend in Weiß-Blau kleidete. Die Zuschauer im Stadion reagierten mit einer Mischung aus Verzweiflung und Galgenhumor. "Der Ball mag uns einfach nicht!", rief ein Fan auf der Haupttribüne, als Zytko in der 94. Minute den letzten Schuss des Spiels knapp neben den Pfosten setzte. Zagreb dagegen zeigte, warum Erfahrung manchmal Jugend übertrumpft. Mit alten Haudegen wie Adrian Gorski und Rafael Mendes hielten sie die Defensive dicht, während Babic vorne lauerte. Trainer Males - sichtlich zufrieden - erklärte nach dem Spiel: "Wir wollten kompakt stehen, ruhig bleiben und unsere Chance nutzen. Und genau das haben die Jungs gemacht." Taktisch blieb das Spiel erstaunlich unspektakulär. Beide Teams agierten aus einer ausgewogenen Grundordnung heraus, kein wildes Pressing, kein übertriebener Offensivdrang - eher das geduldige Schachspiel zweier Mannschaften, die wussten, dass ein Fehler entscheidend sein könnte. Zagreb nutzte seinen einen Moment, Osijek fand keinen. Dennoch bleibt Osijek etwas Trost: Die jungen Spieler zeigten Moral, Tempo und Leidenschaft. "Wenn man sieht, wie die Jungs kämpfen, kann man ihnen kaum böse sein", sagte Trainer Dee zum Abschluss und fügte sarkastisch hinzu: "Nur Tore - daran müssen wir wohl noch ein bisschen arbeiten." So war es ein Abend voller Emotionen, Chancen und einem Tor, das früh fiel und lange nachhallte. Zagreb entführt drei Punkte, Osijek bleibt mit leeren Händen zurück - aber mit einer Mannschaft, die trotz der Niederlage Mut machte. Und irgendwo im Tunnel des Stadions hörte man Sladan Babic leise pfeifen, während er seinen Schuh aufpolierte. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass er schon weiß, wie man Spiele entscheidet - oder einfach nur der Klang eines Mannes, der genau das getan hat. 27.10.643999 14:52 |
Sprücheklopfer
Wenn kein Sprit im Tank und die Birne leer ist, läuft nichts.
Rainer Calmund