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Bad Kleinen fegt Ludwigshafen in 35 Minuten vom Platz

Ein lauer Sommerabend, 38.684 Zuschauer, und Bad Kleinen hatte offenbar keine Lust auf Spannung. Beim 4:2-Sieg gegen Ludwigshafen am 13. Spieltag der 1. Liga Deutschland war die Partie nach einer halben Stunde praktisch entschieden - und das, obwohl der Ballbesitz mit 46 zu 54 Prozent erstaunlich gegen den Sieger sprach. Doch Fußball wird bekanntlich nicht in Prozentpunkten, sondern in Toren entschieden.

Schon in der vierten Minute legte Fernando Jorge los, als wolle er den Feierabendverkehr in Bad Kleinen vermeiden. Nach einem präzisen Zuspiel von Max Adam jagte der 23-jährige Mittelstürmer den Ball humorlos ins Netz. Zwei Minuten später das nächste Ausrufezeichen: Diesmal bediente Jorge den startenden Manuel Semeraro, der per Flachschuss zum 2:0 traf. Trainer Cw WC grinste später: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen früh Druck machen - dass sie’s so wörtlich nehmen, war mir auch neu."

Ludwigshafen dagegen stand da wie ein Chor, der den Einsatz verpasst hat. Zwar hatte das Team von Trainer Frank Seil nominell mehr Ballbesitz, aber Bad Kleinen schoss, als gäbe es Prämien pro Versuch: 24 Abschlüsse gegenüber 9 der Gäste. In der 28. Minute folgte dann das Highlight des Abends: Rechtsverteidiger Lucas Brinkmann, zuvor schon mit Gelb verwarnt, fasste sich nach einer Flanke von Frank Thomas ein Herz und drosch den Ball volley zum 3:0 in den Winkel. Die Fans tobten, Brinkmann riss die Arme hoch - vielleicht ahnend, dass sein Abend noch eine Wendung nehmen würde.

Ludwigshafen zeigte kurz Lebenszeichen. Nach einem schönen Doppelpass mit Esteban Prieto erzielte Constantin Nowak in der 32. Minute den Anschlusstreffer. "Da haben wir kurz geglaubt, jetzt geht was", meinte Seil trocken. Aber Max Adam zerstörte diese Hoffnung nur drei Minuten später, als er nach Vorlage von Olaf Esser zum 4:1 einschob. Zur Halbzeit war die Messe gelesen.

Die zweite Hälfte begann mit einer Prise Chaos: Brinkmann, Held des ersten Durchgangs, sah nach wiederholtem Foulspiel in der 61. Minute Gelb-Rot. Statt Jubel nun Kopfschütteln. "Ich dachte, der Schiri will nur mit mir reden", verteidigte sich der Rechtsverteidiger später, während sein Trainer die Hände vors Gesicht schlug. Cw WC kommentierte lakonisch: "Lucas hat heute ein Tor geschossen, eine Karte gesammelt und 60 Minuten alles gegeben - das ist fast Effizienz."

Mit einem Mann mehr übernahm Ludwigshafen das Geschehen, allerdings ohne zwingend zu werden. Ihre 53 Prozent Ballbesitz wirkten wie höflicher Ballbesitz - viele Pässe, wenig Gefahr. Erst Callum Bosworth brachte mit seinem Treffer in der 72. Minute wieder etwas Spannung ins Spiel, nachdem Connor Thuringer ihn stark bedient hatte. 4:2, und plötzlich roch es ein wenig nach Aufholjagd.

Doch Bad Kleinen verteidigte clever, wechselte diszipliniert und setzte selbst weiter Nadelstiche. Nachwuchsmann Jannick Berg kam für den ausgepowerten Frank Thomas, Detlev Renner ersetzte Doppeltorschütze Semeraro - frischer Wind auf den Flügeln, und der Gegner lief sich die Lunge aus dem Leib. Ludwigshafen brachte in der Schlussphase noch drei Joker, darunter den 21-jährigen Klaus Schilling, doch keiner konnte die Partie noch drehen.

Am Ende blieb es beim 4:2, und die Zuschauer verabschiedeten ihr Team mit stehenden Ovationen. Für Bad Kleinen war es ein Statement-Sieg - mit Leidenschaft, Tempo und einer Prise Wahnsinn. Trainer Seil von Ludwigshafen fasste es mit Galgenhumor zusammen: "Wir hatten mehr vom Ball. Sie hatten mehr vom Spiel. Und das ist halt leider nicht dasselbe."

Statistisch gesehen war’s kurios: weniger Ballbesitz, aber doppelt so viele Abschlüsse, dazu drei Gelbe, eine Gelb-Rote - ein Spiel wie aus dem Lehrbuch für Effektivität. "Ich sag’s mal so: lieber 46 Prozent Ballbesitz und drei Punkte als andersrum", grinste Kapitän Max Adam nach Abpfiff, während er den Spielball in die Tasche steckte.

Und so ging ein Abend zu Ende, an dem Bad Kleinen zeigte, dass man Fußball nicht schön, sondern klug spielen kann. "Wenn wir so weiter machen, holen wir bald den Busfahrplan zur Meisterfeier raus", flachste Cw WC noch auf der Pressekonferenz. Und wer die erste halbe Stunde gesehen hat, könnte glatt glauben, dass er es ernst meint.

07.03.644003 05:25
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