// Startseite
| Sportecho |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Wenn 41.697 Zuschauer an einem Donnerstagabend in Bad Kleinen auf den Rängen toben, dann weiß man: Hier wird kein lauer Sommerkick geboten. Was die Gastgeber gegen den SV Fuhlenbrock beim 4:3 (3:1) im Rahmen des 29. Spieltags der 1. Liga Deutschland zeigten, war eine wilde Achterbahnfahrt zwischen Genie, Wahnsinn - und leichtem Nervenzusammenbruch für beide Trainer. Schon die ersten Minuten ließen ahnen, dass defensive Ordnung heute nur eine optionale Empfehlung war. Keine zehn Minuten gespielt, da zappelte der Ball schon im Netz: Fernando Jorge, der flinke Mittelstürmer der Hausherren, schob nach feinem Zuspiel von Marek Matusiak ein - 1:0, die Fans jubelten, Trainer Cw WC riss die Arme hoch, als hätte er persönlich das Tor erzielt. "Das war genau der Spielzug, den wir nie trainiert haben", witzelte er später mit einem Augenzwinkern. Doch die Freude währte kaum eine Minute. Fuhlenbrocks Tomas Stevko, ein Mann mit mehr Kilometerleistung als so mancher Linienrichter, hämmerte den Ball zum 1:1 ins Eck. Vorbereiter Dusan Pivaljevic grinste danach: "Ich wollte eigentlich flanken, aber das Tor nehme ich gern mit." Danach drehte Bad Kleinen richtig auf. Jorge legte in der 13. Minute nach - ein eiskalter Abschluss, der selbst die Tormaschine in den sozialen Medien kurzzeitig überhitzte. Und als Matusiak vier Minuten später auf 3:1 stellte, war das Stadion eine einzige rot-weiße Euphoriewelle. Fuhlenbrock wirkte konsterniert, ihr Trainer Mike Lowrey gestikulierte wild an der Seitenlinie und rief seinem Team zu: "Ihr dürft auch mal in unserer Hälfte auftauchen!" Die Statistik sprach zur Pause eine klare Sprache: 50 Prozent Ballbesitz auf beiden Seiten, aber Bad Kleinen mit der effizienteren Klinge. Elf Torschüsse der Gastgeber standen 16 der Gäste gegenüber - doch was nützen Zahlen, wenn die Kugel nicht rein will? Nach der Pause versuchte Fuhlenbrock, das Steuer herumzureißen. Doch zunächst war wieder Bad Kleinen an der Reihe. In der 49. Minute erzielte Marwin Paul nach schöner Vorarbeit von Hans Jürgens das 4:1 - die Entscheidung, dachte man. "Ich hab’ einfach draufgehalten, Augen zu und durch", grinste Paul nach dem Spiel. Aber Fuhlenbrock hatte andere Pläne. Nur zwei Minuten später verkürzte Carlos Caneira auf 4:2, nach einer blitzsauberen Kombination über Owen Hannigan. Und wer geglaubt hatte, dass das nur Ergebniskosmetik sei, wurde eines Besseren belehrt: Fuhlenbrock warf alles nach vorn, ging in den Schlussminuten in den "Alles-oder-nichts"-Modus. Trainer Lowrey stellte auf volles Risiko um, brachte Nuno Fernandes und Corey Clancy - und tatsächlich, in der 83. Minute belohnte sich das Team. Fernandes traf nach feiner Vorarbeit von Pivaljevic zum 4:3. "Da dachte ich kurz, wir machen hier noch das 4:4 - und dann fällt mir ein, dass wir Fuhlenbrock heißen, nicht Wunderland", lachte Lowrey hinterher sarkastisch. Die Schlussphase war dann nichts für schwache Nerven. Fuhlenbrock rannte an, Bad Kleinen schwitzte, Coach WC brüllte "Haltet den Ball!", während seine Spieler das genaue Gegenteil taten. Jorge hatte in der 88. Minute sogar noch die Chance auf seinen Hattrick, scheiterte aber am glänzend reagierenden Nicola Degano im Fuhlenbrocker Tor. Dann endlich der Abpfiff - und ein kollektives Aufatmen. "Ich bin jetzt erstmal zwei Tage heiser und drei Tage glücklich", meinte Bad Kleinens Trainer, während die Fans die Spieler feierten. Taktisch gesehen war es ein Spiel zweier offensiv denkender Teams: Beide mit klarer Ausrichtung nach vorn, beide mit mutigem Pressing, wobei Bad Kleinen über weite Strecken das balanciertere Passspiel zeigte. Fuhlenbrock dagegen setzte auf lange Bälle und pure Wucht - besonders in der Schlussphase, als sie fast jeden Pass in die Spitze droschen, der nicht bei drei auf den Bäumen war. Am Ende bleibt ein verdientes, wenn auch wackliges 4:3 für Bad Kleinen. Drei Punkte, die sie in der Tabelle nach vorn bringen - und vermutlich ein paar neue graue Haare für ihren Coach. Oder wie Fernando Jorge es zusammenfasste: "Manchmal gewinnst du mit Plan, manchmal mit Chaos. Heute halt mit beidem." Ein Fußballabend, der wieder einmal beweist: In Bad Kleinen ist das Wort "Klein" nur im Namen Programm. 11.05.644000 05:55 |
Sprücheklopfer
Von der Einstellung her stimmt die Einstellung.
Andreas Brehme