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Es gibt Abende, da läuft einfach alles. Und dann gibt es Abende wie diesen für Bad Kleinen - wo sogar der Ball freiwillig in Richtung gegnerisches Tor rollt. 36.878 Zuschauer im Stadion erlebten am Samstag einen Fußballabend, der eher an ein Schützenfest erinnerte als an ein Duell der 1. Liga Deutschland. Am Ende stand ein überdeutliches 5:0 (3:0) für die Gastgeber gegen völlig überforderte Rostocker, die sich an diesem neunten Spieltag eher wie Statisten in einem Heimspielfilm von Bad Kleinen vorkamen. Schon nach 19 Minuten ging’s los: Marek Matusiak, der Mann mit der linken Klebe, versenkte den Ball nach Vorarbeit von Abwehrmann Luca Schuster - ja, richtig gelesen, der Innenverteidiger hatte sich in den Angriff geschlichen. "Ich dachte, er will nur kurz Hallo sagen vorne", grinste Trainer Cw WC später. Es war der Auftakt zu einem Abend, an dem Bad Kleinen alles gelang, Hansa Rostock dagegen kaum wusste, ob sie verteidigen, angreifen oder einfach beten sollten. Nur neun Minuten später legte Marwin Paul nach - eiskalt, nach feiner Flanke von Manuel Semeraro. "Ich hab den Ball gesehen und dachte: Ach komm, schieß einfach. Und dann war er drin. Manchmal ist Fußball so einfach", sagte Paul mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Bescheidenheit und Schadenfreude lag. In Minute 35 stand es dann schon 3:0 - wieder Matusiak, wieder eiskalt, diesmal nach Pass von Semeraro. Der Italiener im Mittelfeld hatte offenbar einen besonders guten Abend erwischt. "Ich hab mich gefühlt, als ob ich auf dem Schulhof spiele - nur dass die Jungs in Blau irgendwie nie den Ball wollten", meinte er augenzwinkernd. Und Hansa Rostock? Nun ja. Mehr Ballbesitz (56 Prozent), aber weniger Torgefahr. Sechs Schüsse aufs Tor, die meisten davon Erinnerungsfotos für Bad Kleinens Keeper Kurt Hagen. Besonders Michel Haswell versuchte es gleich dreimal - aber Hagen hatte offenbar Magnet-Handschuhe an diesem Abend. Nach der Pause änderte sich wenig. Bad Kleinen blieb offensiv, während Rostock weiterhin defensiv höflich blieb. In der 60. Minute kam Joschua Pfeifer für den doppelt erfolgreichen Matusiak - und brauchte nur sieben Minuten, um sich selbst in die Torschützenliste einzutragen. 4:0. "Ich wollte eigentlich nur ein bisschen Spielpraxis sammeln", meinte Pfeifer später lachend, "aber als der Ball so schön da lag, musste ich was draus machen." Den Schlusspunkt setzte der junge Fernando Jorge in der 75. Minute, nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Jannik Wimmer. Damit war das 5:0 perfekt - und die Laune in Bad Kleinen auf einem Niveau, das normalerweise nur nach Meisterfeiern erreicht wird. Ganz ohne Drama ging’s aber nicht: In der 73. Minute sah Linksverteidiger Olaf Esser Gelb - und sieben Minuten später Gelb-Rot. "Ich wollte nur zeigen, dass ich auch auffallen kann", witzelte er hinterher, sichtlich erleichtert, dass sein Platzverweis keine Folgen fürs Ergebnis hatte. Trainer Cw WC, sonst eher wortkarg, hatte Mühe, den Triumph in Worte zu fassen: "Wir haben offensiv gespielt, mutig, mit Herz - und heute ist einfach alles aufgegangen. Fünf Tore, kein Gegentor, da kann man sich schon mal ein Bier gönnen." Sein Gegenüber Marko Maniurka von Hansa Rostock dagegen rang um Fassung: "Wir hatten mehr Ballbesitz, aber weniger Ideen. Vielleicht dachten die Jungs, das zählt doppelt. Tut’s leider nicht." Die Statistik unterstreicht den Klassenunterschied an diesem Tag: 15 Torschüsse für Bad Kleinen, nur sechs für Rostock. Während die Gastgeber mit 43 Prozent Ballbesitz aus wenig viel machten, wirkten die Gäste mit ihren 56 Prozent wie ein Pianist ohne Klavier. Nach dem Schlusspfiff tanzten die Spieler von Bad Kleinen vor der Fankurve, während Matusiak sich von einem kleinen Jungen das Handy leihen ließ, um ein Selfie zu machen - "Beweisfoto für später, falls mir das jemand nicht glaubt." Hansa Rostock verabschiedete sich dagegen mit hängenden Köpfen. Ein Fan rief aus dem Oberrang: "Kopf hoch, Jungs, es sind noch 25 Spieltage!" - ein Satz, der gleichzeitig Trost und Drohung war. Fazit: Bad Kleinen hat an diesem Abend nicht nur drei Punkte geholt, sondern ein Statement gesetzt. Wenn sie diesen Offensivdrang behalten, könnte das kleine Dorf bald ganz groß in der Liga mitmischen. Und Hansa? Die Rostocker werden diesen Abend vermutlich schnell vergessen wollen - oder als Mahnung an die Kabinentür hängen. Wie sagte Cw WC beim Rausgehen: "Fußball ist manchmal einfach. Man muss nur treffen." - An diesem Abend traf Bad Kleinen einfach alles. 19.01.644003 21:40 |
Sprücheklopfer
Was soll ich mit den Spielern reden, ich bin doch kein Pfarrer.
Werner Lorant