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Bad Urach zerlegt Hordel - Keller trifft dreifach

Wenn ein 23-jähriger Flügelstürmer zur Abrissbirne wird, dann war vermutlich FV Bad Urach am Werk. Zum Auftakt der neuen Zweitligasaison feierte die Mannschaft von Giuseppe Spera ein wahres Schützenfest und schickte den TuS Hordel mit 5:0 nach Hause. Vor 30.643 Zuschauern verwandelte sich das Uracher Stadion in ein Tollhaus - und Frank Keller in den Alb-Tornado. Drei Tore, zwei Vorlagen, dazu ein Lächeln, das wahrscheinlich noch auf den Fanplakaten leuchtet.

Dabei begann alles vergleichsweise harmlos. Bad Urach tastete sich mit Kurzpassspiel und 59 Prozent Ballbesitz an die Hordeler Defensive heran, die sich zwar "offensiv" nennen durfte, aber schon nach zehn Minuten so tief stand, dass man die Abwehrreihe vermutlich im Schatten des eigenen Torwarts fand. "Wir wollten eigentlich auf Konter spielen", erklärte Gästecoach Ute Finkeldy später trocken. "Aber irgendwann kam der Ball einfach nicht mehr raus."

Frank Keller hatte da schon zweimal abgezogen, Lars Schmidt dirigierte im Mittelfeld wie ein Schachmeister, und Marco Stark lauerte vorne - noch - vergeblich. In der 36. Minute war es dann soweit: Schmidt steckte durch, Keller zog aus spitzem Winkel ab - 1:0. Keine Minute später schlug Keller erneut zu, diesmal nach Vorarbeit von Innenverteidiger Olaf Neumann, der sich offenbar dachte: Wenn schon, denn schon. "Ich bin eigentlich kein Vorlagengeber", grinste Neumann nach dem Spiel. "Aber Frank hat geschrien, da konnte ich nicht nein sagen."

Zur Pause stand es 2:0, und die Hordeler wirkten, als hätten sie lieber den Bus zum nächsten Heimspiel genommen. Ganze ein Torschuss stand auf ihrer Habenseite - ein Versuch von Olav Anders in der 17. Minute, der so weit über das Tor ging, dass der Ball vermutlich in der nahegelegenen Pommesbude landete.

Nach dem Seitenwechsel machte Bad Urach da weiter, wo es aufgehört hatte. Eduardo Pelegrin sprintete über die rechte Außenbahn, flankte präzise in die Mitte, und Marco Stark musste in der 60. Minute nur noch den Fuß hinhalten - 3:0. "Das war eine Vorlage mit Ansage", lachte Trainer Spera später. "Eduardo hat mich auf der Bank angeschaut, als wolle er sagen: Jetzt, Chef, jetzt!"

Hordel reagierte mit Härte statt Haltung. Erst sah Nico Blum Gelb, dann kassierte Routinier Tim Freitag seine zweite Verwarnung und durfte in der 77. Minute unter die Dusche - Gelb-Rot, und das bei einem Stand von 0:3. Keller nutzte die Überzahl prompt: In der 73. Minute - ja, der Chronist weiß, das ist etwas früher, aber Keller war schon da - vollendete er nach feinem Pass von Christian Hafner zum 4:0. "Ich hab gar nicht gezählt", sagte der Dreifachtorschütze später bescheiden. "Aber als mir die Jungs nach dem dritten Treffer das Trikot über den Kopf zogen, war mir klar: Das war wohl nicht mein erstes heute."

Und weil ein Heimspiel ohne jugendliche Heldengeschichte einfach unvollständig wäre, schrieb sich in der Nachspielzeit noch der 18-jährige Nevio Sauer in die Torschützenliste ein. Nach Flanke - von wem wohl? Natürlich von Frank Keller - drückte der Youngster den Ball zum 5:0-Endstand über die Linie. "Ich wusste gar nicht, wohin mit meinen Armen", lachte Sauer, "aber Frank hat mich einfach in die Luft gehoben. Ich dachte kurz, ich flieg wirklich."

Am Ende stand nicht nur das Ergebnis, sondern auch eine Statistik, die Bände sprach: 21 Torschüsse für Bad Urach, einer für Hordel. 59 Prozent Ballbesitz gegen 41, dazu eine Zweikampfquote von fast 59 Prozent - ein Klassenunterschied, der nicht nur auf dem Papier sichtbar war.

Trainer Spera fasste das Ganze mit typisch italienischer Gelassenheit zusammen: "Wir haben gut gespielt, aber fünf Tore sind auch nur drei Punkte." Kollege Finkeldy hingegen suchte nach Worten - und fand welche: "Wenn du 90 Minuten hinterherläufst, siehst du irgendwann die Rückennummern lieber als den Ball."

Bad Urach grüßt damit nach dem ersten Spieltag von ganz oben. Das Publikum sang noch lange nach Abpfiff, und irgendwo zwischen den jubelnden Fans stand ein junger Mann mit der Rückennummer 11, der sich den Schweiß von der Stirn wischte und leise grinste.

"Na gut", sagte Frank Keller, "vielleicht war’s heute ganz okay."

Ganz okay? Wenn das so weitergeht, sollte die 2. Liga schon mal die Kameras schärfer stellen - es könnte eine lange, laute Saison werden.

09.06.643990 03:50
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Der Trainer hatte nach den ganzen Ausfällen im Angriff nur noch die Wahl zwischen mir und dem Busfahrer. Da der Busfahrer seine Schuhe nicht dabei hatte, habe ich gespielt.
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