La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

Barcelona dreht das Spiel: Hinz trifft doppelt beim 3:2 gegen Aucas

Ein lauer Maiabend in Guayaquil, 40.292 Zuschauer und ein Spiel, das eigentlich schon verloren schien - bis BSC Barcelona beschloss, doch noch Fußball zu spielen. Mit 3:2 (1:2) gewann das Team von Trainer Andi Eier am 27. Spieltag der ecuadorianischen Liga gegen CD Aucas und zeigte dabei alles, was man an südamerikanischem Fußball liebt: Drama, Tore, Gelbe Karten und ein bisschen Chaos.

Schon nach 13 Minuten lag der Ball im Netz des Heimteams. Bruno Penas, der zentrale Mittelfeldmotor der Gäste, zog aus 20 Metern ab - und das Leder schlug unhaltbar ein. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Penas später, "aber manchmal hört der Ball nicht auf mich." Sein Sturmpartner Alberto Almeida hatte den Pass gegeben, die Aucas-Bank jubelte ausgelassen.

Barcelona brauchte eine halbe Stunde, um den Schock zu verdauen. Dann aber kam Thomas Hinz - ein Mann, der offenbar beschlossen hatte, an diesem Abend keine halben Sachen zu machen. In der 31. Minute traf er nach feiner Vorarbeit von Joseph Burton zum Ausgleich. "Joseph hat den Ball so perfekt hingelegt, dass ich gar nicht daneben schießen konnte", sagte Hinz später mit einem Augenzwinkern.

Doch kurz vor der Pause die kalte Dusche: Mateo Blanco, eigentlich linker Verteidiger, rückte mit nach vorn und drückte nach einem Standard den Ball zum 1:2 über die Linie. Vitor Pauleta hatte den Kopfball verlängert, die Abwehr Barcelonas stand Spalier. In der Kabine wurde es laut - Trainer Eier soll nach Zeugenberichten eine Wasserflasche an die Taktiktafel geworfen haben, "nicht aus Wut, sondern zur Demonstration", wie er später süffisant erklärte.

Nach der Pause trat seine Mannschaft wie ausgewechselt auf. Kaum drei Minuten waren gespielt, da schlug wieder Thomas Hinz zu. Dieses Mal nach Vorlage von Javier Jorge, der sich mit einem Dribbling durch die halbe Aucas-Abwehr gearbeitet hatte. 2:2 - und plötzlich war wieder Feuer im Stadion.

"Wir wussten, dass wir stärker sind, wenn wir den Ball laufen lassen", meinte Coach Eier nach dem Spiel. Die Statistik gibt ihm recht: 16 Torschüsse zu 7, 50,6 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von fast 54 Prozent. Viel wichtiger aber: Barcelona spielte jetzt mutig, druckvoll - und belohnte sich.

In der 69. Minute dann die Entscheidung: Der eingewechselte Youngster Juan Mata (nein, nicht der ehemalige spanische Nationalspieler, aber fast so schnell) bediente den rechten Flügelstürmer Nelio Albentosa, der trocken ins lange Eck abschloss. 3:2 - das Stadion explodierte. "Ich habe gar nicht gesehen, dass er schießt", gestand Torwart Vitorino Manu von Aucas, "plötzlich war der Ball einfach da - und dann weg."

Danach wurde es hitzig. Aucas-Trainer Mister Zvenson brachte frische Kräfte, die Härte nahm zu. Zwei Gelbe Karten in kurzer Folge - Rafael Albinana (43.) und Cristobal Mino (71.) - ließen erkennen, dass die Gäste den Rückstand nicht einfach hinnehmen wollten. Auch Barcelonas Burton sah Gelb (73.), als er bei einem Konter das Foul "taktisch klug" setzte, wie er selbst mit einem Lächeln zugab.

Selbst der Torwartwechsel bei Barcelona sorgte für Aufsehen: In der 70. Minute durfte Ersatzkeeper Raul Cunha ran, nachdem Yekta Colak offenbar Probleme mit dem Oberschenkel hatte. Cunha wurde prompt mit einem wuchtigen Schuss von Pal Aas getestet - und bestand die Prüfung mit Bravour.

"Das war eines dieser Spiele, in denen du weißt: Wenn du verlierst, redet morgen keiner mit dir", sagte Hinz nach Schlusspfiff, der mit seinen zwei Treffern zum Mann des Abends wurde. Trainer Eier klopfte ihm vor laufenden Kameras auf die Schulter: "Ich hab ihm gesagt, er soll endlich mal schießen, statt nachzudenken. Heute hat er beides richtig gemacht."

Aucas hingegen verließ das Feld mit hängenden Köpfen. "Wir haben stark angefangen, aber zu viele Chancen hergegeben", resümierte Zvenson. Seine Mannschaft hatte in der Schlussphase sogar noch zwei gefährliche Abschlüsse durch Pal Aas (77., 80.), doch der Ball wollte nicht mehr rein.

Als der Schlusspfiff ertönte, sangen die Fans von Barcelona lauthals - und diesmal durfte man es ihnen nicht verdenken. Ein 3:2-Sieg nach Rückstand, mit Leidenschaft und jugendlicher Wildheit erkämpft, ist schließlich die schönste Art, den Dienstagabend zu verbringen.

Und während Andi Eier später auf der Pressekonferenz trocken meinte: "Ich habe nichts anderes erwartet", grinste Thomas Hinz nur. "Wenn’s so einfach wäre, würde ich das jedes Wochenende machen."

Ein bisschen Größenwahn steht ihm gut - und dem BSC Barcelona ohnehin.

17.04.644000 21:35
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