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Was für ein Abend im Stadion an der Maas! 34.465 Zuschauer waren gekommen, um vielleicht ein solides Ligaspiel zu sehen - und bekamen stattdessen eine zweite Halbzeit, die noch Tage später für Gesprächsstoff sorgen dürfte. Der FC Sittard schlug den SC Den Bosch am 7. Spieltag der 1. Liga Niederlande mit 3:1 (0:0) - und wenn man ehrlich ist, war das Ergebnis noch das Gerechteste an diesem Abend. Denn was in den ersten 45 Minuten geboten wurde, war kein Leckerbissen. "Ich habe kurz überlegt, ob wir das Flutlicht ausmachen, um das Drama zu beenden", witzelte Heimtrainer Patrick We später mit einem breiten Grinsen. Beide Teams spielten brav, ausgeglichen, beinahe höflich. Sittard hatte zwar etwas mehr Ballbesitz (52 Prozent) und schoss häufiger aufs Tor, aber die Abschlüsse von Barhydt, Devenpeck und Van Schoonhoven waren eher freundliche Grüße an Gästetorwart Gerard Brill. Das änderte sich nach der Pause schlagartig. In der 50. Minute brach Elmo Barhydt den Bann, nachdem Noach Groesbeck ihm den Ball in den Lauf spielte. Ein kurzer Blick, ein flacher Abschluss ins rechte Eck - 1:0. Das Stadion erwachte aus dem Halbschlaf, und auf der Trainerbank des FC Sittard wurde plötzlich hektisch gelächelt. "Ich hatte schon in der Kabine gesagt: Irgendwann fällt er. Und dann fiel er", grinste Barhydt später, der an diesem Abend noch öfter Grund zum Strahlen haben sollte. Zehn Minuten später war der rechte Flügelspieler erneut zur Stelle. Michel Devenpeck zog in der Mitte drei Abwehrspieler auf sich und legte dann perfekt quer. Barhydt nahm den Ball mit der Sohle mit, drehte sich und traf zum 2:0 (61.). Es war die Art von Tor, die in Zeitlupe noch besser aussieht - und die Verteidiger von Den Bosch werden sie wohl auch genau so noch ein paarmal sehen müssen. Gasttrainer Lui Viton - der Name verpflichtet zu Stil - blieb äußerlich ruhig, innerlich dürfte er aber gekocht haben. "Wir haben uns zu sehr auf unsere Balance verlassen", sagte er nach dem Spiel mit ernster Miene. "Leider war die Waage heute auf der falschen Seite schwerer." Sittard spielte nun befreit auf, und Barhydt schien einfach nicht genug zu bekommen. In der 84. Minute wiederholte sich das Drehbuch: Devenpeck als Vorbereiter, Barhydt als Vollstrecker - 3:0. Der Huttrick war perfekt, und die Zuschauer sangen seinen Namen, als wäre er gerade Weltmeister geworden. "Ich wollte einfach Spaß haben", erklärte der schmunzelnde Dreifachtorschütze später, "und Michel hat mir den Spaß serviert wie auf einem Silbertablett." Die Partie war längst entschieden, als Den Bosch in der Nachspielzeit noch etwas Ergebniskosmetik betrieb. Jan Putnam traf in der 92. Minute nach Vorarbeit von Egidius Halse zum 3:1-Endstand - und wenigstens das ließ Gästecoach Viton wieder menschlich wirken. "Wir haben nie aufgegeben", sagte er, "auch wenn’s diesmal mehr ein ästhetisches Statement war." Statistisch betrachtet hatte Sittard das Spiel in allen Belangen unter Kontrolle: 14 zu 7 Torschüsse, 52 Prozent Ballbesitz, eine Zweikampfquote von 52,6 Prozent. Auffällig war auch, dass Patrick We trotz klarer Führung noch junge Kräfte brachte: Denzel Dumfries und Hansen Lansing kamen Mitte der zweiten Halbzeit zum Einsatz und zeigten, dass die Zukunft des Vereins nicht nur in Barhydts Füßen liegt. Zwar kassierte Dumfries in der 81. Minute noch Gelb - "Ich wollte nur zeigen, dass ich da bin", verteidigte er sich lachend - doch das passte ins Gesamtbild eines Spiels, in dem Sittard mit jugendlicher Unbekümmertheit und Spielfreude überzeugte. In Den Bosch dagegen dürfte man sich fragen, wie man nach einer soliden ersten Hälfte so auseinanderfallen konnte. Kapitän Ezequiel Pena, der selbst ein paar ordentliche Schüsse abgab, fasste es ehrlich zusammen: "Wir haben zu viele schöne Gedanken gehabt und zu wenig hässliche Zweikämpfe geführt." Als das Flutlicht langsam erlosch und die Fans jubelnd den Heimweg antraten, stand Barhydt noch lange am Spielfeldrand, winkte ins Rund und klopfte Trainer We auf die Schulter. Ein Bild, das sinnbildlich für diesen Abend stand: Sittard hat nicht nur drei Punkte gewonnen, sondern ein Stück Euphorie. Oder, wie ein älterer Fan beim Verlassen der Tribüne sagte: "So spielt man, wenn man an was glaubt - oder wenn man einfach Spaß am Kicken hat." Und wer’s gesehen hat, wird ihm kaum widersprechen. 09.06.643997 17:02 |
Sprücheklopfer
Gerade diesen Nike-Spot sehe ich sehr negativ. Es beginnt jetzt die Reisezeit. Stellen Sie sich nur vor, die Kinder beginnen jetzt auf den Flughäfen mit Bällen herumzudribbeln.
Berti Vogts