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Ein Samstagabendspiel unter Flutlicht, 41.884 Zuschauer, zwei Teams mit Offensivdrang - und am Ende ein 2:2, das niemanden so richtig glücklich machte. Blau-Weiss Luzern und Rot-Blau Basel trennten sich im Duell des 19. Spieltags der 1. Liga Schweiz mit einem Ergebnis, das so wechselhaft war wie das Aprilwetter. Schon nach sechs Minuten rieben sich die Heimfans die Augen: Roberto Canepa, Basels quirliger Linksaußen, traf nach einem schnellen Doppelpass mit Rechtsverteidiger Njazi Kuqi zum 0:1. "Ich dachte ehrlich gesagt, der Ball wäre zu weit", grinste Canepa später. War er nicht - und Luzerns Torwart Lasse Rauch hatte nur noch den Windzug in den Handschuhen. Doch Luzern reagierte, wie man es von einem Team mit Offensiv-Alignment und "ANYTIME"-Schusslaune erwarten darf: mit Volldampf nach vorn. Erst schoss Finn Hougaard knapp vorbei, dann - in Minute 21 - machte Roger Römer den Ausgleich. Piotr Chawanow hatte den Ball herrlich durchgesteckt, Römer blieb cool. "Ich hab einfach durchgezogen, sonst meckert der Trainer wieder wegen zu viel Nachdenken", lachte der 24-Jährige nach dem Spiel. Die Stimmung im Stadion kippte, Luzern rannte weiter, und kurz vor der Pause wurde das Drängen belohnt - ausgerechnet durch Rechtsverteidiger Pierre Gramont. Der 33-Jährige rauschte bei einem Eckball von Phillip Lavoie heran und hämmerte den Ball zum 2:1 ins Netz (44.). "Ich wollte eigentlich nur absichern", meinte Gramont trocken. "Aber wenn man schon da ist, kann man’s ja probieren." Basel wirkte überrascht, fast verärgert. Trainer Kevin Keegan stapfte in die Kabine, die Hände tief in den Taschen, während Luzerns Coach Reinhard Wild seinem Team auf die Schulter klopfte. In der zweiten Hälfte wollte Basel reagieren - und tat es. Nach 54 Minuten zog Amaury Antunes, der linke Außenverteidiger, einfach mal aus der Distanz ab - ein satter Schuss, leicht abgefälscht, 2:2! Jorge Pelaez hatte ihn zuvor mustergültig bedient. "Das war kein Zufall", schwor Antunes, "wir hatten das im Training genau so - naja, fast so - geübt." Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Basel, mit leichtem Ballbesitzvorteil (50,0 % zu 49,9 %), schoss insgesamt 13 Mal aufs Tor, Luzern neun Mal. Besonders Simone Rose war dabei Dauergast vor Rauch, nur das Netz wollte er nicht mehr treffen. In den letzten Minuten drückte Basel, Luzern konterte - beide suchten vehement den Sieg. In der 70. Minute gab’s dann noch ein bisschen Farbe: Luzerns Jungspund Franck Stock sah Gelb, nachdem er Roses Sprint etwas zu rustikal gestoppt hatte. "Der war einfach schneller als erlaubt", murmelte Stock nachträglich, halb zerknirscht, halb stolz. Die Schlussphase wurde wild. Basel wechselte fleißig - Schubert für Canepa, Sentürk für Da Cru, Keegan winkte an der Seitenlinie hektisch. Wild konterte mit Mantovani für Lavoie und später Drageljevic für Achard. Die Zuschauer bekamen das, was man gemeinhin ein "intensives Unentschieden" nennt. In der 89. Minute hatte Römer noch einmal den Sieg auf dem Fuß, doch Basels Torwart Olivier Van Hoyweghen rettete spektakulär. Im Gegenzug prüfte Simone Rose in der Nachspielzeit Rauch ein letztes Mal (90.), ehe Luzerns Joker Finn Hase (91.) und Bojan Drageljevic (92.) noch zwei verzweifelte Schüsse abgaben - ohne Erfolg. "Wir hätten gewinnen müssen, ganz klar", knurrte Reinhard Wild nach Abpfiff. "Aber wenn man vorne so großzügig ist, darf man sich hinten nicht wundern." Keegan hingegen zeigte sich versöhnlich: "Ein Punkt in Luzern ist kein schlechtes Resultat. Außerdem war’s unterhaltsam - zumindest für die Zuschauer." So blieb es beim 2:2, das beide Seiten unterschiedlich deuteten: Für Basel ein geretteter Punkt nach Rückstand, für Luzern zwei verschenkte Zähler. Und irgendwo auf der Tribüne meinte ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions: "Wenn’s so weitergeht, brauchen wir bald Herztabletten mit Klublogo." Ein Satz, den wohl beide Fanlager unterschreiben würden. Denn eines ist sicher: An Langeweile mangelte es in Luzern an diesem Abend nicht - nur an einem Sieger. 25.08.643996 23:59 |
Sprücheklopfer
Wir stecken mitten im Abschiedskampf.
Mario Basler