Sport-Blick
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Basel siegt mit Beton und Biss - Luzern verzweifelt am eigenen Mut

Blau-Weiss Luzern gegen Old Boys Basel - das klang nach einem gepflegten Freitagabendduell in der 1. Liga Schweiz. 55.917 Zuschauer hatten sich am 30. Spieltag im ausverkauften Stadion eingefunden, um zu sehen, ob Luzern den Baslern ein Bein stellen kann. Am Ende hieß es 1:2 aus Sicht der Gastgeber, ein Ergebnis, das ebenso verdient wie ärgerlich war - je nachdem, auf welcher Seite man stand.

Schon in den ersten Minuten wurde klar, wer hier das Zepter schwingen wollte. Luzern lief hoch an, mutig und mit breiter Brust. Trainer Patrick Kontsch hatte seine Elf offensiv eingestellt, "weil wir endlich mal zeigen wollten, dass wir Fußball spielen können", wie er später mit einem ironischen Lächeln erklärte. Doch während Blau-Weiss gefällig kombinierte, waren es die Old Boys, die gefährlich wurden.

Bereits nach vier Minuten prüfte Basels Rechtsverteidiger Daniele Albanese den Luzerner Keeper Lasse Rauch mit einem Vollspannschuss, der das Tornetz erzittern ließ - von außen. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Albanese nach dem Spiel und hob entschuldigend die Hände.

Basel blieb dran, angetrieben von einem überragenden Vincent Beto, der gefühlt in jeder Angriffsszene auftauchte. Der Mittelstürmer schoss so oft aufs Tor (ganze neunmal!), dass man im Luzerner Block schon Mitleid mit den Balljungen hatte. Es war dann aber der linke Außenverteidiger Alexander Almond, der in der 36. Minute die Führung für Basel erzielte - nach einem feinen Zuspiel von Tzipi Chouraqui. Ein Schuss aus halblinker Position, präzise, trocken, unhaltbar. 0:1, und Luzern schaute einander an, als hätte jemand heimlich das Drehbuch geändert.

Kurz vor der Pause wurde es ruppig: Luzerns Alexander Varga sah Gelb für ein rustikales Einsteigen, und Joaquin Tonel legte in der 42. Minute nach. "Zu viel Leidenschaft", kommentierte Trainer Kontsch später lakonisch. Basel nahm die Karten dankend an, blieb aber auf Kurs.

Nach dem Seitenwechsel versuchte Luzern, das Spiel zu drehen, doch der Himmel meinte es nicht gut mit ihnen - und die Statistik auch nicht. Drei Torschüsse insgesamt, das war alles, was die Heimmannschaft zustande brachte. Basel schoss dagegen 19 Mal aufs Tor, dominierte die Zweikämpfe (58 Prozent) und blieb eiskalt, wenn es zählte.

In der 61. Minute dann der Schreckmoment für Luzern: Linksverteidiger Joseph Wendt verletzte sich bei einem Zweikampf und musste raus. Ironischerweise kam sein Namensvetter Joseph Carr herein - und genau der leitete kurz darauf den Ausgleich ein. Carr setzte sich im Mittelfeld durch, passte clever nach innen, wo Innenverteidiger Marcel Benveniste (!) in der 62. Minute den Ball über die Linie drückte. 1:1 - das Stadion explodierte. Der Torschütze riss die Arme hoch, als hätte er gerade den Pokal gewonnen. "Ich bin Verteidiger, ich weiß gar nicht, wie man jubelt", sagte Benveniste später lachend.

Doch wer glaubte, Luzern könne das Momentum nutzen, irrte. Basel blieb unbeeindruckt, spielte weiter mit der Selbstverständlichkeit eines Teams, das weiß, dass der Sieg nur eine Frage der Zeit ist. Und tatsächlich: In der 80. Minute schlug Georges LaClaire zu. Nach einem Eckball von der rechten Seite stieg der junge Innenverteidiger am höchsten und köpfte den Ball zum 1:2 ins Netz. Beto, der unermüdliche Stürmer, hatte die Vorlage geliefert.

Daniele Albanese sah in der 83. Minute noch Gelb, weil er etwas zu leidenschaftlich über einen Einwurf diskutierte. "Ich wollte nur sicherstellen, dass der Ball sauber war", grinste er nach Abpfiff. Spätestens da war klar: Die Old Boys hatten nicht nur mehr Schüsse, sondern auch mehr Spaß am Spiel.

In der Nachspielzeit dann noch einmal Drama: Basels LaClaire blieb nach einem Zusammenstoß liegen - verletzt. Trainer André Marsmann reagierte sofort, brachte Yossi Lawon für ihn. "Georges ist ein harter Hund", sagte Marsmann danach, "aber manchmal gewinnt selbst der Beton nicht gegen Stahl."

Nach 94 Minuten war Schluss. 1:2, Basel jubelte, Luzern schlich vom Platz. Trainer Kontsch fasste es treffend zusammen: "Wir haben 50 Prozent Ballbesitz gehabt, aber leider die falschen 50."

Marsmann dagegen zeigte sich zufrieden: "Wir wollten aggressiv, aber kontrolliert auftreten. 19 Schüsse sprechen für sich. Nur schade, dass wir keine 19 Tore gemacht haben."

Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - und einem Hauch von Wehmut. Denn so viel Einsatz, Pech und Pathos bekommt man nicht jeden Freitagabend geboten.

Vielleicht tröstet Luzern der Gedanke, dass Mut allein schon schön sein kann. Basel dagegen nimmt die Punkte - und vermutlich auch das Selbstbewusstsein eines Teams, das weiß, wie man Spiele gewinnt, selbst wenn der Gegner sich tapfer wehrt.

Am Ende bleibt das Gefühl: ein spannendes, hartes, manchmal fast romantisch altmodisches Fußballspiel - mit Beton hinten, Mut vorne, und einer Prise Ironie im Abgang.

22.05.644000 19:33
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Jens Jeremies
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