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Ein kühler Maiabend an der Atlantikküste, 4500 Zuschauer im kleinen Estádio da Varzim, und die heimischen Fans hatten kaum Platz genommen, da war das Spiel im Grunde schon entschieden. Nach fünf Minuten zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz - und das nicht auf Seiten der Gastgeber. Jaime Morais, der flinke Linksaußen von Belem Lissabon, war es, der die Povoa-Abwehr wie ein Taschenmesser aufklappte und zum 0:1 traf. "Ich dachte, er läuft sich fest - aber offenbar dachte das nur ich", murmelte ein sichtlich genervter Varzim-Verteidiger später. Morais hatte an diesem Abend einfach alles im Fuß. In der 32. Minute legte er nach, diesmal nach Vorarbeit von Linksverteidiger Marek Kincl, der mit einem beherzten Lauf über die linke Seite den Ball mustergültig in den Rückraum brachte. Belem war in dieser Phase nicht nur überlegen, sie waren überlegen *mit Stil*. Varzim dagegen wirkte, als würde die Mannschaft noch immer auf den Anpfiff warten. Nur sechs Minuten später folgte der nächste Stich: Fabio Derlei, der rechte Sturmkollege, traf zum 0:3 nach Vorlage von Innenverteidiger Ivica Puljiz - ein Treffer, der symptomatisch für den Spielverlauf stand. Selbst die Abwehrspieler der Gäste hatten Zeit, sich kreativ einzuschalten, während Varzim im eigenen Strafraum mit Orientierung und Schuhbändeln kämpfte. "Wir wollten eigentlich offensiv stehen", erklärte ein bleicher Heimtrainer nach dem Spiel. "Das haben wir dann auch - nur leider nicht da, wo der Ball war." Nach der Pause schaltete Belem Lissabon sichtlich einen Gang zurück. Trainer Lasse Reden, der mit verschränkten Armen an der Seitenlinie stand, wirkte eher wie ein Dirigent in der Generalprobe als ein Mann in einem Ligaspiel. "Wir wollten ruhig bleiben, das Spiel kontrollieren", sagte er nach Abpfiff. Ruhig blieb es - zumindest für seine Mannschaft. Varzim versuchte zwar, ins Spiel zu finden, hatte mit vier Torschüssen auch Momente, in denen die Fans kurz den Atem anhielten, aber mehr als ein paar harmlose Versuche durch Pernet, Ramon und den jungen Chalana sprang nicht heraus. In der 66. Minute machte Morais dann endgültig alles klar. Nach einem Doppelpass mit Derlei schob er den Ball eiskalt am chancenlosen Keeper Lionel Manu vorbei - sein dritter Treffer des Abends. Derlei grinste danach in die Kameras: "Ich wollte ihn eigentlich selbst machen, aber Jaime hat mir den Vortritt gelassen. Ein Gentleman auf dem Platz." Belem Lissabon dominierte die Partie mit knapp 60 Prozent Ballbesitz und unglaublichen 18 Torschüssen. Varzim kam auf 40 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote, die mit 43 Prozent eher an höfliche Zurückhaltung erinnerte. Dass es am Ende nicht 0:7 stand, lag vor allem am beherzten Eingreifen von Torwart Manu, der mehrfach Schlimmeres verhinderte. "Ich hatte das Gefühl, ich stehe in einem Dauer-Elfmetertraining", sagte er später mit einem gequälten Lächeln. In den letzten Minuten wurde es noch einmal farbig: Duarte Dominguez sah in der 92. Minute Gelb, wohl aus Frust, und zwei Minuten später holte sich Belems Robert Brenner ebenfalls eine Verwarnung ab - aus purer Sympathie, wie man witzelte. Die Zuschauer klatschten ironisch, als der Schiedsrichter abpfiff. Für Belem war es ein perfekter Auswärtstag: taktisch diszipliniert, technisch präzise, mental locker. Für Varzim dagegen ein Abend zum Vergessen - oder, wie ihr Kapitän es formulierte: "Wir haben uns vorgenommen, offensiv zu spielen. Das haben wir geschafft. Leider war der Gegner dabei." Am Ende blieb nur Galgenhumor im Presseraum. Ein Journalist fragte Trainer Reden, ob er nach dem 0:4 noch etwas ändern würde. "Ja", antwortete er trocken, "vielleicht den Sonnenbrand auf meiner Stirn." So verlässt Belem Lissabon die Küste mit drei Punkten, einem glänzenden Morais und der Gewissheit, dass man auch mit *schwachem Einsatz* laut Statistik ein Spiel locker gewinnen kann - wenn der Gegner gar keinen zeigt. Und Varzim? Sie werden am nächsten Wochenende wieder antreten. Hoffentlich mit mehr Mut, weniger Respekt - und vielleicht einem Plan, wie man ein Tor schießt, das nicht nur in der Theorie existiert. 20.02.644000 01:35 |
Sprücheklopfer
Da sieht man die Kunst der Ärzte. Zu meiner Zeit wäre eine Amputation nötig gewesen.
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