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Belem Lissabon verabschiedete sich am Dienstagabend mit einem Feuerwerk aus der Saison: 3:0 (3:0) hieß es am Ende gegen ein überfordertes Victoria Trofa, und das Ergebnis war fast noch schmeichelhaft für die Gäste. 13.175 Zuschauer im Stadion von Belem sahen eine erste Halbzeit, die so einseitig war, dass mancher Trofa-Fan wohl eher das Meeresrauschen am Tejo vermisst haben dürfte als den Ballbesitz seines Teams. Bereits nach elf Minuten zappelte das Netz - und das mit Ansage. Fabio Derlei, der an diesem Abend das Prädikat "Dauergefahr" verdient hatte, vollendete eine butterweiche Flanke von David Heinemann per Direktabnahme. "Ich habe einfach draufgehalten. Wenn du so einen Ball kriegst, darfst du nicht denken, nur schießen", grinste Derlei nach Abpfiff. Und weil die Gäste sich offenbar noch mit der ästhetischen Qualität des Tores beschäftigten, legte Belem gleich nach. In der 18. Minute war es erneut Derlei, diesmal auf Vorlage von Jaime Morais, der eiskalt auf 2:0 stellte. Trofa wirkte in dieser Phase wie ein Team, das den Spielplan verwechselt hatte. Trainer Lasse Reden brüllte von der Seitenlinie "Weiter, Männer, weiter!", doch seine Elf tat längst das Gegenteil: Sie blieb stehen. In der 35. Minute schließlich krönte Ricardo da Costa die Gala der Gastgeber mit dem 3:0, abermals eingeleitet durch Morais, der die linke Seite beackerte, als wolle er dort ein eigenes Gemüsebeet anlegen. Da Costa donnerte den Ball aus 20 Metern unter die Latte - und das Stadion tobte. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand er später und lachte. "Aber wenn’s so reingeht, sag ich natürlich, das war Absicht." Die Statistik unterstreicht den Klassenunterschied: 18 Torschüsse für Belem, nur 5 für Trofa. Dabei hatte Trofa mit 51 Prozent sogar leicht mehr Ballbesitz - ein Beweis, dass Ballbesitz allein noch keine Punkte bringt. "Wir haben den Ball schön gehalten", seufzte Trofas Kapitän Vitorino Sousa, "leider meistens im eigenen Drittel." Nach der Pause schaltete Belem zwei Gänge zurück. Trainer Reden gönnte dem Publikum ein paar Wechsel - Asier Morales kam für den fleißigen Da Costa, später folgte Nicolas Belanger für den erschöpften Luke Whelan. "Ich wollte niemanden überfordern, schon gar nicht Trofa", witzelte Reden im Anschluss. Tatsächlich verwaltete seine Mannschaft das Ergebnis souverän, ohne sich groß verausgaben zu müssen. Die zweite Halbzeit bot dafür mehr Unterhaltung in Sachen Disziplin: Trofas Linksverteidiger Nael Veloso holte sich erst in der 76. Minute Gelb und nur eine Minute später - man glaubt es kaum - die Gelb-Rote Karte. Der Schiedsrichter hatte kaum Zeit, das erste Kärtchen wieder in die Brusttasche zu stecken. "Ich wollte nur applaudieren", verteidigte sich Veloso hinterher, "aber offenbar war das zu laut." Belem ließ sich von all dem nicht beirren. Morais hatte in der Schlussphase noch Chancen im Minutentakt, traf aber entweder den Torwart, die Latte oder einfach die Geduld der Zuschauer. In der Nachspielzeit sorgte Morales noch für einen sehenswerten Distanzschuss, den Trofas Keeper Harrison Wyler mit den Fingerspitzen über die Latte lenkte - eine der wenigen Szenen, in denen ein Gästespieler Applaus erhielt. Das 3:0 stand schon zur Halbzeit fest, und so war der zweite Durchgang eher ein Schaulaufen. Die Gastgeber spielten kontrolliert, technisch sauber, aber ohne das letzte Risiko. Man merkte: Der Auftrag war erledigt. 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, eine Passquote nahe der Perfektion - Belem zeigte, dass man auch ohne übermäßigen Ballbesitz dominieren kann. "Wir wollten über die Flügel kommen, das hat wunderbar funktioniert", analysierte Trainer Reden sachlich. "In der zweiten Halbzeit haben wir dann einfach den Tejo entlanggespielt." Sein Gegenüber, Trofa-Coach Manuel Correia (der sich nach Spielende nicht lange blicken ließ), fasste das Ganze knapper zusammen: "Ein rabenschwarzer Abend. Wir waren körperlich da, geistig aber wohl noch im Bus." So endet die Saison für Belem Lissabon mit einem überzeugenden Auftritt, während Victoria Trofa sich in die Sommerpause rettet - vermutlich mit der Hoffnung, dass der nächste Gegner weniger Flügelspiel betreibt. Und irgendwo in der Kabine soll Fabio Derlei noch gescherzt haben: "Wenn wir so weiterspielen, müssen wir uns bald um Champions-League-Reisen kümmern." Ganz so weit ist es zwar noch nicht - aber zumindest in dieser Nacht war Belem Lissabon der Hauptstadt des Fußballs schon verdammt nah. 08.07.644000 06:45 |
Sprücheklopfer
Der Deutsche hat nie Angst.
Berti Vogts