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Lissabon, Estádio da Luz, 26. Spieltag der 1. Liga Portugal. 40.793 Zuschauer sahen ein Spiel, das eigentlich schon nach einer halben Stunde entschieden war - und das trotzdem bis zur letzten Minute unterhielt. FC Benfica zerlegte den tapferen, aber überforderten CD Tirsense mit 5:1 (3:1). Trainer Wes Morgan grinste nach dem Schlusspfiff: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben - offenbar haben sie mich zu wörtlich genommen." Schon nach 13 Minuten brannte das Stadion. Der 18-jährige Kay Kaiser, gerade erst aus der Jugend befördert, nahm einen Zuckerpass von Fernando Costinha volley und drosch den Ball in den Winkel. "Ich hab einfach draufgehauen. Wenn du nachdenkst, ist es schon zu spät", lachte der Teenager später - noch halb ungläubig über sein erstes Profi-Tor. Benfica spielte von Beginn an offensiv, fast übermütig. Die Tirsense-Abwehr taumelte wie ein Boxer nach zu vielen Treffern. In der 29. Minute legte der 33-jährige Routinier Costinha nach, diesmal nach feiner Vorarbeit des Mittelstürmers Milan Labant. "Er spielt noch immer wie mit 25", schwärmte Labant, während der Veteran nur verschmitzt meinte: "Ich spiele einfach nur, damit die Jungen was lernen." Tirsense, von Marco van Basten betreut, versuchte es mit Härte und Konterspiel. Drei Gelbe Karten allein für seine Elf sprachen eine deutliche Sprache. Elliot Heighway sah früh Gelb (19.), Xabi Manu folgte zwei Minuten später - und als Reece Smith in der 64. Minute ebenfalls notiert wurde, schüttelte van Basten nur noch den Kopf. "Wir wollten aggressiv auftreten, aber nicht wie Holzfäller", knurrte er nach dem Spiel. Kurz vor der Pause flackerte Hoffnung auf: In der 40. Minute traf Salvador Nuno nach einem schnellen Angriff über die linke Seite, Amaury Ronaldo legte clever quer. 3:1 stand es da, denn fast im Gegenzug - kaum hatte der Stadionsprecher den Torschützen genannt - stellte Marco Baiao mit einem satten Schuss aus 20 Metern den alten Abstand wieder her. "Ich hab gesehen, dass der Keeper zögert, und dachte: warum nicht?", erklärte der 22-Jährige, der später auch als Passgeber glänzte. Benficas 3:1 zur Pause war schmeichelhaft für Tirsense, das zwar mit 51 Prozent Ballbesitz leicht mehr vom Spiel hatte, aber nie Kontrolle gewann. 19 Torschüsse der Gastgeber standen nur 5 der Gäste gegenüber. Nach dem Seitenwechsel durfte dann die Jugend glänzen. Wes Morgan brachte mit Filipe Baiao (17) und Albert Lopez (25) frisches Blut. Filipe, der jüngste der drei Baiao-Brüder im Kader, zeigte keine Spur von Nervosität. "Trainer sagte, ich soll einfach spielen wie auf dem Schulhof", grinste der Blondschopf - und tat genau das. In der 75. Minute krönte Costinha seine Gala mit dem 4:1. Wieder war es Marco Baiao, der den Angriff einleitete. Der Ball lief in einer Leichtigkeit durch die Reihen, dass selbst die Zuschauer raunten. "Das war Benfica-Fußball, wie wir ihn lieben", meinte ein Fan hinter der Pressetribüne, während er seine Chouriço-Brötchen hochhielt. Tirsense kämpfte, aber ohne Wirkung. Ihre Konter verpufften gegen Benficas wachsame Abwehr, in der der 18-jährige Lisandro Martinez und der eingewechselte Nael Sousa souverän aufräumten. Van Basten wirkte an der Seitenlinie zunehmend ratlos, seine Gesten sprachen Bände: mal Hände in die Hüften, mal resigniertes Kopfschütteln. In der Nachspielzeit kam der endgültige Höhepunkt. Filipe Baiao, der Jüngste, traf zum 5:1 - nach Vorlage von Kay Kaiser. Ein Symbolbild für Benficas Zukunft: Der 17-Jährige vollendete den Angriff des 18-Jährigen. "Ich wollte nur, dass er sich revanchieren kann", grinste Kaiser später. Schiedsrichter Gomes pfiff kurz darauf ab, und die Zuschauer erhoben sich zu stehenden Ovationen. Benfica hatte nicht nur gewonnen, sondern mit jugendlicher Spielfreude begeistert. "Das war heute kein Taktikseminar, sondern ein Straßenfest", bilanzierte Trainer Morgan augenzwinkernd. Van Basten hingegen suchte Worte, fand aber nur ein Achselzucken: "Wenn du fünf Tore kassierst, ist jede Analyse überflüssig." Benfica bleibt damit oben auf Kurs, während Tirsense weiter nach Stabilität sucht. Und irgendwo im Lissaboner Abendhimmel leuchtete noch der Schuss von Filipe Baiao nach - hell, hoffnungsvoll, ein Versprechen für die Zukunft. Oder, wie ein alter Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn das die Zukunft ist, dann wird’s hier noch oft laut werden." 17.04.644000 10:53 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.
Otto Rehhagel