// Startseite
| Voetbal International |
| +++ Sportzeitung für Niederlande +++ |
|
|
|
Wenn 32.000 Zuschauer an einem lauen Aprilabend in Berkum das Stadion füllen, dann ahnt man: Hier wird heute nicht nur Fußball gespielt, hier wird Drama serviert. Und tatsächlich - das 2:1 (1:0) über PVC Eindhoven am 34. Spieltag der 1. Liga Niederlande war ein kleines Lehrstück in Sachen Spannung, Nerven und leichtem Wahnsinn. Schon nach vier Minuten ging der Vorhang auf für den ersten Akt: Luigi Usai, Berkums quirliger Rechtsaußen, nahm eine butterweiche Vorlage von Wouter Vanderzee an, drehte sich um die eigene Achse und drosch den Ball ins linke Eck. 1:0 - und das Publikum jubelte, als hätte man die Meisterschaft schon in der Tasche. "Ich dachte erst, er schießt den Ball auf den Parkplatz", grinste Trainer van Dijk (dessen Name keiner so richtig kennt, aber alle nennen ihn einfach "Mister B.") nach dem Spiel. "Aber Luigi hat wohl andere Pläne gehabt." Eindhoven brauchte ein paar Minuten, um den Schock zu verdauen, dann aber zeigten die Gäste, dass sie nicht zum Sightseeing gekommen waren. Vor allem Giuseppe Romagnoli und Vitor Tonel prüften Keeper Valerio Acri regelmäßig - insgesamt brachte es PVC auf 13 Torschüsse, aber zu Beginn war Berkum einfach wacher, bissiger, irgendwie… frecher. Die erste Halbzeit endete mit diesem knappen Vorsprung, und die Pausenstatistik zeigte, warum: 55 Prozent Ballbesitz für Berkum, mehr Kontrolle, weniger Chaos. Eindhoven dagegen blieb offensiv, aber erstaunlich zahnlos - fast so, als hätte man die Offensive auf "Luft anhalten und hoffen" umgestellt. Dann kam die 46. Minute, und mit ihr das, was man in Eindhoven wohl als "Weckruf mit Wumms" bezeichnet: Nicolaas Vanderveer spielte einen scharfen Pass in die Tiefe, Romagnoli startete, ließ Makukula alt aussehen und netzte eiskalt ein. 1:1 - und plötzlich war die Partie wieder offen. "Das war ein klassisches Romagnoli-Tor", schwärmte Eindhoven-Coach Markus Frey später. "Er sieht das Tor, er riecht das Tor - und manchmal trifft er es sogar." Doch die Freude der Gäste hielt nicht lang. Nur sieben Minuten später, in der 53. Minute, schlug Berkum zurück - diesmal mit einer feinen Kombination über rechts. Stylianos Iosifidis flankte scharf in den Strafraum, Bruno Tortora rauschte heran und wuchtete den Ball per Direktabnahme unter die Latte. 2:1! Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend, und Tortora lief zur Eckfahne, als wolle er sie gleich umarmen. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich", grinste der Mann des Abends später. "Im Training fliegt so was meistens auf den Parkplatz. Heute nicht." Eindhoven reagierte mit gleich drei Wechseln zur Pause - Frey brachte frisches Blut, junge Beine, neue Hoffnung. Doch was kam, war vor allem viel Aufwand mit wenig Ertrag. Tonel schoss in der 70., 84. und 89. Minute, Romagnoli noch einmal in der Nachspielzeit, aber Torwart Acri hatte offenbar beschlossen, sich heute in die Herzen der Fans zu hechten. Zwischendurch wurde’s noch gelb: Vincent Makukula holte sich in der 72. Minute den obligatorischen Karton ab - ein rustikales Einsteigen, das in einer Zeitlupe wohl nach einer Mischung aus Verzweiflung und künstlerischem Ausdruck aussah. Am Ende verteidigte Berkum das 2:1 mit allem, was Beine hatte. Coach Frey schüttelte nach Abpfiff den Kopf und sagte: "Wir hatten mehr Torschüsse, mehr Mut, aber leider weniger Tore. Fußball kann so unfair sein - und manchmal auch einfach nur Berkum." Die Zahlen bestätigen das Drama: 55 Prozent Ballbesitz für Berkum, 13:8 Torschüsse für Eindhoven, aber eben 2:1 Tore auf der Anzeigetafel. Es war kein Fußballfest im klassischen Sinne, eher ein rustikaler Jahrmarkt mit Zuckerwatte, Herzklopfen und leichtem Schwindel. Und das Publikum? Es ging zufrieden nach Hause - nicht, weil Berkum perfekt spielte, sondern weil es wieder einmal ein Spiel mit Herzblut war. Vielleicht sagte es ein älterer Fan auf der Tribüne am besten: "Schön war’s nicht, aber wer braucht schon schön, wenn’s drei Punkte gibt?" Ein Satz, den man sich in Eindhoven wohl gerne ausleihen würde. Doch dort bleibt diesmal nur die Erkenntnis: Wer zu spät trifft, den bestraft der Fußballgott - und manchmal heißt dieser Gott einfach Luigi Usai. 15.02.643997 15:45 |
Sprücheklopfer
Jetzt müssen wir gegen Stuttgart gewinnen. Ob wir wollen oder nicht.
Otto Rehhagel