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Beuel verschenkt 2:0 - Osnabrück tanzt den Pausenkater

Es gibt Fußballabende, die riechen nach Glühwein und Enttäuschung - dieser Donnerstag in Beuel war so einer. 42.104 Zuschauer sahen ein 2:2, das sich für den SV Beuel anfühlte wie eine Niederlage und für den VfL Osnabrück wie ein kleiner Lottogewinn. Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen: zwei Tore vor der Pause, ein Publikum, das sang ("Wir woll’n euch siegen seh’n!" - in der 1. Liga immer eine gefährliche Ansage) und ein Gegner, der im ersten Durchgang wirkte, als hätte er den Busfahrer als Linksaußen aufgestellt.

Doch gehen wir der Reihe nach. In der 18. Minute schickte Jürgen Michels einen dieser Pässe, die man nur spielt, wenn man entweder Genie oder lebensmüde ist. Zum Glück war es ersteres. Jose Galisteo nahm den Ball links im Strafraum, täuschte den Torwart Karl Wagner mit einem Haken, den man im Lehrbuch unter "spanischer Schlenker deluxe" nachlesen könnte, und schob zum 1:0 ein. "Ich hab einfach gedacht: Wenn ich jetzt treffe, darf ich morgen beim Abschlusstraining aussetzen", grinste Galisteo später.

Beuel blieb dran, dominierte mit 56 Prozent Ballbesitz, die Fans zählten die Chancen wie Perlen. In der 43. Minute war es dann Vladimir Valachovic, der nach einem feinen Zuspiel von Joonas Kallio das 2:0 erzielte. "Ich wollte eigentlich flanken", gab der Torschütze lachend zu, "aber wenn der Ball schon mal reingeht, beschwert sich ja keiner."

Pause. SV Beuel führt 2:0, Trainer Rene Kuhl gestikuliert zufrieden, der Stadionsprecher kündigt "eine Runde Pommes zum Sonderpreis" an - und dann kommt Osnabrück aus der Kabine, als hätte Carsten Baumann ihnen in der Halbzeit entweder eine Motivationsrede gehalten oder einfach die Steckdose gewechselt.

46. Minute: Torsten Reiter, zuvor kaum zu sehen, trifft nach Vorarbeit von Verteidiger Robin Münch zum 2:1. Die Beueler verteidigen so tief, dass man fast glaubt, sie wollten die Eckfahnen bewachen. Zwei Minuten später - noch immer sortiert sich die Hintermannschaft - wieder Reiter! Diesmal nach Zuspiel von Patrik Voss. 2:2. Trainer Kuhl raufte sich die Haare: "Wir hatten uns vorgenommen, nichts anbrennen zu lassen. Leider haben wir dann das Feuerzeug weitergegeben."

Die Gäste, nun mit jugendlicher Frische (Baumann brachte gleich zwei 19-Jährige in der 60. Minute), spielten plötzlich wie entfesselt. Beuel hielt dagegen, hatte durch Valachovic (70.) und Quaresma (71./72.) gute Chancen, doch Torwart Wagner wuchs in dieser Phase über sich hinaus. "Ich dachte, wenn ich noch einen halte, bekomme ich vielleicht einen neuen Vertrag", witzelte er nach dem Spiel.

In der 75. Minute ging Osnabrücks Doppeltorschütze Reiter vom Platz - der Mann war platt, aber selig. "Zweimal getroffen, dann darf man auch mal früher duschen", sagte er, während seine Teamkollegen weiter stürmten.

Die Schlussphase war wild, hektisch, ein bisschen Slapstick: Beuel warf alles nach vorne, Osnabrück konterte, und in der 91. Minute sah Innenverteidiger Dirk Mai Rot, nachdem er Quaresma an der Mittellinie umsäbelte. "Er hat mich nur gestreichelt", meinte Quaresma süffisant, "aber offenbar mag der Schiri keine Zärtlichkeiten."

So blieb es beim 2:2. Die Statistik spricht leicht für Beuel - zehn Torschüsse zu acht, mehr Ballbesitz, bessere Zweikampfquote (52 zu 48 Prozent). Doch das Ergebnis erzählt eine andere Geschichte: von einer Mannschaft, die vergaß, dass ein Spiel zwei Halbzeiten dauert, und einer anderen, die erst nach der Pause merkte, dass sie ja Fußball spielen kann.

Rene Kuhl wirkte nach dem Abpfiff erstaunlich gefasst. "Wenn man 2:0 führt und dann 2:2 spielt, ist das wie kalter Kaffee. Aber wenigstens war’s starker Kaffee." Carsten Baumann grinste nur: "Wir haben in der ersten Halbzeit geschlafen, aber manchmal träumt man sich eben ins Spiel zurück."

Das Publikum verabschiedete beide Teams mit Applaus - und einer Mischung aus Unglauben und Respekt. Ein paar Beuel-Fans riefen ihrem Trainer zu: "Beim nächsten Mal bitte zwei Halbzeiten!" Er winkte, nickte - und stapfte Richtung Kabine.

Fazit: Ein Spiel, das alles hatte - Tempo, Tore, Taktik und ein bisschen Wahnsinn. SV Beuel bleibt der tragische Held des Abends, Osnabrück der listige Überlebenskünstler. Und irgendwo in der Nacht summt ein Fan auf dem Heimweg: "2:0 ist das gefährlichste Ergebnis der Welt."

Manchmal stimmt das ja tatsächlich.

03.11.643996 00:17
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