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Es war ein Abend, an dem 37.114 Zuschauer im Stadion von Gdańsk zunächst nur eines sahen: Angriffswellen, die an der gegnerischen Abwehr zerschellten wie die Ostsee an der Mole. BKS Gdansk stürmte, schoss, kombinierte - und RKS Radomiak? Nun ja, sie standen da. Tapfer, aber weitgehend überfordert. Am Ende hieß es 2:0 (0:0) für die Gastgeber, und das Ergebnis war so eindeutig wie schmeichelhaft für die Gäste, die in 90 Minuten keinen einzigen Schuss aufs Tor zustande brachten. Schon in der dritten Minute zischte der Ball erstmals gefährlich durchs Radomiak-Strafraumgebiet - Sebastian Mencel prüfte mit einem satten Schuss die Reflexe von Keeper Henry Staunton. Der Torwart streckte sich, murmelte danach wohl etwas in Richtung seiner Abwehr, das nach "Könnte mir mal jemand helfen?" klang, und bekam in den folgenden Minuten reichlich Gelegenheit, sich über Beschäftigung nicht zu beklagen. Dennis Nawalka, Marcel Bak, Daniel Jelen - sie alle feuerten, als ginge es um einen Schießstand auf dem Volksfest. 22 Abschlüsse am Ende für Gdańsk, null für Radomiak - die Statistik sprach eine Sprache, die selbst ein tauber Linienrichter verstanden hätte. Und doch blieb es zur Pause beim 0:0. "Ich dachte schon, wir müssten bis Mitternacht weiterspielen, um zu treffen", lachte Trainer Mike Matt später. Nach dem Seitenwechsel dann dieselbe Melodie, aber mit endlich passender Tonlage. In der 53. Minute war es soweit: Daniel Jelen spielte einen Pass durch die Schnittstelle, elegant wie ein Pianist den letzten Akkord, und Dennis Nawalka vollendete trocken ins rechte Eck - 1:0. Das Stadion tobte, die Spieler jubelten, und Trainer Matt brüllte Richtung Bank: "Na also, geht doch!" Kurz darauf musste er jedoch schlucken: Innenverteidiger Bartosz Klose verletzte sich und humpelte vom Platz. Für ihn kam der erfahrene Ferruh Akin, 35 Jahre alt, und sichtlich überrascht, plötzlich wieder mittendrin zu sein. "Ich war gerade dabei, mir die Jacke richtig zuzuknöpfen", grinste er später, "und dann ruft der Coach: ’Ferruh, rein mit dir!’" Die Gäste aus Radom indes wirkten, als hätten sie den Bus verpasst. Kein Pressing, kein Zug nach vorne, kein einziger Abschluss. Trainer Lukas Breer versuchte es mit lautstarken Kommandos, die allerdings irgendwo zwischen Mittelkreis und Ratlosigkeit verpufften. Nach dem Spiel sagte er sichtlich genervt: "Wir wollten offensiv auftreten, aber offenbar hat meine Mannschaft ’offensiv’ mit ’defensiv’ verwechselt." Gdańsk dominierte weiter, doch das zweite Tor ließ bis zur 90. Minute auf sich warten. Dann flankte Rechtsverteidiger Beniamin Szamotulski punktgenau in den Strafraum, wo Sebastian Mencel hochstieg wie ein junger Lewandowski und per Kopf zum 2:0-Endstand traf. Ein würdiger Schlusspunkt für ein Spiel, das längst entschieden war. "Ich hab gespürt, dass der Ball kommt", erklärte Mencel nach dem Abpfiff mit einem Grinsen, das fast so breit war wie sein Sprung hoch. "Beniamin hat mir vor dem Freistoß zugerufen: ’Mach dich groß!’ - und das hab ich wörtlich genommen." In der Statistik blieb für Radomiak wenig Trost: 48,7 Prozent Ballbesitz, aber nicht eine gefährliche Aktion. Gdańsk hingegen mit 51 Prozent Ballbesitz, 22 Torschüssen, einer Zweikampfquote von knapp 60 Prozent - und zwei Treffern, die den Unterschied machten. Trainer Mike Matt zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Wir haben’s uns schwerer gemacht, als nötig. Aber lieber spät treffen als gar nicht." Dann fügte er mit einem Zwinkern hinzu: "Und wenn der Gegner keinen einzigen Schuss aufs Tor bringt, haben wir wohl etwas richtig gemacht." Sein Gegenüber Breer seufzte: "Wir hatten eine Idee, aber Gdańsk hatte den Ball." Das Publikum verabschiedete die Heimelf mit stehenden Ovationen, während die Spieler von Radomiak in Richtung Kabine schlichen, als hätten sie gerade eine besonders strenge Matheprüfung hinter sich. So bleibt festzuhalten: BKS Gdansk hat an diesem 32. Spieltag der 1. Liga Polen nicht nur drei Punkte geholt, sondern auch ein Statement gesetzt. Und wer 22 Mal aufs Tor schießt, darf sich am Ende ruhig ein bisschen selbst feiern - ganz egal, ob das zweite Tor erst in der Nachspielzeit fällt. Oder, wie es Stürmer Nawalka mit einem Augenzwinkern zusammenfasste: "Wenn wir so weitermachen, muss der Gegner demnächst Eintritt zahlen, um uns beim Angreifen zuzuschauen." Ein Satz, der in Gdańsk sicher noch eine Weile zitiert werden dürfte. 14.06.644000 23:10 |
Sprücheklopfer
Ich habe heute erstmals einen Brasilianer mit Wadenkrampf gesehen. Das sagt doch wohl alles.
Matthias Sammer lobt den Kampfgeist seiner Mannschaft