Gazeta Sportowy
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BKS Gdansk siegt clever - Tychy rennt, rackert, trifft aber nichts

Wenn 20.250 Zuschauer an einem lauen Aprilabend ins Stadion von GKS Tychy pilgern, dann ist das in der 1. Liga Polens schon fast ein Volksfest. Es fehlt nur das Karussell - obwohl auf dem Rasen genug Drehbewegung war. Am Ende jubelten aber nur die Gäste aus Danzig: BKS Gdansk gewann mit 2:0 (1:0) und zeigte, dass Ballbesitz nicht alles ist, aber Effizienz eben doch ein hübsches Wort bleiben darf, wenn man weiß, was man damit anfangen soll.

Dabei war das Spiel in seiner ersten halben Stunde ausgeglichen - zumindest statistisch. Beide Teams kamen am Ende auf elf Torschüsse, die Kugel wollte aber nur bei den Gästen rein. In der 23. Minute traf Marcel Bak nach feiner Vorbereitung von Daniel Jelen. Ein Schuss aus halbrechter Position, präzise, trocken, so wie man sich seinen ersten Kaffee am Morgen wünscht. Torwart Sebastian Ratajczyk machte sich lang, aber Bak grinste später: "Ich hab gesehen, dass er einen Schritt zu weit links stand. Da musste ich gar nicht mehr nachdenken." Trainer Mike Matt nickte zufrieden und zog an seinem Kaugummi: "Marcel denkt manchmal zu viel - heute hat er einfach geschossen. Gut so."

GKS Tychy brauchte eine Weile, um sich von diesem Rückstand zu erholen. Der junge Samir Nasri (17) versuchte es in der 40. Minute mit einem beherzten Schuss, kurz darauf hämmerte Leon Goretzka (18) den Ball Richtung Tribüne E. Trainer Christian Reuss schüttelte nur den Kopf: "Einsatz stimmt, Zielwasser fehlt. Vielleicht sollte ich das nächste Mal die Flaschen vertauschen."

Zur Pause war die Stimmung im Stadion gemischt: Zwischen ungläubigem Kopfschütteln und dem Duft von Grillwurst lag jene Spannung, die nur der Fußball erzeugt, wenn man weiß, dass man eigentlich gar nicht so schlecht war - aber trotzdem hinten liegt.

Mit Beginn der zweiten Hälfte kam bei Tychy frischer Wind: Antonio Ferron ersetzte Brandon Prentiss, Grzegorz Zuraw kam für Patryk Rudy, und kurz darauf durfte auch Teemu Hietanen ran. Die Wechsel brachten Energie, aber keine Effizienz. Zuraw prüfte den Gästetorwart Mariusz Gorawski gleich dreimal (60., 61., 83.), doch der blieb eiskalt. "Ich hab einfach nur gehofft, dass er wieder auf mich schießt", lächelte Gorawski nach dem Spiel. "Und er hat mich nicht enttäuscht."

BKS Gdansk zeigte dagegen, wie man aus wenig viel macht. In der 68. Minute vollendete Jacek Majewski eine butterweiche Vorlage von - natürlich - Daniel Jelen zum 2:0. Wieder ein schneller Angriff, wieder die Mitte, wieder eiskalt. Man sah, warum Gdansk als "Team der ruhigen Hände" gilt: keine Hektik, kein Spektakel - nur Tore.

In den letzten zwanzig Minuten versuchten die Hausherren alles. Der Innenverteidiger Amadeus Wisio stürmte in der 91. Minute sogar selbst nach vorne, sein Schuss aus 25 Metern war allerdings mehr ein Symbol der Verzweiflung als eine Torchance. "Wenn der reingeht, kauf ich ihm ein Abendessen", rief Trainer Reuss halb lachend, halb fluchend von der Seitenlinie. Wisio nahm’s sportlich: "Ich hab’s probiert. Vielleicht war das der falsche Fuß - oder das falsche Jahrzehnt."

Statistisch war’s ein Duell auf Augenhöhe: 11 Torschüsse auf beiden Seiten, Zweikampfquote fast pari (50,2 % zu 49,8 %), aber Gdansk hatte mehr Ballbesitz (57 %) und das bessere Ende. Ein Lehrbuchbeispiel für Effizienz.

Nach dem Abpfiff sagte Gästetrainer Mike Matt mit jenem Understatement, das Sieger sympathisch macht: "Wir wollten kompakt stehen und vorne unsere Chancen nutzen. Hat halbwegs geklappt." Sein Gegenüber Reuss hingegen sah’s pragmatisch: "Wenn du 20.000 Leute im Rücken hast und trotzdem kein Tor machst, dann bist du entweder vom Pech verfolgt - oder vom Gegner."

Im Stadion verließen die Fans mit müden Gesichtern die Ränge, einige applaudierten trotzdem. Vielleicht, weil sie wussten, dass ihre Mannschaft alles versucht hatte. Oder weil der Grillstand noch offen war.

Und während in der Kabine von BKS Gdansk lautes Gelächter zu hören war, saß Leon Goretzka auf der Bank von Tychy, ein Handtuch über dem Kopf, und murmelte: "Wir hätten zehn Stunden spielen können, der Ball wäre trotzdem nicht rein." Solche Abende gibt’s im Fußball. Die Tabelle kennt dafür nur eine Sprache - aber das Herz des Spiels spricht manchmal eine andere.

Kurz gesagt: Gdansk clever, Tychy bemüht, das Publikum tapfer. Und irgendwo zwischen Frust und Faszination bleibt die alte Wahrheit: Wer die Dinger nicht macht, kriegt sie hinten rein.

07.12.643996 21:25
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