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Ein lauer Frühsommerabend, 39.272 Zuschauer, ein Stadion, das schon nach Grillwurst und Hoffnung roch - und am Ende ein 1:1, das beiden Mannschaften irgendwie zu wenig war. BKS Gdansk und Wista Plock trennten sich in einer Partie, die zwischen Rasanz und Ratlosigkeit pendelte, mit einem Unentschieden, das den Spielverlauf durchaus widerspiegelte: Gdansk mit der besseren ersten Halbzeit, Plock mit der besseren Schlussphase. Schon die Anfangsminuten machten klar, dass Wista Plock nicht zum Sightseeing an die Ostsee gereist war. Jack Lessard, der 34-jährige Dauerläufer auf der rechten Seite, prüfte Gdansks Keeper Alexis Nübel bereits in der ersten Minute - ein Warnschuss, der die Heimabwehr kurz aufschreckte, aber keine bleibenden Schäden hinterließ. Gdansk schüttelte sich kurz, dann kam Marcel Bak. Der rechte Flügelstürmer hatte augenscheinlich beschlossen, das Spiel gleich selbst in die Hand zu nehmen. Nach einem wuchtigen Versuch in der dritten Minute war es in der 22. soweit: Severin Kosowski tanzte an der linken Seite, flankte scharf in den Strafraum, und Bak drosch den Ball kompromisslos unter die Latte - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Bak nach dem Spiel. "Ich dachte mir: Entweder Latte oder Latte rein - heute war’s die richtige." Trainer Mike Matt zeigte sich weniger euphorisch: "Wir hatten das Spiel bis zur Pause im Griff, aber Fußball dauert nun mal länger als 45 Minuten." Das stimmte, und Wista Plock nahm diesen Satz offenbar als Arbeitsauftrag. Nach dem Seitenwechsel drehte die Mannschaft von Bryan Adams - ja, der Name sorgte im Presseraum für einige Schmunzler - den Rhythmus auf. Die Flanken flogen, die Gdansker Hintermannschaft schwamm. "Wir haben die Flügel dichter gemacht, wollten mehr Druck über die Seiten", erklärte Adams mit einem leichten Lächeln, das eher an ein Gitarrensolo erinnerte als an Taktikbesprechung. Doch zunächst hielt die Gdansker Defensive stand. Nübel parierte gegen Bene, Lessard und Gancarczyk, als ginge es um seine Wohnungseinrichtung. Auch eine Gelbe Karte für Hermann Kraft (38.) brachte keine Unruhe - im Gegenteil, sein rustikaler Zweikampf weckte das Publikum. "Er trifft den Ball… irgendwann", witzelte ein Fan hinter der Pressetribüne. In der 60. Minute setzte Heimtrainer Matt auf frische Beine: gleich drei Wechsel, darunter die beiden Teenager Wladimir Jelen (19) und Jurek Scherfke (18). "Ich wollte Mut auf den Platz bringen", sagte Matt später, "und vielleicht auch ein bisschen Wahnsinn." Der kam prompt: Jelen ließ in der 85. Minute mit einem Schuss aus 20 Metern die Latte erzittern, Scherfke scheiterte in der 89. gleich doppelt an Plocks Torwart Niclas Krug. Doch da war das Spiel längst gekippt. In der 79. Minute, ausgerechnet durch einen Innenverteidiger, glich Wista Plock aus. Nach einem Eckball von Florent Van Garsse stieg Marcin Cyron am höchsten und köpfte den Ball wuchtig ins Netz - 1:1. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", lachte der 33-jährige Abwehrhüne. Sein Trainer ergänzte trocken: "Das war kein Zufall. Wir üben das - manchmal sogar mit Erfolg." Die letzten Minuten gehörten wieder Gdansk, das verzweifelt nach dem Lucky Punch suchte. Scherfke und Jelen wirbelten, Bak versuchte es noch zweimal aus der Distanz (69., 70.), doch das Tor blieb vernagelt. Plock verteidigte clever, mit etwas Glück und viel Routine. Statistisch gesehen hatten die Gäste die Nase leicht vorn: 54 Prozent Ballbesitz, 14 Torschüsse gegenüber elf von Gdansk. Eine hauchdünne Überlegenheit, die sich am Ende in der Punkteteilung niederschlug. "Unentschieden sind wie lauwarmer Tee", knurrte Gdansks Mittelfeldmotor Hermann Kraft nach dem Schlusspfiff. "Man kann’s trinken, aber genießen ist was anderes." Während die Fans gemächlich das Stadion verließen, fasste ein älterer Zuschauer das Spiel treffend zusammen: "Erste Halbzeit Oper, zweite Halbzeit Baustelle - aber wenigstens kein Regen." Und so blieb es bei einem 1:1, das beiden Mannschaften etwas Hoffnung, aber keinen Fortschritt brachte. Immerhin: Für Unterhaltung war gesorgt. Und das, so meinte Trainer Adams beim Gehen augenzwinkernd, "ist ja schließlich auch eine Art Sieg". Vielleicht. Zumindest für die 39.272, die kamen, roch der Abend nach Fußball pur - mit allem, was dazu gehört: Torjubel, Zittern, Zitaten und der Erkenntnis, dass manchmal auch ein Punkt reicht, um Geschichten zu schreiben. 18.03.644003 18:32 |
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Otto Rehhagel