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BKS Gdansk zerlegt Bielsko-Biala: 3:0 und kein Zweifel

Ein lauer Maiabend, 20.30 Uhr in Bielsko-Biala, 20.000 Zuschauer und das Gefühl, dass hier eigentlich ein Fußballspiel stattfinden sollte. Am Ende sahen die heimischen Fans allerdings eher eine Lehrstunde - 0:3 aus Sicht ihrer Mannschaft, die gegen BKS Gdansk kaum Luft bekam. Und das Ergebnis schmeichelt dem Gastgeber sogar noch ein wenig.

Schon die ersten Minuten deuteten an, wohin der Abend führen würde. Gdansk begann mit einer Wucht, als hätten sie im Kabinengang Red Bull statt Wasser getrunken. Adam Wichniarek, der rechte Flügelflitzer, prüfte den Torwart von Bielsko-Biala bereits nach einer Minute. Und als er in der 14. Minute wieder an den Ball kam, diesmal nach einer butterweichen Vorlage seines Namensvetters Adam Zuraw, zappelte das Leder im Netz. 1:0 - der Auftakt zum einseitigen Schauspiel.

"Wir wollten gleich zeigen, dass wir hier Chef im Ring sind", grinste Wichniarek nach dem Spiel. "Nach dem Tor dachte ich kurz: Vielleicht wird’s heute zweistellig." Ganz so schlimm kam es für Bielsko-Biala nicht, aber die Richtung stimmte.

Während Gdansk im Angriffsrausch 24 Torschüsse abfeuerte, schafften die Gastgeber deren zwei - und das war schon fast ein Kunststück. Trainer Mike Matt von Gdansk stand derweil an der Linie, die Hände lässig in den Taschen, und sah seiner Mannschaft beim Kombinieren zu. "Wir haben das gespielt, was wir trainieren: nach vorne, ohne Angst, ohne Rechenschieber im Kopf", sagte er hinterher.

Die Hausherren dagegen wirkten, als hätten sie vergessen, dass man Tore nicht durch Ballbesitz, sondern durch Torschüsse erzielt. 45 Prozent Ballbesitz, kaum Ideen, dafür drei Gelbe Karten (Martens, Keane, Benitez) und eine Verletzung von Innenverteidiger Ioakim Fotilas - das war die Bilanz, die Trainer wohl lieber nicht aufarbeiten möchte.

In der 64. Minute musste Fotilas nach einem Zweikampf humpelnd vom Platz, der junge Portugiese Nuno Benitez kam für ihn. "Ich dachte, ich helfe hinten dichtzumachen", sagte Benitez später, "aber irgendwie kamen die Wellen immer weiter." Zwei Minuten später sah er Gelb - immerhin Konsequenz im Handeln.

Gdansk ließ sich von all dem nicht beirren. Der 17-jährige Arthur Kajrys, der aussieht wie ein Schüler auf dem Weg zum Abiturball, spielte, als wäre er schon zehn Jahre im Geschäft. In der 83. Minute nahm er einen Pass von Zuraw auf, drehte sich elegant um den verdutzten Verteidiger und schob eiskalt zum 2:0 ein. Der Jubel war so ausgelassen, dass selbst Trainer Matt kurz die Faust ballte - ein seltener Ausbruch bei ihm. "Arthur hat die Ruhe eines alten Fuchses", lobte er. "Vielleicht, weil er noch gar nicht weiß, wie jung er ist."

Bielsko-Biala versuchte es danach mit einem letzten, eher symbolischen Angriff. In der 89. Minute zog Veselin Ivanovic aus 20 Metern ab - der Ball flog immerhin in Richtung Tor, was das Publikum mit höflichem Beifall würdigte. Doch während sie noch klatschten, rollte schon die nächste Gdansk-Welle.

In der Nachspielzeit, als die Stadionuhr längst Gnade hätte walten lassen können, setzte Dennis Nawalka den Schlusspunkt. Nach einem Pass des unermüdlichen Herman Kraft zog er aus spitzem Winkel ab - 3:0. Der Torjubel fiel fast schon routiniert aus, als wüssten alle: Das war’s.

"Ich wollte einfach sicher sein, dass wir uns das auch verdient haben", meinte Nawalka mit einem Grinsen. Verdient war gar kein Ausdruck. 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe, kontrolliertes Offensivspiel, kein hektisches Pressing nötig - das war Fußball mit Plan.

Die Heimfans verließen das Stadion mit hängenden Köpfen. Einer rief noch: "Nächstes Mal spielen wir wenigstens mit!" - Galgenhumor, immerhin.

Bielsko-Biala-Coach wirkte nach Abpfiff wie jemand, der gleichzeitig den Autoschlüssel und seine Fassung verloren hatte. "Wir hatten unsere Momente", murmelte er kryptisch, "aber wir haben vergessen, was man damit macht."

So endete ein Abend, an dem BKS Gdansk alles richtig machte und Bielsko-Biala alles falsch. Ein klarer Sieg, drei verschiedene Torschützen, und das Gefühl, dass hier zwei Mannschaften in unterschiedlichen Ligen spielten - auch wenn die Tabelle etwas anderes behauptet.

Oder wie Gdansk-Kapitän Herman Kraft es trocken formulierte: "Wenn du 24-mal schießt und nur dreimal triffst, ist das fast schon ineffizient." Seine Miene verriet allerdings, dass ihm das völlig egal war.

Ein verdienter Sieg, ein verdienter Applaus - und ein Abend, den Bielsko-Biala wohl schnell vergessen möchte. Wer weiß, vielleicht üben sie bis zum nächsten Spiel das Schießen. Oder wenigstens das Verteidigen.

12.12.643999 06:35
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Was soll ich mit den Spielern reden, ich bin doch kein Pfarrer.
Werner Lorant
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