// Startseite
| Gazeta Sportowy |
| +++ Sportzeitung für Polen +++ |
|
|
|
Wer am Sonntagabend ins Stadion an der Danziger Bucht gekommen war, bekam für sein Eintrittsgeld mehr geboten, als so mancher Kinobesucher im ganzen Jahr. BKS Gdansk fegte Dinamo Sosnowiec mit 8:0 (3:0) vom Platz - und das in einer Partie, die eher an ein Trainingsspiel erinnerte, bei dem nur eine Mannschaft wusste, worum es eigentlich ging. Schon die Statistik spricht Bände: 26:1 Torschüsse, 63 Prozent Ballbesitz, acht verschiedene Arten, Verzweiflung beim Gegner zu erzeugen. "Wir wollten früh Druck machen", erklärte Heimtrainer Mike Matt hinterher trocken, "aber dass die Jungs daraus ein Kunstprojekt machen, hätte ich nicht gedacht." Der Abend begann zäh, Dinamo versuchte, das Spiel langsam zu machen - was ungefähr so gut funktionierte wie ein Regenschirm im Sturm. Nach einer Viertelstunde hatte BKS bereits fünfmal aufs Tor gezielt. In der 25. Minute war es dann soweit: Adam Wichniarek, der rechte Flügel mit der Präzision eines Uhrwerks, verwandelte nach Vorarbeit von Wladimir Burkhardt zum 1:0. Der Jubel der 33.529 Zuschauer war ohrenbetäubend, und man hatte den Eindruck, die Mannschaft entschuldige sich gleich dafür, dass es noch so lange gedauert hatte. Danach spielte nur noch Gdansk. Der 17-jährige Arthur Kajrys, der aussieht, als müsste er montags noch Mathehausaufgaben abgeben, traf in der 40. und 43. Minute doppelt - beide Male nach glänzender Vorarbeit des flinken Sergio Galan. Trainer Matt grinste: "Arthur hat in dieser Woche mehr Tore geschossen als ich in meiner ganzen Jugend." Zur Pause stand es 3:0, und man hätte erwartet, dass Gdansk das Tempo drosselt. Doch das Gegenteil war der Fall. Dinamo Sosnowiec-Trainer Sebastian Milla versuchte in der Kabine offenbar, seine Jungs aufzurütteln, doch das Resultat war eher ein Gähnen als ein Aufbäumen. "Wir wollten kompakt stehen", sagte er später, "aber irgendwann standen wir nur noch im Weg." In der 63. Minute erhöhte Severin Kosowski auf 4:0 - ein Schlenzer aus 18 Metern, bei dem Torhüter Janas nur noch den Kopf einzog. Dann folgte eine Viertelstunde, in der Gdansk das Spiel wie eine Generalprobe für den nächsten Zauberabend behandelte. Galan traf in der 76. Minute nach einem sehenswerten Doppelpass mit Kosowski, Dennis Nawalka legte in der 83. nach - wieder Kosowski als Vorbereiter. Und als Dinamo schon betete, der Schiedsrichter möge Gnade walten lassen, schlug der Teenager Kajrys erneut zu. In der 87. Minute nutzte er eine Vorlage von Wichniarek zum 7:0. Der Jubel auf der Tribüne war längst in Gelächter übergegangen. Wichniarek selbst setzte in der Nachspielzeit (91.) den Schlusspunkt - erneut nach Pass von Burkhardt. 8:0. Ein Ergebnis, das in den Archiven bleiben wird. Zwischendurch gab es auch Gelb für Lukas Hawrylewicz, "weil ich mal kurz vergessen habe, dass man beim Fußball keine Möbel rücken darf", wie er schmunzelnd bekannte. Torhüter Noe Ogaza, gerade einmal 17, wurde zur Halbzeit durch Logan Poe ersetzt - vermutlich, um ihm die Erfahrung zu ersparen, bei seinem Debüt acht Tore zu erleben. Dinamos einziger Torschuss kam übrigens von Roberto Travassos in der 8. Minute. Danach war Funkstille. "Ich hab kurz gedacht, ich wäre der Held", meinte Travassos später mit einem müden Lächeln, "aber dann fiel mir ein, dass das Spiel noch 82 Minuten dauert." Die Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen, während Gäste-Trainer Milla in Richtung seiner Ersatzbank murmelte: "Das war kein Spiel, das war ein Lehrfilm." Am Ende blieb die Erkenntnis: BKS Gdansk befindet sich in Galaform. Mit jugendlichem Übermut, taktischer Disziplin und einer Offensive, die kaum zu stoppen ist, demonstrierten sie, dass in dieser Liga derzeit nur eine Richtung gilt - nach oben. Dinamo dagegen wird sich fragen müssen, ob man das Wort "offensiv" in der Taktiktafel wirklich richtig verstanden hat. Oder, um es mit Trainer Mike Matt zu sagen: "Wenn du 26 Schüsse abgibst und acht triffst, darfst du dir auch mal ein Eis gönnen." Ein Eis und vielleicht eine kleine Erinnerung an diesen Abend, an dem BKS Gdansk nicht einfach spielte, sondern tanzte - und Dinamo Sosnowiec den Taktstock überließ, ohne dass dieser auch nur einen Ton traf. 15.10.643999 19:06 |
Sprücheklopfer
Im Fußball ist es wie im Eiskunstlauf - wer die meisten Tore schießt, der gewinnt.
Rainer Calmund