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Es war einer dieser Abende, an denen die Wurst heißer dampft als die Köpfe der Spieler - 28.609 Zuschauer in der Gelsenkirchener Arena sahen ein 3:2, das mehr Nerven kostete, als der Spielplan vorsah. Gelsenkirchen 04, unter der Leitung von Trainer Andreas Meyer, gewann gegen den tapferen SV Fuhlenbrock, der sich bis zur letzten Minute wehrte, als hinge die Weltmeisterschaft vom Ergebnis ab. Bereits nach vier Minuten schoss Joschua Lindemann das erste Mal aufs Tor - und das Publikum ahnte: Der Mann hat heute etwas vor. 14 Torschüsse sollten die Hausherren am Ende verzeichnen, und gefühlt alle liefen über diesen bulligen Mittelstürmer, der schon beim Einlaufen aussah, als hätte er die Nacht in der Muckibude verbracht. Doch das erste Tor gehörte einem anderen. In der 18. Minute nutzte Horst Schulz, der rechte Mittelfeldmotor, eine Kopfballvorlage von Innenverteidiger Jürgen Wegener und drosch den Ball ins Netz, als wollte er ein Zeichen setzen: Heute wird nicht gefackelt. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Schulz nach dem Spiel. "Wenn ich überlege, treffe ich ja sonst nie." Der Jubel währte allerdings kurz. Nur sechs Minuten später zeigte Michael Anicic vom SV Fuhlenbrock, dass auch ein Linksverteidiger Offensivdrang entwickeln kann - 1:1. Ein Schuss, so trocken wie ein alter Keks, aber unhaltbar. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Anicic lachend zu. Sein Trainer Mike Lowrey schüttelte dazu nur den Kopf: "Wenn das Absicht war, soll er’s mir beweisen - beim nächsten Training." So ging’s mit 1:1 in die Kabine, wo Trainer Meyer nach eigenen Worten "die Jungs nochmal an ihre Laktatwerte erinnerte". Offenbar half’s. Direkt nach Wiederanpfiff, in der 47. Minute, brachte Lindemann die Blauen erneut in Führung. Nach feinem Zuspiel von Jannick Bach verwandelte er eiskalt - ein klassischer Neunermoment. "Ich hab vorher gesagt: Der zweite Ball ist meiner", erzählte Lindemann später stolz. Nur fünf Minuten später legte Ferenc Klausz nach, ebenfalls auf Vorlage von Bach. 3:1 für die Hausherren - das Stadion vibrierte, Bierbecher tanzten Polka auf den Tribünen. "Da dachten wir, jetzt ist der Drops gelutscht", gab Kapitän Lennard Konrad später zu. Doch Fuhlenbrock dachte nicht daran, das Handtuch zu werfen. In der 64. Minute kombinierte der Gast sehenswert über Ramon Andrade, der mustergültig für Nuno Fernandes auflegte. Der Portugiese blieb cool und verkürzte auf 3:2 - plötzlich war wieder Pfeffer im Spiel. Für die letzten 25 Minuten verwandelte sich das Match in ein Nervenstück, in dem Gelsenkirchen trotz 54,6 Prozent Ballbesitz und 53 Prozent gewonnener Zweikämpfe kaum noch Ruhe fand. Trainer Meyer reagierte, wie man es von einem Mann seiner Erfahrung erwartet: mit Torwartwechsel in der 60. Minute. Der junge Wilhelm Preuss kam für den 33-jährigen Robert Hein, der über Knieprobleme klagte. "Ich wollte frisches Blut im Kasten", erklärte Meyer - was Preuss später trocken kommentierte: "Ich wusste gar nicht, dass ich so blutjung bin." SV Fuhlenbrock warf in der Schlussphase alles nach vorn, blieb aber seiner taktischen Linie treu: offensiv, aber ohne Pressing. Gelsenkirchen hingegen schaltete um auf aggressives Pressing, was sich spätestens in der Nachspielzeit bezahlte machte - nicht durch ein weiteres Tor, aber durch das Halten des knappen Vorsprungs. Der 17-jährige Justin Gebhardt durfte in der 90. Minute noch sein Ligadebüt feiern, als er für den ausgepumpten Jannick Kurz kam. "Ich wusste gar nicht, dass’s so laut sein kann", stammelte der Teenager nach Abpfiff, während Meyer ihm väterlich auf die Schulter klopfte. Am Ende jubelte Gelsenkirchen 04 über drei Punkte, die härter erkämpft waren, als das nackte Ergebnis vermuten lässt. Fuhlenbrock zeigte sich als zäher Gegner, der mit nur fünf Torschüssen zwei Treffer erzielte - Effizienz deluxe. "So Spiele braucht man in einer Saison", bilanzierte Meyer. "Die zeigen, dass wir nicht nur schön, sondern auch schmutzig gewinnen können." Kollege Lowrey nahm’s sportlich: "Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Stil - und zwei Traumtoren." Ein Abend für die Statistikfreunde, für die Romantiker des Rasens - und für alle, die wissen, dass Fußball manchmal weniger Mathematik und mehr Herzklopfen ist. Und während die Flutlichtmasten langsam erloschen, blieb ein Gedanke: Wenn Gelsenkirchen 04 so weiterspielt, könnte das Stadion bald wieder zu klein sein. Oder, wie ein Fan beim Hinausgehen treffend sagte: "Schweiß, Tore, Zittern - genau so will ich’s haben." 11.04.643994 07:13 |
Sprücheklopfer
Jetzt stehen die Chancen 50:50 oder gar sogar 60:60.
Rainer Calmund