Sport-Blick
+++ Sportzeitung für Schweiz +++

Blau-Weiss Luzern bezwingt Adler Basel in epischer Verlängerungsschlacht

53100 Zuschauer im ausverkauften Luzerner Stadion erlebten einen jener Pokalabende, über die man noch beim Frühschoppen reden wird. Vier Tore in der Verlängerung, ein Platzverweis, ein blutjunger Held - und ein Gegner, der sich selbst aus dem Spiel kombinierte. Am Ende hieß es 4:1 (1:0) nach Verlängerung für Blau-Weiss Luzern gegen Adler Basel. Und wer nur das Ergebnis liest, ahnt nicht, welch dramatische Wendungen dieses Achtelfinale nahm.

"Das war nichts für schwache Nerven", japste Luzerns Trainer Reinhard Wild nach dem Schlusspfiff, während ihm noch der Schweiß auf die Stirn tropfte. "Ich hätte fast meine eigene Taktik ausgewechselt." Dabei begann alles recht unspektakulär. Luzern, von Beginn an offensiv ausgerichtet, suchte sein Heil über die Flügel. Basel dagegen hielt den Ball, als sei er ein Familienerbstück - 55 Prozent Ballbesitz, aber kaum Gefahr.

Nach einer halben Stunde platzte der Knoten. Roger Römer, der quirlig-selbstbewusste Linksaußen, traf in der 36. Minute nach Vorlage von Henry Roades zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Römer später. "Henry meinte noch, ich soll lieber passen - naja, jetzt weiß er’s besser."

Basel schien kurz geschockt, fand aber nach der Pause zurück. Und in der 49. Minute schlug Frank Brückner eiskalt zu, nach feiner Vorarbeit von Guillaume Berard. 1:1 - und plötzlich roch das Spiel nach Verlängerung. Luzern rannte an, Basel verwaltete. Die Gäste wirkten taktisch "balanciert", wie es im Lehrbuch heißt - leider auch in der Offensive.

Dann die Szene, die alles veränderte: In der 96. Minute sah Henry Roades nach einem übermotivierten Tackling die Rote Karte. "Ich wollte nur den Ball treffen", sagte er später und schaute dabei so unschuldig wie ein Labrador im Regen. Kurz darauf kassierte auch Joseph Wendt Gelb - die Nerven lagen blank.

Doch statt auseinanderzufallen, explodierte Luzern. Der 19-jährige Phillip Lavoie, bis dahin eher fleißig als brillant, übernahm Verantwortung. In der 102. Minute bugsierte er den Ball nach einer Ecke von Marcel Benveniste über die Linie. Sechs Minuten später wiederholte sich die Szene fast identisch. 3:1 - das Stadion glich einem Tollhaus. "Ich wusste gar nicht, dass ich so jubeln kann", lachte Lavoie, der nach dem Spiel von seinen Mitspielern auf Schultern getragen wurde.

Basel versuchte, die Ordnung zu wahren, doch die Luft war raus. Statt Aufholjagd gab es Fehlpässe en masse. In der 115. Minute setzte Finn Hase den Schlusspunkt. Sein Schuss aus 18 Metern flog so unhaltbar in den Winkel, dass sogar der Luzerner Stadtturm kurz wackelte. 4:1 - ein Ergebnis, das deutlicher klingt, als es lange aussah.

Statistisch betrachtet war es ein Lehrstück in Effizienz und Leidenschaft. Luzern feuerte 25 Torschüsse ab, Basel gerade einmal sechs. Trotz weniger Ballbesitz gewann das Heimteam 56 Prozent der Zweikämpfe. "Wir haben uns reingebissen", fasste Trainer Wild zusammen. "Die Jungs wollten diesen Sieg, auch zu zehnt."

Basels Coach, der die Pressekonferenz mit steinernem Blick absolvierte, murmelte: "Wir hatten das Spiel im Griff - bis wir es verloren haben." Ein Satz, der wohl in die Vereinschronik eingehen wird.

Im Kabinengang hörte man indes Lavoie, wie er scherzhaft rief: "Vielleicht darf ich ja jetzt mal Elfmeter schießen!" Sein Trainer drehte sich um, grinste und meinte trocken: "Wenn du versprichst, sie auch zu treffen."

So endete ein Pokalabend, der alle Zutaten hatte: Drama, jugendliche Unbekümmertheit, rote Karten und ein Publikum, das selbst in der 120. Minute noch sang. Blau-Weiss Luzern steht damit verdient im Viertelfinale - und wer sie so spielen sah, weiß: Diese Mannschaft hat noch lange nicht genug.

Vielleicht ist das Schönste an diesem Sieg, dass er nicht perfekt war. Er war wild, chaotisch, emotional - eben echter Pokalfußball. Und irgendwo auf der Trainerbank lächelte Reinhard Wild in sich hinein, als er sagte: "Manchmal ist Fußball einfach Wahnsinn - und genau deshalb lieben wir ihn."

18.09.643996 05:31
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Worüber ich mir die ganze vergangene Zeit Gedanken gemacht habe? Meine Frisur, die ist nämlich scheiße.
Mehmet Scholl
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager