Sport-Blick
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Blau-Weiss Luzern fegt über Lyss hinweg - ein Abend voller Lehrstunden

Es war ein kühler Märzenabend im Stadion von Lyss, aber die Gäste aus Luzern brachten die Luft schnell zum Flirren. 36.000 Zuschauer sahen beim 15. Spieltag der 1. Liga Schweiz ein 1:5-Debakel aus Sicht des SC Lyss - und eine Luzerner Mannschaft, die mit jeder Minute gefährlicher wurde.

Schon in den ersten Minuten zeichnete sich ab, wer an diesem Montag die Richtung vorgab: Blau-Weiss Luzern, taktisch klar offensiv eingestellt, spielte von Beginn an mit langen Bällen und vollem Einsatz. Piotr Chawanow prüfte den Lysser Torhüter Vicente Aguas bereits nach zwei Minuten, und Robert Mantovani schickte in der dritten gleich den nächsten Warnschuss hinterher. Die Gastgeber? Ballbesitzstärker (53 Prozent), aber so harmlos wie ein Butterbrot im Sturm.

Nach 42 Minuten fiel dann, was sich abzeichnete: Pierre Gramont, der rechte Außenverteidiger der Luzerner, zog nach einem Pass von Chawanow beherzt ab - 0:1. "Ich dachte eigentlich, das sei viel zu weit draußen. Aber der Ball flog perfekt. Vielleicht sollte ich öfter schießen", grinste Gramont nach dem Spiel.

Mit diesem Rückstand ging Lyss in die Pause - und kam auch nicht besser heraus. Nur zwei Minuten nach Wiederanpfiff klingelte es erneut: Robert Locklear verwertete eine Vorlage seines Namensvetters Mantovani zum 0:2 (51.). Die Lysser Abwehr stand in diesem Moment so offen, dass man beinahe Eintritt hätte verlangen können. Trainer Reinhard Wild von Blau-Weiss Luzern kommentierte trocken: "Wir wollten zeigen, dass Offensive auch eine Form der Verteidigung ist."

In der 59. Minute legte Roger Römer nach, wieder vorbereitet von Chawanow, der an diesem Abend über die rechte Seite schaltete und waltete, als hätte er dort ein Dauerwohnrecht. Römer jubelte ausgelassen und sagte später: "Manchmal läuft einfach alles. Heute war so ein Tag, da hätte sogar unser Torwart ein Tor gemacht, wenn er gewollt hätte."

Lyss kämpfte, das muss man ihnen lassen, und durfte in Sachen Ballbesitz immerhin glänzen - aber Tore gibt’s bekanntlich nicht fürs Passen. Nach 62 Minuten sah Innenverteidiger Markus Hoffmann Gelb, nachdem er Mantovani eher rustikal ausgebremst hatte. Der anschließende Freistoß blieb harmlos, doch Blau-Weiss hatte längst Blut geleckt.

In der 76. Minute durfte Mantovani dann selbst ran und traf nach schöner Vorarbeit von Finn Hougaard zum 0:4. Zwei Minuten später revanchierte sich Hougaard mit einem Schuss ins rechte Eck, nachdem der junge Henri Diarra, gerade eingewechselt, mustergültig quergelegt hatte - 0:5. Die Luzerner Bank jubelte, Trainer Wild klatschte mit dem halben Kader ab, und das Publikum aus Lyss applaudierte sogar anerkennend.

"Das war heute eine Lehrstunde in Sachen Effizienz", murmelte SC-Coach (dessen Name die Vereinsverantwortlichen nach Abpfiff lieber verschwiegen) in der Pressekonferenz. Tatsächlich hatte sein Team ganze drei Torschüsse - Blau-Weiss deren fünfzehn. Von "ausgewogen" konnte da keine Rede sein, auch wenn die Statistik anderes versprach.

Immerhin blieb den Gastgebern ein kleiner Trost: In der 91. Minute gelang Gabriel Carey nach schöner Vorlage von Arnfinn Herlovsen noch der Ehrentreffer. Das Stadion jubelte, als hätte Lyss gerade die Meisterschaft gewonnen. Carey selbst lachte später: "Ich wollte einfach nicht, dass wir mit null rausgehen. Außerdem schuldete ich dem Torwart noch einen."

So endete der Abend mit einem 1:5, das man in Lyss wohl als "bitter, aber lehrreich" abhaken wird. Luzern dagegen setzte ein Ausrufezeichen im Aufstiegsrennen. Trainer Wild fasste es süffisant zusammen: "Wir wollten Spaß haben - und ich denke, das hat man gesehen."

Ein Zuschauer brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Lyss hatte den Ball, Luzern hatte den Plan." Und während sich die Lysser Fans in den nächtlichen Frühling verabschiedeten, summte jemand auf der Tribüne: "Manchmal verliert man - und manchmal lernt man."

Ein gerechtes Fazit: Blau-Weiss Luzern schießt aus allen Lagen, trifft fast immer, und Lyss darf nun üben, wie man Ballbesitz in Tore verwandelt. Oder, wie es ein anderer Fan trocken formulierte: "Schön gespielt, aber leider im falschen Sport."

22.04.643994 12:47
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