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Ein kühler Aprilabend in Visp, 35.656 Zuschauer mit Schal und Hoffnung im Gesicht - und am Ende fliegen die Gäste aus Luzern mit einem 2:1-Sieg ins Pokal-Halbfinale, während die Walliser sich fragen: Wie konnte das nur passieren? Dabei hatte alles so kontrolliert begonnen. FC Visp, von Trainerin Cecilia Schneider taktisch fein austariert und mit 54 Prozent Ballbesitz auch statistisch tonangebend, ließ den Ball geduldig laufen. Luzern hingegen, unter dem stets lauten Reinhard Wild, spielte, wie man ihn kennt: "Lang und weit bringt Sicherheit", brüllte Wild schon nach fünf Minuten von der Seitenlinie, als Pierre Gramont den ersten Ball quer über den Platz drosch. Die erste Halbzeit war eine Ansammlung guter Vorsätze und schlechter Entscheidungen. Visp kombinierte sich bis zum Strafraum, wo dann zuverlässig ein Luzerner Bein dazwischenfuhr. "Wir wollten sicher spielen", erklärte Abwehrchef Patrick Silvestre später mit einem Schulterzucken. "Hat ja auch fast geklappt." Fast - denn wer seine Chancen nicht nutzt, bekommt irgendwann die Rechnung. Und die kam, pünktlich zum Pausentee, mit Zinsen. Nach dem Seitenwechsel übernahm Luzern die Kontrolle. Roger Römer, der quirlige Linksaußen, drehte plötzlich auf, flankte, sprintete, grinste - und in der 50. Minute fand einer seiner Hereingaben genau den Fuß von Finn Hougaard, der den Ball trocken ins Netz jagte. 1:0 Luzern. Visp taumelte, Luzern roch Blut. Nur neun Minuten später wieder Römer, diesmal mit einem Pass quer durch den Strafraum, wo Robert Mantovani lauerte und den Ball aus fünf Metern einschob. 2:0 - und Trainer Wild riss die Arme hoch, als hätte er soeben die Champions League gewonnen. "Wir wollten einfach Spaß haben", sagte der Coach später mit einem Grinsen. "Und Tore machen macht nun mal Spaß." Visp dagegen verlor die Nerven. Zuerst sah Rechtsverteidiger Ramon Couto Gelb in der 76. Minute - und gleich darauf Gelb-Rot, weil er beim nächsten Zweikampf offenbar dachte, "Ball gespielt" gelte auch, wenn der Ball gerade in einem anderen Postleitzahlengebiet ist. "Ich hab ihn kaum berührt", protestierte Couto noch, während er vom Platz trottete. Leider glaubte ihm niemand, am wenigsten der Schiedsrichter. Mit zehn Mann versuchte Visp dann das Unmögliche. Und siehe da: In der 90. Minute gelang tatsächlich noch der Ehrentreffer. Johannes Blanchard, der bis dahin eher als Dauerläufer im Niemandsland aufgefallen war, traf nach Vorlage von Silvestre zum 1:2. Ein Tor, das die Fans wenigstens kurz jubeln ließ. "Da wollte ich’s einfach wissen", sagte Blanchard hinterher, "und Patrick hat ihn perfekt rübergelegt. Schade, dass’s zu spät war." Luzern brachte den Sieg dann routiniert über die Zeit. Die Statistik sprach ohnehin klar für sie: 11:5 Torschüsse, 54 Prozent Zweikampfquote, und eine bemerkenswerte Ruhe, sobald es hektisch wurde. "Wir haben einfach unser Ding gemacht", bilanzierte Doppeltorschütze Mantovani, "und das Ding war: gewinnen." Trainerin Schneider nahm die Niederlage mit Fassung. "Wir haben ein gutes Spiel gemacht, aber zwei dumme Minuten entschieden das Ding", sagte sie, während sie sich einen Schluck aus der Teetasse gönnte. "Und dann kam noch das Platzverweis-Kapitel - das stand so nicht im Drehbuch." Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft dennoch mit Applaus. Man hatte gesehen, dass dieser FC Visp Fußball spielen kann - aber auch, dass Blau-Weiss Luzern ein Team ist, das im Pokalmodus einfach eiskalt bleibt. "Wir fahren jetzt heim, trinken ein isotonisches Getränk", sagte Luzerns Roger Römer augenzwinkernd. "Oder zwei." Und während die Luzerner Spieler beim Abgang Arm in Arm sangen, blickte man in Visp schon Richtung Liga-Alltag. Denn dort wartet der nächste Gegner - und hoffentlich ein Schiedsrichter, der Ramons Humor teilt. Kurz gesagt: Visp hatte Stil, Luzern hatte Tore. Und im Pokal zählt eben Letzteres. 03.11.643996 11:18 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat