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Ein lauer Maiabend, 54.840 Zuschauer, Flutlicht in Luzern - und ein Spiel, das fast so wechselhaft war wie das Wetter am Vierwaldstättersee. Am 28. Spieltag der 1. Liga Schweiz gewann Blau-Weiss Luzern mit 2:1 gegen den FC Brugg, nachdem sie zunächst in Rückstand geraten waren. Es war kein Fußballfest im klassischen Sinne, aber eines dieser Spiele, bei denen man sich fragt, ob die Dramaturgie vielleicht heimlich vom Theater Luzern geschrieben wurde. Brugg begann forsch, robust, mit einer Prise Übermut. Trainer Stefan Schreiner hatte seine Elf auf "balanciert, aber bissig" eingestellt - und bissig waren sie. Schon in der vierten Minute prüfte Bradley Allington den Luzerner Keeper Lasse Rauch mit einem satten Schuss, der Rauch zu einer frühen Flugeinlage zwang, die das Publikum mit einem kollektiven "Uff!" quittierte. In der 27. Minute dann die kalte Dusche für die Hausherren: Olav Schilling, Bruggs linker Mittelfeldmann mit der Ruhe eines Yoga-Lehrers und dem Schussbein eines Schmieds, traf nach Vorarbeit von Benjamin Köhler zum 0:1. "Ich hab den Ball einfach laufen lassen - und dann war er drin", grinste Schilling hinterher, während Trainer Schreiner zufrieden nickte. Luzern wirkte kurzzeitig konsterniert, beinahe beleidigt, dass der Gast es gewagt hatte, die eigene Festung zu entweihen. Doch nur elf Minuten später antwortete das Team von Patrick Kontsch mit Nachdruck. Ausgerechnet Innenverteidiger Franck Stock, 21 Jahre jung und eigentlich für das Stoppen von Angriffen zuständig, stieg nach einer Ecke von Joaquin Tonel am höchsten und köpfte zum 1:1 ein. "Ich hab nur gedacht: Wenn ich den nicht mache, läuft’s morgen in der Kabine rund", lachte Stock. Mit diesem Ergebnis ging es in die Pause. Die Statistik sprach zu diesem Zeitpunkt leicht für Brugg - 50,3 Prozent Ballbesitz, 6:5 Torschüsse -, doch der Trend deutete schon auf die Blau-Weißen hin. Trainer Kontsch verzichtete auf große taktische Umstellungen, setzte weiter auf offensive Ausrichtung mit ruhigem Passspiel. Schreiner hingegen brachte zur zweiten Hälfte zwei frische Kräfte, Georg Bernard und den 18-jährigen Christopher Mayr. Die zweite Halbzeit begann so, wie Luzern sie sich erträumt hatte - mit einem schnellen Treffer. In der 49. Minute kombinierte sich der rechte Flügel traumhaft durch: Piotr Chawanow legte quer, Henry Roades zog trocken ab - 2:1. Der Jubel war ohrenbetäubend. "Ich hab gar nicht geschossen, ich hab einfach gehofft", witzelte Roades später - vielleicht nicht ganz die Wahrheit, aber sympathisch ehrlich. Danach entwickelte sich ein zähes Ringen. Brugg drückte, Luzern lauerte. Zwischendurch rief Kontsch seinem Abwehrchef Stock zu: "Nicht schön, aber sauber!" - eine Anweisung, die man wohl in Stein meißeln könnte, wäre sie nicht so situativ brillant gewesen. Brugg versuchte es in der Schlussphase noch einmal mit jugendlichem Elan. In der 88. Minute kam der 18-jährige Guy Saint-Pierre für Darijo Boksic - ein Hauch von Risiko, aber auch Verzweiflung. Zwei Minuten später zirkelte der ebenfalls junge Mayr den Ball knapp am Pfosten vorbei. "Da hat uns vielleicht das Glück des Alters gefehlt", kommentierte Schreiner trocken. Luzern hielt dagegen, verteidigte mit der Ruhe eines Teams, das gelernt hat, wie man knappe Spiele über die Zeit bringt. Die letzten Minuten gehörten wieder den Gastgebern: Mantovani prüfte Bruggs Keeper Cvitanovic in der 67. Minute, Chawanow und Roades hätten in der 70. und 72. Minute alles klar machen können. Doch der dritte Treffer blieb aus - zum Glück für die Spannung. Am Ende stand ein 2:1, das die Luzerner Fans ordentlich feiern ließ. "Das war kein Schönheitspreis, aber drei Punkte sind drei Punkte", bilanzierte Trainer Kontsch, während er mit einem halb leeren Kaffeebecher den Rasen musterte. Seine Mannschaft hatte 13 Torschüsse verbucht, knapp 50 Prozent Ballbesitz, aber den entscheidenden Unterschied gemacht: Effizienz. Die Brugger hingegen fuhren mit hängenden Köpfen, aber nicht ohne Stolz nach Hause. "Wir haben ihnen das Leben schwer gemacht", sagte Kapitän Menendez. "Aber am Ende haben sie den Ball einmal öfter reingebracht. So einfach ist Fußball." So endete ein Spiel, das kein Lehrbuchkapitel über Taktik war, aber sehr wohl eines über Leidenschaft. Und vielleicht, ganz vielleicht, über die Kunst, zur rechten Zeit den richtigen Fuß hinzuhalten. Oder, wie ein Fan am Ausgang sagte: "Wenn Luzern so weitermacht, dann brauchen wir bald größere Tribünen - oder stärkere Nerven." 29.04.644000 14:00 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat