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Das war kein Fußballspiel, das war eine Operette - mit Trompeten, Pauken und einem Chor aus 37.088 begeisterten Zuschauern. Blau-Weiss Luzern und der FC Aarberg lieferten sich am Dienstagabend im sonnendurchfluteten Stadion an der Reuss ein Duell, das alles hatte: Tempo, Tore, kleine Dramen - und einen Roger Römer in Hochform. Am Ende stand ein 5:3 (4:1) auf der Anzeigetafel, und selbst Trainer Reinhard Wild musste grinsen: "Ich habe zwischendurch vergessen, dass ich Trainer bin. Das war einfach schön anzusehen." Schon in der Anfangsphase ballerte Luzern los, als hätte jemand die PlayStation auf "Arcade-Modus" gestellt. Zehn Minuten waren gespielt, da zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz: Finn Hougaard, der dänische Mittelfeldmotor, zog nach Pass von Innenverteidiger Franck Stock aus 20 Metern ab - 1:0. Zwei Minuten später klingelte es erneut: Roger Römer, der Mann mit der Frisur eines Rockstars, verwertete eine Hereingabe von Piotr Chawanow zum 2:0. "Ich hab einfach den Fuß hingehalten", grinste Römer später und fügte mit einem Zwinkern hinzu: "Aber ich hab den Ball vorher angeschrien, das hilft manchmal." FC Aarberg brauchte ein paar Minuten, um sich zu sortieren. In der 18. Minute brachte Mariusz Nawalka seine Farben zurück ins Spiel - nach feiner Vorarbeit von Rui Canton, dem linken Verteidiger, der offenbar vergessen hatte, dass er eigentlich hinten bleiben sollte. 2:1 also, und plötzlich roch es nach Spannung. Doch Luzern hatte an diesem Abend keine Lust auf Nervenkitzel. Robert Locklear stellte in der 36. Minute nach traumhafter Flanke von Finn Hase auf 3:1, und kurz vor der Pause legte Römer noch einen nach - wieder nach Pass von Stock. 4:1 zur Halbzeit, der Pausentee schmeckte nach Feierabend. "Ich habe in der Kabine nur gesagt: Jungs, bitte nicht einschlafen", verriet Aarberg-Coach Sebastian Koch später. Seine Worte fruchteten: Nach dem Seitenwechsel kam Aarberg mutiger aus der Kabine, und Arthur Furtok belohnte den Aufwand in der 57. Minute mit einem sehenswerten Schlenzer zum 4:2 - Vorlage Vincent Leblanc. Das Spiel drohte kurz zu kippen, Luzern wackelte, aber es fiel nicht. Stattdessen zog Finn Hase, der linke Wirbelwind, nach einer Stunde noch einmal an und stellte in der 66. Minute den alten Drei-Tore-Abstand wieder her. 5:2 - Vorlage Joseph Carr, der in der Zentrale mit Übersicht glänzte. Aarberg gab sich nicht auf, und Brandon Henderson verkürzte in der 78. Minute nach Vorlage von Furtok auf 5:3. Danach wurde es hitziger, Adam Neil sah Gelb (70.), und Luzerns Trainer Wild wechselte vorsichtshalber den 33-jährigen Pierre Gramont aus - "der hat mehr Kilometer gemacht als ein Paketbote an Weihnachten", scherzte Wild später. Statistisch war es fast ein ausgeglichenes Spiel - fast. 50,6 Prozent Ballbesitz für Luzern, 49,3 für Aarberg. Doch die Qualität der Chancen machte den Unterschied: 19 Torschüsse der Hausherren gegen nur sieben der Gäste sprechen eine klare Sprache. Luzern spielte offensiv, aggressiv, mit langen Pässen und vollem Einsatz, während Aarberg mit seiner ausgewogenen, aber etwas braven Spielanlage einfach zu spät aufwachte. Nach dem Abpfiff herrschte Volksfeststimmung in Luzern. Die Fans sangen, die Spieler winkten, und Roger Römer posierte mit einem kleinen Jungen aus der Fankurve, der sein Trikot bekam. "Das war vielleicht das schönste Torfestival meiner Karriere", sagte Römer, noch immer atemlos. Trainer Wild blieb sachlicher: "Wir haben heute gezeigt, dass wir offensiv alles können - defensiv aber noch ein bisschen was lernen müssen. Fünf Tore sind super, drei Gegentore sind zu viel." Sein Aarberger Kollege Koch konterte trocken: "Wenn man gegen ein Team spielt, das aus allen Lagen schießt, muss man irgendwann den Regenschirm aufspannen." So endet ein Abend, der den neutralen Zuschauer glücklich, den Statistiker beschäftigt und die Luzerner euphorisch zurücklässt. Mit diesem Sieg festigt Blau-Weiss Luzern seine Position in der Spitzengruppe der 1. Liga Schweiz und beweist, dass Offensivfußball keine Frage der Vernunft ist, sondern der Leidenschaft. Und irgendwo in Aarberg wird man sich fragen, ob man beim nächsten Mal vielleicht doch ein bisschen Pressing üben sollte - oder wenigstens lernen, wie man Roger Römer ausschaltet. Doch das ist eine andere Geschichte. Heute gehört der Applaus eindeutig den Blau-Weißen, die Fußball in seiner schönsten Form servierten: laut, wild und ein bisschen verrückt. 04.05.643994 02:35 |
Sprücheklopfer
Wir wollen uns von Spiel zu Spiel konzentrieren und die Tordifferenz verringern.
Christoph Daum