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Blau-Weiss Luzern siegt knapp - Kreuzlingen wacht zu spät auf

Ein Flutlichtspiel, das es in sich hatte: 38.955 Zuschauer im ausverkauften Stadion in Luzern erlebten am Montagabend ein 3:2-Spektakel, das phasenweise eher an ein Feuerwerk erinnerte als an eine taktische Lehrstunde. Blau-Weiss Luzern besiegte den FC Kreuzlingen mit 3:2 (3:1) und verteidigte damit seinen Platz in der oberen Tabellenhälfte der 1. Liga Schweiz - wenn auch mit einem ordentlichen Zittern in der Schlussphase.

Schon nach 60 Sekunden bebte die Tribüne. Piotr Chawanow, der flinke Rechtsaußen, hatte offenbar keine Lust auf Abtasten und hämmerte den Ball nach Vorarbeit von Linksverteidiger Joseph Wendt ins Netz. 1:0 - und Trainer Reinhard Wild grinste an der Seitenlinie so breit, dass selbst der vierte Offizielle kurz lächeln musste. "Wir wollten früh zeigen, dass wir da sind", sagte Chawanow später. "Ehrlich gesagt, ich war selbst überrascht, dass der Ball reinging."

Kreuzlingen, das unter Matthias Kaiser mit einer ausgewogenen, aber körperbetonten Spielweise antrat, hatte Mühe, in die Partie zu finden. Der Ballbesitz sprach zwar schon früh für die Gäste (am Ende 55 Prozent), aber was nützt das, wenn der Gegner stets die gefährlicheren Szenen hat? Robert Locklear, Luzerns bulliger Rechtsaußen, nutzte das gnadenlos aus: In der 13. Minute traf er nach einer butterweichen Flanke von Pierre Gramont zum 2:0, und nur zwei Minuten später legte er - diesmal nach Vorarbeit von Finn Hase - das 3:0 nach.

"Da dachte ich kurz, wir machen heute ein Eishockey-Ergebnis", flachste Trainer Wild später. "Aber dann haben meine Jungs wohl gemerkt, dass wir Fußball spielen."

Denn nach dem furiosen Start verfiel Luzern in einen merkwürdigen Verwaltungsmodus. Kreuzlingen, angeführt vom agilen Vahap Üzülmez und dem dribbelstarken Nael Jorge, kämpfte sich langsam zurück. In der 37. Minute war es schließlich Jorge, der nach Zuspiel von Üzülmez zum 3:1 traf. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch: Ballannahme, Haken, Schlenzer - Tor.

"Da hatten wir endlich mal Platz", knurrte Kreuzlingens Coach Kaiser später. "Schade nur, dass die ersten 30 Minuten keiner meiner Spieler den Ball stoppen konnte."

Nach der Pause wurde das Spiel ruppiger. Kreuzlingens Ramallo kassierte in der 56. Minute Gelb, weil er Joseph Wendt etwas zu leidenschaftlich am Trikot zupfte. Auch Luzern verteilte später Farbe - Wendt selbst sah in der Nachspielzeit Gelb, nachdem er einen Konter taktisch stoppte.

Taktisch blieb Luzern seiner offensiven Linie treu, spielte weiter mit langen Bällen über die Flügel. Kreuzlingen dagegen kombinierte geduldiger, vielleicht zu geduldig, und kam erst in den letzten Minuten richtig ins Rollen. Der eingewechselte David Bernard brachte frische Beine, aber das Pech klebte an den Stiefeln von Luis Ramallo: Zwei gute Chancen (57. und 71.) - beide Male fehlten Zentimeter.

Die Schlussphase war dann nichts für schwache Nerven. In der 93. Minute, als viele Zuschauer schon Richtung Ausgang schlenderten, köpfte Innenverteidiger Bernt Voss nach einer Ecke von Pedro Doreste das 3:2. Plötzlich lag Spannung in der Luft, der Ballbesitz kippte endgültig zugunsten der Gäste, und Luzern wankte. Keeper Lasse Rauch musste in der 94. noch einmal spektakulär retten, ehe Schiedsrichter Rüegg das Drama beendete.

"Wir haben den Sieg über die Zeit gezittert", gestand Luzerns Kapitän Robert Mantovani. "Aber ehrlich, manchmal ist Zittern schöner als langweiliges 1:0-Geschiebe."

Statistisch war es ein Duell auf Augenhöhe: Beide Teams mit 14 Torschüssen, Luzern etwas effektiver, Kreuzlingen spielfreudiger. Die Zweikampfquote lag mit 50,5 zu 49,5 Prozent praktisch gleichauf - ein Spiegelbild des Spiels. Nur die ersten 20 Minuten machten den Unterschied.

Nach Abpfiff blieb Reinhard Wild noch lange auf dem Rasen stehen, klatschte seine Spieler ab und blickte dann zur Fantribüne. "Das war kein perfektes Spiel", sagte er, "aber ein ehrliches." Matthias Kaiser hingegen verschwand wortlos im Kabinengang - verständlich, denn seine Mannschaft hatte spät, aber zu spät gezeigt, dass sie mehr kann.

Und so bleibt von diesem Abend in Luzern das Bild eines stürmischen Beginns, eines langen Zitterns und eines Publikums, das alles bekam: Tore, Dramatik, Gelbe Karten und eine Prise Chaos. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte: "So soll Fußball sein - ein bisschen Herzinfarkt, ein bisschen Poesie."

18.09.643996 05:18
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Giovanni Trappatoni
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