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Blau-Weiss stolpert daheim - FC Brugg tanzt auf Luzerner Rasen

Es war ein kühler Märzabend, aber die 46.642 Zuschauer im Stadion in Luzern bekamen genug zu sehen, um die Hände warm zu klatschen - zumindest die mitgereisten Fans aus Brugg. Denn ihre Mannschaft, der FC Brugg, entführte mit einem 4:2-Sieg alle drei Punkte und ließ Blau-Weiss Luzern ziemlich ratlos zurück.

Schon die Anfangsphase war ein Schlagabtausch. In der 11. Minute zappelte der Ball zum ersten Mal im Netz - allerdings im Tor der Luzerner. Der flinke Marcel Marchal, Bruggs Linksaußen, verwertete einen Pass von seinem Sturmpartner Bradley Allington trocken. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht", grinste Marchal später. "Wenn ich anfange zu denken, geht der Ball meistens drüber."

Doch Luzern zeigte zunächst Moral. Nur zwei Minuten später glich Robert Mantovani aus - sein 1:1 nach schöner Einzelleistung ließ das Stadion kurzzeitig beben. Trainer Reinhard Wild sprang an der Seitenlinie fast höher als sein Stürmer. "Da dachte ich, jetzt drehen wir’s", sagte er später mit einem sarkastischen Lächeln. "Tja, gedacht hab ich viel an diesem Abend."

Brugg ließ sich vom Ausgleich nicht beeindrucken. Benjamin Köhler legte in der 20. Minute nach - ein Schlenzer aus 17 Metern ins lange Eck, Torwart Lasse Rauch war chancenlos. "Der Ball hat mich angeschaut und gesagt: Ich geh da jetzt rein", scherzte der Torschütze nach dem Spiel.

Zur Pause stand es 1:2 - und wer dachte, Luzern würde in der zweiten Halbzeit mit Feuer zurückkommen, sah sich getäuscht. Zwar hatte Blau-Weiss Offensivdrang, doch Brugg blieb eiskalt. Olav Schilling erhöhte in der 51. Minute auf 3:1. Ein Treffer, der sinnbildlich für den Abend war: Luzern rannte, Brugg traf.

Immerhin: Mantovani traf erneut in der 62. Minute - sein zweiter Treffer, ein Abstauber nach einem abgefälschten Schuss, brachte noch einmal Hoffnung. Reinhard Wild reagierte sofort, brachte Henry Roades für Robert Locklear, später auch den jungen Franck Stock für den wackligen Benveniste. "Wir wollten frischen Wind", erklärte Wild. "Bekommen haben wir Gegenwind."

Denn Brugg blieb die cleverere Mannschaft, ruhig am Ball, sicher im Passspiel (57,6 % Ballbesitz) und mit klareren Aktionen. Elf Torschüsse verzeichneten die Gäste, mehr als doppelt so viele wie Luzern. Besonders auffällig: der 21-jährige Bradley Allington, ein quirliger Rechtsaußen, der Luzerns Abwehr mehrfach schwindlig spielte.

In der 90. Minute machte dann wieder Marcel Marchal den Deckel drauf - 4:2! Nach einem Pass des eingewechselten Innenverteidigers Georg Bernard (!) schob er überlegt ein. Während Marchal jubelnd in Richtung Gästeblock rannte, blickte Torwart Rauch nur resigniert gen Himmel. "Ich hab den Ball kommen sehen - aber eher wie ein Meteor als wie einen Schuss", murmelte er später halb lachend.

Auf der Pressekonferenz wirkte Bruggs Trainer Stefan Schreiner so gelassen wie sein Team auf dem Platz. "Wir haben einfach unser Ding gemacht. Kein Hexenwerk, nur Fußball", sagte er mit einem Zwinkern. Sein Kollege Wild hingegen suchte nach Erklärungen: "Wir waren offensiv, ja, aber halt auch offen - hinten wie vorn. Wenn du den Ball verlierst und Brugg kontert, dann wünschst du dir plötzlich, du hättest lieber Schach gespielt."

Ein kurzer Schlagabtausch zwischen den beiden Trainern sorgte für Heiterkeit: "Reinhard, du hast doch gesagt, du willst mutig spielen!", rief Schreiner lachend. Wild konterte trocken: "Ja, Mut war da - nur leider kein Timing."

Am Ende steht ein verdienter Auswärtssieg für den FC Brugg, der mit taktischer Disziplin (balancierte Ausrichtung, kein Pressing, aber kluges Stellungsspiel) und Effizienz glänzte. Luzern dagegen zeigte zwar Einsatz, aber wenig Plan. Die Offensive schoss aus allen Lagen, doch die Statistik (5 Torschüsse) spricht Bände: viel Wille, wenig Wirkung.

"Das war kein Beinbruch", versuchte Luzerns Doppel-Torschütze Mantovani zu beschwichtigen. "Eher eine schmerzhafte Erinnerung daran, dass Fußball nicht nur aus Vorwärtslaufen besteht." Vielleicht hat er recht - aber in Luzern dürfte man am nächsten Trainingstag wohl trotzdem ein bisschen mehr Rückwärtsbewegung üben.

Und Brugg? Die feiern den Abend wohl noch lange. Wie es ein euphorischer Fan ausdrückte: "Wenn Marchal so weitermacht, benennen wir die Hauptstraße nach ihm." Ein Versprechen, das man in Brugg vielleicht besser nicht zu laut sagt - sonst muss die Stadtverwaltung bald neue Schilder bestellen.

Ein verdienter Sieg, ein enttäuschter Gastgeber, ein gut gelaunter Außenseiter - kurzum: ein Fußballabend, wie ihn nur die 1. Liga Schweiz bieten kann.

10.04.643994 22:41
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