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ZÜRICH - Es war ein Abend, der im Letzigrund-Stadion eigentlich schon nach 45 Minuten entschieden schien. 41.481 Zuschauer hatten es sich gerade mit Bratwurst und Bier gemütlich gemacht, da führte Blau-Weiss Zürich komfortabel mit 2:0 gegen den SC Carouge. Am Ende stand dennoch ein nervenaufreibendes 3:2 auf der Anzeigetafel - ein Ergebnis, das Trainer Felix Stoch mit einem tiefen Seufzer kommentierte: "Ich hätte mir ehrlich gesagt weniger Drama gewünscht, aber offenbar mögen wir es spannend." Dabei begann alles nach Maß für die Hausherren. Schon in der 10. Minute zirkelte Joseph Jean-Pierre, der elegante Taktgeber im Mittelfeld, den Ball nach feiner Vorarbeit von Pal Kubala ins rechte Eck. Carouges Keeper Marek Dobias flog zwar, aber eher der Form halber - der Ball war längst drin. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber Joseph hat wohl andere Pläne gehabt", grinste Kubala später. Zürich kontrollierte das Spiel, hatte 58 Prozent Ballbesitz und ließ den Ball so zirkulieren, als hätte man ihn auf einem Gummiband an den Schuhen. In der 39. Minute belohnte sich Kubala dann selbst: Nach einem energischen Dribbling von rechts zog er ab und traf trocken zum 2:0. Der Jubel war groß, der Applaus noch größer - und Carouge? Wirkte, als würde es lieber in den Genfer Frühling spazieren gehen als in einen Zweikampf. Doch wer den SC Carouge zu früh abschreibt, hat noch nie ein Spiel dieser Mannschaft gesehen. Trainer Stefan Häusler hatte in der Pause offenbar an die Ehre seiner Elf appelliert. "Ich habe ihnen gesagt, dass man auch ohne Ball Fußball spielen kann - aber es ist halt schwieriger", sagte er mit einem schiefen Lächeln. Und siehe da: In der 52. Minute verkürzte Jari Forssell nach Pass von Linksverteidiger Jannis Martel auf 2:1. Carouge war plötzlich da, bissig, mutig, fast frech. Allerdings nur kurz. Denn kaum acht Minuten später schlug wieder der Mann des Abends zu: Pal Kubala. Diesmal bereitete Emilio Urrutia den Treffer vor, Kubala nahm Maß und drückte den Ball aus zwölf Metern ins Netz - 3:1. "Da musste ich einfach draufhauen", lachte er später, "wenn ich da noch querlege, schimpft mich der Trainer." Stoch nickte dazu nur: "Endlich hat er mal auf mich gehört - nach fünf Jahren." Doch Carouge gab nicht auf, auch wenn die Statistiken (8 Torschüsse, 41 Prozent Ballbesitz) etwas anderes vermuten lassen. In der 82. Minute sorgte Filippo Cossu nach Vorlage des jungen Claus Breze noch einmal für Spannung. Danach spielten die Westschweizer mutig nach vorn, während Blau-Weiss plötzlich so aussah, als wolle man das Ergebnis in eine Vitrine stellen und bloß nicht mehr anfassen. Zwar rettete Zürich den Vorsprung über die Zeit, doch der Puls der Fans dürfte noch Minuten nach Abpfiff im roten Bereich gewesen sein. "Wir haben vergessen, dass ein Spiel 90 Minuten dauert", murmelte Innenverteidiger Alfie Lujan, der in der 68. Minute Gelb sah, selbstkritisch. "Aber schön war’s trotzdem." Und tatsächlich: Es war ein Spiel mit allem, was das Fußballherz begehrt - frühe Tore, schöne Kombinationen, viel Tempo und am Ende eine Portion Zittern. Selbst die Ersatzbank der Zürcher lebte mit, als Trainer Stoch in der 65. Minute den gelbverwarnten Goncalves durch Dahlin ersetzte. "Ich wollte einfach sicher gehen, dass wir elf Mann beenden", erklärte Stoch trocken. Bei Carouge wechselte Häusler in der 60. Minute gleich dreifach - Zaera, Mann und Ricardo Moutinho kamen ins Spiel - ein klares Zeichen: Alles oder nichts. Und fast wäre das Risiko belohnt worden, doch Cossus Treffer kam zu spät. Am Ende bleibt ein verdienter, wenn auch mühsamer Sieg für Blau-Weiss Zürich. Die Statistiken sprechen eine klare Sprache: 13:8 Schüsse aufs Tor, mehr Ballbesitz, etwas bessere Zweikampfquote. Aber wer die letzten Minuten sah, weiß: Zahlen sind nur die halbe Wahrheit. "Wir haben gezeigt, dass wir auch leiden können", sagte Doppel-Torschütze Kubala beim Abgang vom Feld, während er sich von den Fans feiern ließ. Und irgendwo auf der Tribüne soll ein älterer Herr gemurmelt haben: "So spielt keine Mannschaft, die nur aufsteigen will - die will auch unterhalten." Vielleicht ist das das schönste Kompliment des Abends. Und das Letzigrund hat mal wieder bewiesen, dass selbst in der 1. Liga Schweiz Dramatik, Leidenschaft und eine Prise Wahnsinn zuhause sind. 14.11.643996 22:40 |
Sprücheklopfer
Verstärken können die sich, aber nicht auf der rechten Seite. Da bin ich. Ich komme selber aussem Pott. Mein Vater war auf der Hütte. Wenn ich wieder fit bin, zeig ich denen, wat malochen heißt.
Torsten Legat