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Blues drehen das Stadtderby - späte Wende im Waterford-Kessel

Wenn in Waterford Derbyzeit ist, riecht die Luft nach Regen, Rasen und Rivalität. 20.000 Zuschauer im prall gefüllten Riverside Park sahen am Mittwochabend ein Spiel, das von Nervosität, Leidenschaft und einem kräftigen Schuss Lokalpatriotismus geprägt war. Am Ende jubelten die Waterford Blues - 2:1 hieß es nach 90 intensiven Minuten gegen die Waterford Reds. Doch bis dahin war es ein weiter Weg.

Die Reds begannen giftig und mutig. Trainer Costa Brava hatte seine Jungs offenbar mit Espresso und Kampfansage in die Kabine geschickt. Schon in den ersten zehn Minuten prüften Winston, Reid und Seton den Blues-Keeper Lucas MacQueen, der sich mit Katzenreflexen in die Herzen der Heimfans hechtete. "Ich hab den Ball nicht mal kommen sehen, ich hab ihn einfach gehört", grinste MacQueen später, immer noch mit Grasflecken auf der Stirn.

In der 34. Minute fiel dann, was sich längst angedeutet hatte: Lewis O’Leary nutzte eine perfekte Vorlage von Charles Seton, zog aus 16 Metern ab - 0:1. Die Reds-Fans jubelten, einige Blues-Anhänger murmelten bereits etwas von "typisch Derby, typisch Drama". Das Tor war verdient, denn die Gäste führten nicht nur auf der Anzeigetafel, sondern auch bei den Torschüssen (am Ende 15:10) und in Sachen Aggressivität.

Die Blues dagegen wirkten in der ersten Hälfte, als hätten sie ihre Spielfreude im Kabinengang vergessen. Alexandru Filipescu, sonst der kreative Motor, verhedderte sich immer wieder im Gegenpressing der Reds. Im Pauseninterview nuschelte er nur: "Es war, als spielten wir gegen zwölf Mann - und der zwölfte war der Wind."

Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild langsam. Die Blues übernahmen mit 52 Prozent Ballbesitz zunehmend die Kontrolle, auch wenn es zunächst mehr nach Verzweiflung als nach Plan roch. Trainer der Blues - dessen Name in Waterford ohnehin Legendenstatus hat - brüllte so laut, dass selbst die Möwen auf der Tribüne verstummten. "Ich habe ihnen gesagt: Wenn ihr schon verliert, dann wenigstens im Laufen", verriet er später mit einem Grinsen.

In der 73. Minute platzte der Knoten: Fernando Caneira, der alte Stratege im Mittelfeld, schickte Theo Brady mit einem butterweichen Pass in die Gasse. Brady blieb eiskalt - 1:1. Das Stadion explodierte, die Blues-Bank rannte bis an die Eckfahne, und selbst der vierte Offizielle konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. "Ich hab einfach nur gedacht: Wenn nicht jetzt, wann dann?", sagte Brady danach, als wäre er der Philosoph unter den Stürmern.

Die Reds reagierten mit zwei Wechseln - McGeady und Krejci kamen, um frische Beine zu bringen. Doch statt frischem Wind kam der nächste Nackenschlag: In der 81. Minute veredelte Friedrich Bayer eine mustergültige Flanke von Filipescu zum 2:1. Da war die Hölle los. Bayer reckte die Faust, Filipescu sank auf die Knie, und irgendwo im Hintergrund fiel ein Plastikbecher gen Himmel.

Danach wurde’s ruppig. Archie Hoskins sah Gelb in der 79. Minute - vermutlich für übermotiviertes Grätschen in der Erinnerung an 1998, als sein Vater im selben Derby vom Platz flog. O’Dea und Clarke sammelten in der Nachspielzeit ebenfalls Gelb, was den Blues-Fans herzlich egal war. Der Schlusspfiff klang wie eine Erlösung.

Coach Costa Brava der Reds zeigte sich danach diplomatisch wie ein Politiker nach einer Wahlniederlage: "Wir hatten die Chancen, aber Fußball ist kein Wunschkonzert." Seine Spieler sahen das ähnlich - allerdings mit weniger Contenance. "Zweimal pennen, zweimal bestraft", knurrte Innenverteidiger Vega, bevor er Richtung Bus stapfte.

Die Statistik spricht eine knappe Sprache: 15 Torschüsse der Reds gegen 10 der Blues, leichtes Ballbesitzplus für die Hausherren, aber eine Zweikampfquote, die beide Trainer zur Weißglut trieb. Der Unterschied lag in den Momenten. Die Blues spielten sicherer, zielstrebiger, als es darauf ankam - "SURE" eben, wie es in der Taktiktafel steht.

So bleibt ein Derby, das alles hatte: Tempo, Emotion, ein paar Kratzer und reichlich Gesprächsstoff für die nächsten Tage. Und während die Blues feierten, rief ein Fan mit Bierbecher in der Hand: "Endlich mal wieder Blau über Rot!" - ein Satz, der in Waterford wohl noch lange nachhallen wird.

Kurz gesagt: Die Reds führten, die Blues kämpften, das Publikum tobte. Und irgendwo in der Nacht wird Theo Brady wohl noch immer lächeln - über jenen Moment in der 73. Minute, als aus Verzweiflung plötzlich Euphorie wurde.

11.10.643996 06:13
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Ich hatte noch nie Streit mit meiner Frau. Bis auf das eine Mal, als sie mit aufs Hochzeitsfoto wollte.
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