Haaretz Sports
+++ Sportzeitung für Israel +++

Blues erleben heisse Nacht - Tirat Carmel zerlegt Tel Aviv mit 4:0

Manchmal erzählt ein Fußballabend Geschichten, die man nur mit einem Augenzwinkern erträgt. 27.000 Zuschauer im Tel Aviv-Stadion wollten am Mittwochabend eigentlich sehen, wie ihre "Blues" gegen Tirat Carmel FC den Anschluss an die obere Tabellenhälfte der 1. Liga Israel halten. Am Ende aber sahen sie eine Lehrstunde in Effizienz - und vier Tore, die sämtlich in das falsche Netz fielen.

0:4 hieß es nach 90 Minuten (0:1 zur Halbzeit) - ein Ergebnis, das auf dem Papier klar ist, in der Realität aber fast surreal wirkte. Denn die Statistik zeigte: Tel Aviv hatte mehr Ballbesitz (fast 56 Prozent), mehr Pässe, sogar zeitweise die bessere Körpersprache. Nur: Tore gab es keine. Stattdessen jubelten die Gäste aus Tirat Carmel gleich viermal - und zwar mit einer Kaltschnäuzigkeit, die jeden Eisschrank neidisch gemacht hätte.

Bereits in der 14. Minute nahm das Unheil seinen Lauf. Linksverteidiger Kacper Wojciechowski, normalerweise mehr für rustikale Grätschen als für filigrane Abschlüsse bekannt, drosch den Ball nach feinem Zuspiel von Bram Sleeper aus gut 20 Metern unter die Latte. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand er nach dem Spiel lachend, "aber dann dachte ich, warum nicht mal zielen." 1:0 - und die Blues schauten sich ungläubig an.

Danach schien Tel Aviv zwar bemüht, aber planlos. Der frühe Torschuss von Noah Brongniart in der ersten Minute blieb das gefährlichste Lebenszeichen für lange Zeit. Trainer Babsi Klemm von Tirat Carmel rieb sich derweil zufrieden die Hände. Ihre Elf spielte mutig, über die Flügel, mit aggressivem Pressing, und wenn mal ein Ball verloren ging, liefen gleich drei Carmel-Spieler hinterher. "Wir wollten ihnen keine Luft lassen", erklärte Klemm später, "und ehrlich gesagt - sie haben sie auch nicht gefunden."

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete: Tirat Carmel drückte, Tel Aviv kombinierte im Kreisverkehr. Zwar wechselte Klemm zur Pause durch - Ansgar Henriksson und Adriano Figo kamen neu - doch das änderte nichts an der Dynamik. Die Gastgeber hielten den Ball, die Gäste hielten das Ergebnis - bis zur 87. Minute.

Dann drehte Carmel noch einmal richtig auf. Isidoro Oliveira, der Mittelstürmer mit dem ewigen Lächeln, verwertete ein kluges Zuspiel von Ivica Jovanovic und schob eiskalt zum 2:0 ein. Kaum hatten die Blues den Anstoß ausgeführt, klingelte es wieder: Rahim Erkin traf nach Vorlage von Rechtsverteidiger Jelle Brill zum 3:0 (90.). Und weil man ja, wenn’s läuft, nicht einfach aufhört, sorgte der eingewechselte Henriksson in der Nachspielzeit (91.) für den finalen Akt des Abends. Erkin, diesmal als Vorbereiter, legte uneigennützig quer - 4:0.

"Das war wie ein Déjà-vu mit steigender Lautstärke", murmelte ein sichtlich gezeichneter Bernardo Ramiro, Torhüter der Blues, nach dem Spiel. "Erst einer, dann zwei, dann dachte ich: jetzt ist’s vorbei - und dann kamen noch zwei."

Tel Aviv hatte zwar mehr vom Ball, aber wenig daraus gemacht. Drei Torschüsse in 90 Minuten - das ist, freundlich formuliert, sparsam. Die Gäste dagegen feuerten aus allen Lagen (15 Torschüsse) und trafen viermal ins Schwarze. So erklären sich auch die Zahlen: Ballbesitz hin oder her, Effektivität schlägt Ästhetik.

Trainer Klemm fasste es gewohnt trocken zusammen: "Wir haben offensiv gespielt, weil wir nicht wussten, wie man defensiv spielt." Ihre Spieler lachten laut, während die Blues bedröppelt in den Kabinengang trotteten.

Ein älterer Fan auf der Tribüne brachte es noch vor Abpfiff auf den Punkt: "Die Blues spielen wie meine Waschmaschine - viel Bewegung, aber kein Ergebnis."

Am Ende blieb den Gastgebern nur der Applaus der eigenen Fans, die trotz des Debakels ihre Mannschaft aufmunterten. "Wir waren heute einfach nicht wach genug", meinte Kapitän Larry Schaffer, "vielleicht hätten wir vor dem Spiel weniger Videokonferenz und mehr Warmmachen gebraucht."

So endet ein Abend, der für Tirat Carmel zum Triumph und für Tel Aviv zum Albtraum wurde. 0:4, klare Sache, kein Zufall. Die Gäste nehmen drei Punkte und ein breites Grinsen mit nach Hause, während die Blues noch lange über die Frage nachdenken dürften, wie man mit 56 Prozent Ballbesitz so wenig anfangen kann.

Oder, wie es Babsi Klemm später im Bus angeblich den Spielern zurief: "Wenn man schon blau sieht, dann bitte vom Feiern - nicht vom Frust."

29.04.644000 13:17
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Mir ist ein Felsen vom Körper gefallen.
Rainer Calmund
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager