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Ein Halbfinal-Abend, wie ihn die 59.000 Zuschauer im Quebec-Stadion so schnell nicht vergessen werden: Die heimischen Quebec Blues begannen mit Feuer, endeten aber in Frust - und Academia Lima zog mit kühlem Kopf, präzisen Pässen und südamerikanischer Leichtigkeit ins Finale der Amerikaliga ein. Das 1:3 (1:2) war verdient, auch wenn Trainer Gerd Fröbe später trotzig meinte: "Wir haben es ihnen zu leicht gemacht. Aber wenn man 41 Prozent Ballbesitz hat, muss man wenigstens so tun, als wollte man ihn behalten." Dabei begann alles so verheißungsvoll. Schon in der 20. Minute schickte der junge David Grantham einen Steilpass durch die Gasse, und Giacomo Fabbri, der italienische Stürmer mit dem Hang zur Dramatik, vollendete trocken. 1:0 - und das Stadion bebte. Fabbri riss die Arme hoch, Grantham grinste, als hätte er gerade den Lottojackpot geknackt. "Ich hab nur gehofft, dass Giacomo diesmal nicht abdreht und querlegt", witzelte Grantham später. Doch die Freude hielt exakt zwei Minuten. Limas Ivan Anicic, ein Mittelfeldstratege der alten Schule, nagelte den Ball aus 20 Metern unter die Latte. Vorlage: der auffällige Flügelmann Jukka Hietanen, der auf der rechten Seite wirbelte, als habe man ihm Espresso intravenös verabreicht. 1:1 - und plötzlich war das Spiel ein anderes: Quebecs Offensive verlor die Ordnung, Lima übernahm die Kontrolle. In der 29. Minute dann der Schock für die Blues: Nach einer Ecke stieg Innenverteidiger Jeno Egressy hoch, wuchtete den Ball per Kopf ins Netz - und grinste dabei so breit, dass man fast Mitleid bekam. 1:2, und Gerd Fröbe warf seine Wasserflasche zu Boden. "Standardabwehr, das Wort sollte man bei uns mal buchstabieren lassen", knurrte er nach Abpfiff. Bis zur Pause versuchten die Blues, sich zurück ins Spiel zu kombinieren. Iker Barreda prüfte Limas Keeper Eric Brun mit einem Distanzschuss (41.), doch mehr sprang nicht heraus. Die Statistik zur Halbzeit: 10:7 Torschüsse für die Blues, 1:2 Tore - das nannte man früher "unglückliche Effizienz". Nach der Pause wurde das Spiel hitziger. Lima blieb taktisch ausgewogen, während Quebec nun alles nach vorn warf. "Offensiv? Das war Harakiri mit Ball", grinste ein Akademia-Fan auf der Tribüne. In der 51. Minute bestrafte Hietanen das waghalsige Pressing der Blues: Nach einem feinen Doppelpass mit Rechtsverteidiger Manuel de Gogorza schob er cool zum 1:3 ein. Stille im Stadion - und Kahn, Limas Trainer, jubelte mit geballter Faust: "Wir wollten sie laufen lassen, bis sie müde lächeln. Hat geklappt." Danach war das Spiel im Grunde entschieden. Quebec rannte, Lima kontrollierte. Ein paar Fernschüsse von Fabbri (74., 79., 85.) sorgten für kosmetische Unterhaltung, aber nicht für Hoffnung. Als dann auch noch Verteidiger Dominique Whitman in der 69. Minute verletzt raus musste, war die Luft endgültig raus. Fröbe brachte Milan Ivic und Dieter Betz, doch die Wechsel verpufften wie lauwarme Cola. In der Schlussphase schickte Lima noch einmal Galindo und Meireles auf die Reise, doch Torwart Martin Gontan verhinderte Schlimmeres. Der Rest war Schaulaufen. 58,7 Prozent Ballbesitz für Lima, 11:10 Torschüsse - nüchterne Zahlen, die den spielerischen Unterschied nur andeuten. Nach dem Schlusspfiff klatschten die Blues-Fans trotzdem tapfer Beifall. Quebec hatte gekämpft, aber eben auch gezeigt, warum man nur selten Halbfinals gewinnt. "Wir waren zu lieb", sagte Kapitän Williamson, "und Fußball ist kein Kindergeburtstag." Auf der anderen Seite stimmte Academia Lima ihren Jubel an, Olli Kahn stand mit verschränkten Armen daneben und murmelte: "Finale ist kein Ziel, das ist Pflicht." Ein Abend zwischen Tragödie und Tanz, zwischen nordamerikanischer Leidenschaft und lateinamerikanischem Pragmatismus. Die Quebec Blues verabschieden sich mit erhobenem Kopf, aber hängenden Schultern. Und Academia Lima? Sie fliegt weiter - mit der Präzision eines Passes von Anicic und der Leichtigkeit eines Sommerwinds. Schlusswort? Wenn man 59.000 Fans enttäuscht, sollte man wenigstens stilvoll verlieren. Und das, das konnten die Blues an diesem Abend perfekt. 14.06.644000 18:42 |
Sprücheklopfer
Wir sind an ein Limit gekommen, wo es im Moment nicht drüber geht.
Andreas Möller