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Wenn der Lago Maggiore an einem warmen Maiabend friedlich daliegt und die Sonne gerade über den Bergen verschwindet, wünscht man sich eigentlich ein Glas Merlot und Ruhe. Doch im Stadio Comunale von Ascona war am Mittwochabend wenig von Ruhe zu spüren - 5000 Zuschauer sahen den FC Ascona gegen den SC Saviese kämpfen, rutschen, rufen und letztlich knapp mit 1:2 unterliegen. Dabei begann der Abend für die Hausherren denkbar schlecht - und für die Gäste geradezu märchenhaft. Schon in der dritten Minute stand es 0:1: Luca Blum, Savièses quirliger Linksaußen, nahm einen präzisen Pass von Pascal Moritz auf, drehte sich einmal um die eigene Achse und hämmerte den Ball so trocken ins Netz, dass Asconas Torwart Herbert Hein nur resigniert die Handschuhe abklatschte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Hein später mit einem gequälten Lächeln. Ascona wirkte danach zwar nicht geschockt, aber auch nicht wirklich wach. Die Gastgeber hatten mit über 53 Prozent zwar mehr Ballbesitz, wussten damit aber zunächst wenig anzufangen. Der Ball lief hübsch in der eigenen Hälfte, gefährlich wurde es selten. Ganz anders Saviese: immer wieder schnörkellos nach vorne, meist über die Flügel, wo Blum und Hirsch ihre Gegenspieler wie Slalomstangen behandelten. In der 31. Minute kam dann der zweite Stich: Bernt Hirsch, der bullige Rechtsaußen, drückte eine butterweiche Flanke von Paul Kuehn per Kopf über die Linie - 0:2. Die Fans von Saviese, rund fünfzig an der Zahl, sangen sich in Ekstase, während Asconas Trainer - man stelle sich das Bild ruhig vor - mit verschränkten Armen an der Seitenlinie kaute, als hätte ihm jemand die Zitronen in den Tee geschnitten. "Wir haben in der ersten Halbzeit einfach zu brav gespielt", gab er nach dem Spiel zu. "Saviese hat das clever gemacht, die haben uns zwei Mal eiskalt erwischt." Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. Ascona spielte endlich, als hätte man bemerkt, dass Fußball kein Schönwetter-Spaziergang ist. Die Pässe kamen schneller, die Flanken schärfer, und in der 70. Minute fiel dann der verdiente Anschluss: Der rechte Verteidiger Erik Rausch (!) stürmte über seine Seite nach vorne, bekam den Ball vom unermüdlichen Walther Schöne serviert - und traf mit einem satten Schuss ins lange Eck. 1:2, und plötzlich bebte das Stadion wieder. "Ich bin halt ein Offensivverteidiger", grinste Rausch nach dem Abpfiff. "Wenn ich schon mal vorne bin, will ich auch was zu erzählen haben." In den letzten zwanzig Minuten drängte Ascona mit Macht auf den Ausgleich. Elf ihrer insgesamt 13 Torschüsse kamen in der zweiten Halbzeit, während Saviese sich auf Konter beschränkte. Gleich zwei Mal rettete Gäste-Keeper Stefan Eisenhoffer spektakulär - einmal mit den Fingerspitzen, einmal mit dem Knie, das fortan den Spitznamen "die Wand von Wallis" trägt, wie ein Fan lachend bemerkte. Saviese hielt dagegen, manchmal mit Glück, manchmal mit Gelb: Valentin Pederson sah in der 72. Minute zu Recht die Karte, nachdem er Jerome Cloutier an der Strafraumgrenze umgesenst hatte, als wolle er ihn an den Lago schicken. Doch Ascona nutzte die Freistöße nicht, und auch die letzte Großchance in der Nachspielzeit - Roger Erdmanns Schuss aus 18 Metern - zischte knapp über die Latte. "Wir hätten noch eine Stunde weiterspielen können", meinte Asconas Mittelfeldmotor Schöne nachdenklich, "aber der Ball wollte heute einfach nicht rein." Saviese dagegen jubelte ausgelassen. Trainer und Spieler tanzten kurz vor der Kurve, und Blum - der Mann des Abends - wurde von seinen Mitspielern beinahe in den Lago getragen. "Ein Arbeitssieg", nannte es Trainer Pederson nüchtern, "aber schöner kann Arbeit kaum sein." Am Ende stehen zwei Teams, die sich in den Statistiken fast nichts schenken: je 13 Torschüsse, eine nahezu ausgeglichene Zweikampfquote, doch eben zwei Tore für Saviese und nur eines für Ascona. Manchmal ist Fußball eben kein Matheunterricht - sondern reine Poesie mit unlogischem Ausgang. Und während die Lichter im Stadion erloschen und die Zuschauer mit einem letzten Seufzen den Abend ausklingen ließen, blieb der Gedanke: Ascona hat verloren, aber Stil bewiesen. Und Saviese? Die fahren mit drei Punkten heim - und vermutlich einem Sonnenbrand vom Feiern. 10.05.644000 10:42 |
Sprücheklopfer
Die Kroaten sollen ja auf alles treten, was sich bewegt - da hat unser Mittelfeld ja nichts zu befürchten.
Berti Vogts vor dem WM-Spiel gegen Kroatien