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Wenn Fußball ein Theaterstück wäre, dann schrieben die Bohemios Montevideo an diesem 23. Spieltag der 1. Liga Uruguay eine Komödie mit leicht tragischen Untertönen - zumindest für CD Cerrense. Vor 27.000 Zuschauern im ausverkauften Estadio Bohemio zeigten die Hausherren, dass sie nicht nur Ballbesitz (53,5 %) können, sondern auch Effizienz: 16 Torschüsse, vier Treffer, und eine Menge guter Laune auf den Rängen. Schon in der sechsten Minute zappelte das Netz zum ersten Mal. Amaury Cabrera, der flinke Rechtsaußen, drosch nach feiner Vorarbeit von Carlos Varela den Ball in den Winkel - so trocken, dass man fast das Echo aus der Kabine hörte. "Ich hab einfach draufgehauen. Wenn man denkt, man hat Zeit, ist es schon zu spät", grinste Cabrera später, während er sich ein Handtuch über die Schulter warf. Cerrense kam eigentlich gar nicht so schlecht in die Partie, störte früh, suchte über die Flügel nach Lücken. Aber was nützt aggressives Pressing (laut Statistik auf "STRONG" gestellt), wenn der Gegner die Ruhe selbst bleibt? Trainer Leahcim Gnipeur schrie sich schon nach 20 Minuten heiser, als Kay Schäfer und Joao Mendes gleich mehrfach am glänzend aufgelegten Bohemios-Keeper Marco Montanes scheiterten. "Wir haben alles versucht. Sogar Flanken aus dem Bus heraus wären heute abgefangen worden", seufzte Gnipeur nach der Partie. Zur Pause stand es 1:0, und man ahnte: Cerrense lebt noch. Doch dann kam die 55. Minute - und mit ihr Nuno Postiga, der links startete, rechts abschloss und den Ball nach feinem Zuspiel von Fabio Lomban zum 2:0 einschweißte. Lomban, der kurz darauf Gelb sah, grinste trocken: "Wenn ich’s nicht mit Pässen mache, helf ich halt mit der Grätsche." Fünf Minuten später keimte Hoffnung bei den Gästen auf: Adrian Tonel nutzte eine der wenigen Lücken in der Bohemios-Abwehr, nachdem Hugo Pacos clever quergelegt hatte - 2:1, und plötzlich war das Spiel wieder offen. Für exakt 14 Minuten. Dann schlug Noe Cunha zu, als wolle er jeden Zweifel persönlich aus der Luft treten. Erst traf er in der 74. Minute nach Vorarbeit von Gyula Sas, dann fünf Minuten später noch einmal - diesmal auf Vorlage des omnipräsenten Carlos Varela. 4:1, Deckel drauf, Montevideo tanzte Samba. Die Zahlen sprachen am Ende eine klare Sprache: 16:12 Torschüsse, 53 % Ballbesitz, 51,6 % gewonnene Zweikämpfe - und das Gefühl, dass Bohemios an diesem Abend einfach eine Klasse besser war. Cerrense spielte mit Herz, aber ohne Fortune. Zwei Gelbe Karten (MacPhee 35., Sainz 83.) und eine ordentliche Portion Frust waren die bescheidenen Souvenirs für die Rückfahrt. Nach dem Spiel scherzte Cabrera im Kabinengang noch mit Cunha: "Ich wollte eigentlich den Hattrick. Aber Noe hat mir einfach die Show gestohlen." Cunha lachte und konterte: "Ich kann dir gern beim nächsten Mal einen Assist schenken - aber nur, wenn’s 3:0 steht." Trainer Gnipeur hingegen wirkte weniger heiter. "Wir müssen lernen, dass Einsatz nicht gleich Kontrolle bedeutet. Wir haben stark begonnen, aber danach nur noch reagiert." Sein Gegenüber - nennen wir ihn, wie es die Fans tun, schlicht "El Profesor" - blieb gelassen: "Wir haben ruhig gespielt, den Ball laufen lassen. Vielleicht war das das Geheimnis: Wir haben einfach nicht aufgehört, an unser Spiel zu glauben." Als die Sonne über Montevideo versank, summte das Stadion längst. Kinder liefen noch barfuß über den Rasen, und ein älterer Fan rief vom Zaun: "So spielt man Fußball, chicos!" Es klang wie ein Segen - oder eine Drohung an die nächsten Gegner. Und wer weiß: Wenn Bohemios Montevideo weiter so auftritt, wird die Liga bald nicht mehr fragen, ob sie Meister werden - sondern nur noch, wann. Denn manchmal ist Fußball eben einfach: ein bisschen Cabrera, ein bisschen Cunha - und ganz viel Bohemios. 11.10.643996 08:44 |
Sprücheklopfer
Der Trainer hat gesagt, wir sollen uns am Gegner festbeißen. Das habe ich versucht zu beherzigen.
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