Gazeta Sportowy
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Boniek glänzt doppelt - Jarota Jarocin tanzt BKS Gdansk schwindelig

Ein lauer Sommerabend, 25.365 Zuschauer, Flutlicht über Jarocin - und ein 18-jähriger Jungspund, der einen gestandenen Gegner zur Nebensache machte. Jarota Jarocin schlägt am 13. Spieltag der 1. Liga Polen das Team von BKS Gdansk mit 2:0 (1:0). Der Held des Abends: Matti Boniek, kaum volljährig und doch schon mit der Coolness eines alten Hasen.

"Ich hab einfach draufgehalten", grinste Boniek, als er nach Abpfiff mit zerzaustem Haar und einem Grashalm im Trikot vor den Kameras stand. "Miguel hat mich gesehen, perfekt in den Lauf gespielt - dann musste ich nur noch das Tor treffen." Es war die 42. Minute, als Miguel Galindo, der Mann mit dem spanischen Pass und der polnischen Seele, den Ball butterweich in den Strafraum chippte. Boniek nahm ihn direkt, halb Volley, halb Instinkt - und der Ball zappelte im Netz.

Bis dahin war Jarocin längst die dominierende Mannschaft. 62,9 Prozent Ballbesitz, 16 Torschüsse - das war keine Statistik, das war eine Belagerung. Gdansk dagegen? Drei Schüsse aufs Tor, ansonsten viel Staub in der eigenen Hälfte. Trainer Mike Matt stand stoisch an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, als wolle er dort nach Ideen graben.

"Wir haben gewusst, dass Jarota offensiv kommt", erklärte er später mit einem Achselzucken. "Aber wir wollten kompakt bleiben. Leider hat das Kompakte irgendwann auch das Kreative erstickt."

Ein Satz, der den Abend ganz gut zusammenfasst. Denn während Jarocin nach vorn wirbelte - Boniek links, Yeates rechts, Özdenak zentral - wirkte Gdansk wie ein Team, das den Bus parken wollte, aber den Führerschein vergessen hatte. Lukas Hawrylewicz kassierte nach 36 Minuten Gelb, weil er den jungen Boniek stoppte, als wäre er ein Expresszug ohne Bremse.

Kurz nach der Pause wechselte Matt gleich dreimal: Neuer Torwart (Logan Poe für Jerzy Bak), frische Beine im Mittelfeld (Wladimir Jelen kam), und vorne Arthur Kajrys. Es half wenig. Jarocin blieb am Drücker, spielte kontrolliert, fast verspielt - und dann kam die 70. Minute.

Andrzej Fojut, der Linksfuß mit der Präzision eines Uhrmachers, flankt aus vollem Lauf. Boniek läuft, springt, köpft - 2:0. Ein Bilderbuchtor, das Stadion explodierte. Trainer Henryk Kasperczak ballte die Faust, als hätte er gerade persönlich den Siegtreffer erzielt. "Ich sag’s euch, der Junge hat keine Angst. Nicht vor Gegnern, nicht vor Verantwortung - höchstens vor Mathearbeiten", witzelte der 70-Jährige später im Interview.

Gdansk versuchte es noch einmal halbherzig. Majorow zog in der 73. Minute an, dann blieb er liegen - Muskelverletzung. Ausgerechnet der kämpferischste Spieler der Gäste musste raus. Als ob das Spiel sich endgültig entschieden hätte, legte Jarocin den Ball in den eigenen Reihen hin und her, als wäre es ein Trainingsspiel.

In der 91. Minute sah Jakub Nawalka noch Gelb - offenbar aus Langeweile, weil sonst nichts mehr passierte. Der Schiedsrichter pfiff kurz darauf ab, und die Fans sangen, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen.

Statistisch war’s ein Klassenunterschied: 62,9 Prozent Ballbesitz zu 37,1, Zweikampfquote 56 zu 44, Torschüsse 16 zu 3. Jarocin war in jeder Hinsicht überlegen, aber es war nicht nur die Zahlendominanz - es war die Leichtigkeit, mit der sie spielten.

"Ich hab gesagt, spielt mutig, aber mit Spaß", verriet Kasperczak. "Und wenn sie dann so lachen beim Pressing, dann weiß ich: Es läuft."

Und Boniek? Der wurde noch auf dem Platz zum Publikumsliebling. Kinder hielten Schilder hoch: "Matti, unser Wunderkind!" Er winkte, schien fast verlegen. "Ich bin einfach froh, dass der Ball rein ist", sagte er. "Zweimal sogar. Das ist schon verrückt."

Verrückt war auch, wie ruhig Jarocin danach blieb. Kein übertriebenes Jubeln, eher ein zufriedenes Schulterklopfen. Das Team weiß, dass an diesem Abend mehr als nur drei Punkte gewonnen wurden - es war ein Statement.

BKS Gdansk dagegen wird sich fragen, ob man mit einer so passiven Taktik noch etwas reißen kann. "Wir müssen lernen, mutiger zu sein", gab Trainer Matt zu. "Sonst schauen wir wieder nur zu, wie andere feiern."

Am Ende verließ das Publikum das Stadion mit einem Lächeln. Die Sonne war längst hinter dem Horizont verschwunden, aber der Glanz dieses Spiels blieb.

Vielleicht war’s nur ein 2:0 - aber für Jarota Jarocin fühlte es sich an wie der Beginn von etwas Größerem. Und irgendwo in der Kabine summte Matti Boniek leise vor sich hin. Vielleicht ein Lied. Vielleicht einfach das Geräusch eines Jungen, der gerade zum Mann geworden ist.

18.03.644003 13:11
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Wenn ich heute fünf Talente einbaue und mehrere Spiele hintereinander verliere, dann lassen die Leute an den Blumen, die sie mir zuwerfen, plötzlich die Töpfe dran.
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