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Ein lauer Maiabend, 45.989 Zuschauer im Sportpark Bonn und ein Spiel, das alles hatte, was der neutrale Fan liebt - und der Bonner Anhang hasst: Tore, Karten, Dramatik und am Ende das bittere Gefühl, viel investiert und doch verloren zu haben. Der Bonner SC unter Trainer Lukas Teuber unterlag am 16. Spieltag der 1. Liga Deutschland dem VfL Osnabrück mit 2:3 (0:2). Die Partie begann, wie sie für die Hausherren nicht beginnen sollte: mit einem frühen Warnschuss der Gäste. In der 18. Minute trat Osnabrücks Benjamin Heuer auf dem rechten Flügel an, ließ den Bonner Linksverteidiger Vincent Ludvigsen alt aussehen und traf abgeklärt ins lange Eck - 0:1. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Heuer nach dem Spiel. Ein Satz, der die Bonner Innenverteidigung vermutlich die ganze Woche in den Ohren klingen wird. Doch es kam noch schlimmer. Kurz vor der Pause, in der 39. Minute, legte Torsten Reiter nach - und das nach Vorarbeit von, man ahnt es, Innenverteidiger Dirk Mai. Der hatte offenbar beschlossen, dass er heute lieber mitspielen als nur verteidigen wolle. "Ich hab den Ball einfach durchgesteckt, das war gar nicht so geplant", gab Mai später zu. 0:2 - und die Bonner Fans rieben sich die Augen. Trainer Teuber reagierte in der Halbzeit doppelt: Ludvigsen und McLeod mussten gehen, Morais und Prinsloo kamen. Wer aber dachte, das Spiel sei gelaufen, unterschätzte den Bonner Trotz. Nach Wiederanpfiff legten die Hausherren los wie ein Feuerwerk am Rheinufer. In der 49. Minute belohnte sich Michel Eliezer für eine starke Leistung. Nach Zuspiel von Amaury Costinha drosch er den Ball unhaltbar unter die Latte. Das Stadion bebte. "Da war kurz Gänsehaut, auch bei mir auf der Bank", gestand Teuber. Doch noch bevor die Bonner richtig Hoffnung schöpfen konnten, stach Osnabrück erneut zu. Wieder war es Reiter, der in der 57. Minute traf - diesmal nach energischem Einsatz von Patrik Voss. 1:3, und man sah Teuber an, wie er innerlich die Taktiktafel zerknüllte. Dann die Szene, die den Abend endgültig in Richtung Drama kippen ließ: Bonns Rechtsverteidiger Savo Nad, schon in der 56. Minute verwarnt, griff erneut zu rustikal zu - Gelb-Rot in der 63. Minute. "Ich hab nur den Ball gesehen", beteuerte er später, während sein Trainer mit versteinertem Blick danebenstand. Bonner SC also in Unterzahl, aber noch lange nicht geschlagen. Denn in der 67. Minute kam der Moment des Claude Amyot. Nach einer feinen Kombination über links und erneut mustergültiger Vorlage von Costinha traf der Franzose zum 2:3. Plötzlich war alles wieder offen. Die Bonner Fans schrien, als wäre der Ausgleich schon gefallen. Und tatsächlich drängten die Gastgeber weiter. 14 Abschlüsse, 53,6 Prozent Ballbesitz - die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Osnabrück, das nur acht Schüsse aufs Tor brachte, rettete sich mit Glück, Geschick und einem starken Karl Wagner zwischen den Pfosten über die Zeit. "Ich wusste gar nicht, dass ich so viele Bälle halten kann", witzelte der junge Torhüter nach Schlusspfiff - und grinste in Richtung der Bonner Kurve, die das weniger komisch fand. Taktisch setzten beide Teams auf Offensive, doch während Osnabrück mit langen Bällen und bulligem Einsatz zum Erfolg kam, versuchte Bonn sein Glück über die Flügel. Besonders Costinha war ein Motor im Mittelfeld, dirigierte, kämpfte, passte - und wurde am Ende trotzdem mit leeren Händen dagelassen. "Wenn du nach 0:2 zurückkommst, in Unterzahl auf 2:3 ranrückst und dann noch zwei Riesenchancen liegen lässt, dann ist das schon bitter", sagte Teuber nach dem Spiel. Sein Gegenüber Carsten Baumann wirkte da etwas entspannter: "Wir haben’s hinten raus clever gespielt. Und auch ein bisschen Glück gehabt - aber das gehört dazu." Am Ende blieb den Bonnern nur der Applaus der eigenen Fans, der trotz der Niederlage laut und ehrlich klang. Vielleicht, weil sie wussten: So kämpft ein Team, das lebt. Und vielleicht auch, weil man gegen einen Gegner wie Osnabrück eben manchmal einfach Pech hat - oder, wie es ein älterer Fan auf der Tribüne zusammenfasste: "Schöne Tore, falsche Richtung." Ein Spiel, das man in Bonn noch lange diskutieren wird - mit einem Bier in der Hand, einem Kopfschütteln und dem Gefühl, dass an diesem Abend mehr drin war als nur ein Achtungserfolg. 01.12.643999 07:05 |
Sprücheklopfer
Wer in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich dabei nicht den Knöchel bricht, dem gebe ich einen aus.
Christoph Daum