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Manchmal hat Fußball etwas von einem Rockkonzert: Laut, emotional, ein bisschen chaotisch - und am Ende sind alle verschwitzt und glücklich. Beim 3:2-Sieg des Bornaer SV gegen TuS Hordel am 7. Spieltag der 2. Liga Deutschland war das nicht anders. 27.835 Zuschauer erlebten im prall gefüllten Stadion eine Partie, die in ihrer Dramaturgie jedem Drehbuchautor Tränen der Rührung in die Augen getrieben hätte. Der Auftakt? Ein Feuerwerk. Schon in der 7. Minute ließ Cameron Reid die Tribüne beben. Der rechte Mittelfeldmann des BSV zimmerte nach feinem Zuspiel von Yochanan Itzhaki den Ball ins rechte Eck - 1:0. Trainer Wer Ninho klatschte an der Seitenlinie so wild, dass selbst der vierte Offizielle einen Schritt zurückwich. "Das war genau der Start, den wir wollten", grinste Ninho später, "auch wenn ich mir danach ein bisschen die Hand wehgetan habe." Doch Hordel wäre nicht Hordel, wenn sie nicht sofort zurückgebissen hätten. In Minute 14 fand Marwin Rodriguez mit einem hohen Ball den startenden Ernst Kunkel, der eiskalt zum 1:1 einschob. Gästecoach Ute Finkeldy ballte die Faust, während ihr Kapitän Tiago Valente brüllte: "Jetzt sind wir im Spiel, Jungs!" Aber Borna ließ sich nicht beirren. Giovanni Sosti, der italienischste Mittelfeldmotor östlich von Leipzig, zog in der 28. Minute aus 20 Metern ab - 2:1. Wieder hatte Itzhaki den entscheidenden Pass gespielt, und diesmal grinste er breit in Richtung der Haupttribüne, als wolle er sagen: "Ich hab’s euch doch gesagt." Nur vier Minuten später legte Javier Galisteo nach - 3:1! Vorlage: Linksverteidiger Marwin Weise, der nach dem Spiel lachend meinte: "Ich wollte eigentlich flanken, aber wenn’s zum Assist wird, beschwer ich mich nicht." Das Stadion tobte, die Fans sangen, und der BSV spielte wie im Rausch. TuS Hordel wirkte in dieser Phase wie ein Boxer, der nach drei Schlägen noch versucht, die Handschuhe richtig zu schnüren. Zur Pause führte Borna komfortabel, und die Statistik sprach Bände: 51,7 Prozent Ballbesitz, 6:4 Torschüsse - ein knappes, aber verdientes Übergewicht. Doch Finkeldy ist bekanntlich kein Fan von Aufgabe. In der Kabine soll sie laut geworden sein. "Ich hab ihnen gesagt, wenn sie schon verlieren wollen, dann wenigstens mit Würde. Und siehe da - sie haben’s gehört." In der 64. Minute war es wieder Kunkel, der das Spiel spannend machte. Nach feiner Vorarbeit von Vincent Albinana traf der linke Flitzer zum 3:2-Anschlusstreffer. Plötzlich kippte die Stimmung. Hordel roch Morgenluft, und Borna wackelte kurz wie ein sturmumtostes Gartenhäuschen. "Da ist uns kurz das Herz in die Hose gerutscht", gestand BSV-Torwart Francisco Sa Pint später. "Aber es war eng da unten, also haben wir’s gleich wieder hochgezogen." Die letzten 20 Minuten wurden zum Nervenkrieg. Gelbe Karten flogen - Miroslav Kopic (10.), Rolando Longo (78.) und Isaac Kenny (84.) sahen jeweils Gelb für Borna, während Hordel mit langen Bällen und wütenden Angriffen um den Ausgleich rang. Die Schlussphase glich einem Abwehrkampf aus einem alten Western: Jeder Schuss, jeder Zweikampf konnte das Schicksal besiegeln. In der 87. Minute prüfte Kunkel erneut Sa Pint, doch der Keeper fischte den Ball mit einer Flugeinlage aus dem Eck, die selbst Bruce Lee Respekt abgerungen hätte. Als Schiedsrichterin Anna Gerber nach 94 Minuten abpfiff, lagen sich Spieler und Fans des BSV in den Armen. "Das war purer Willen", jubelte Trainer Ninho. "Wir haben offensiv gespielt, stark gepresst, und am Ende zählt nur: drei Punkte, drei Tore, drei Bier danach." Hordel-Coach Finkeldy nahm die Niederlage sportlich: "Wir haben’s ihnen nicht leicht gemacht. Zwei Tore auswärts, das ist okay - aber wir müssen lernen, dass 45 gute Minuten nicht reichen." Die Zahlen bestätigen das Drama: 9:8 Torschüsse, fast ausgeglichener Ballbesitz, Zweikampfquote 50,1 zu 49,8 Prozent. Es war ein Duell auf Augenhöhe - mit dem glücklicheren Ende für die Gastgeber. Und während die Flutlichter erloschen und die letzten Fans ihr Bier austranken, stand Ninho noch auf dem Rasen, grinste und sagte zu seinem Co-Trainer: "Wenn wir so weitermachen, brauchen wir bald doppelt so viele Sitzplätze." Der Bornaer SV bleibt also nicht nur sportlich, sondern auch atmosphärisch ein Erlebnis - und TuS Hordel fährt heim mit dem Gefühl, ein gutes Spiel verloren zu haben. Fußball kann grausam sein - aber selten so unterhaltsam. 07.01.644003 10:05 |
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Die biologische Uhr tickt und geht auch an mir nicht vorbei.
Lothar Matthäus