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Bornaer SV verschenkt Sieg - Hordel kontert spät zum 1:1

Es war einer dieser Abende, an denen der Fußballgott offenbar Spaß daran hatte, beide Trainer gleichzeitig in den Wahnsinn zu treiben. Vor 24.458 Zuschauern im Bornaer Stadion trennte sich der Bornaer SV am Donnerstagabend in der 2. Liga Deutschland mit 1:1 (1:0) vom TuS Hordel - ein Ergebnis, das keiner so recht wollte, aber irgendwie alle verdient hatten.

Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen. Bereits in der sechsten Minute zappelte der Ball im Netz der Gäste. Louis Gramont, der flinke Rechtsaußen der Bornaer, traf nach perfektem Zuspiel von Giovanni Sosti ins linke Eck. "Ich hab einfach mal draufgehalten, weil ich dachte, das wird eh nix - und dann war er drin", grinste Gramont nach Abpfiff. Trainer Wer Ninho hob die Augenbraue: "Wenn meine Spieler anfangen, aus Versehen zu treffen, läuft’s ja."

In der Anfangsphase spielte Borna offensiv, wie es die Taktiktafel versprach: Flügelspiel, volle Aggressivität, Pressing aber lieber nicht - man wollte schließlich nicht zu früh schwitzen. Vincent Varela prüfte den Hordeler Torwart Jacob Montgomery mehrfach, aber der Keeper machte seinem Namen alle Ehre und montierte die Angriffe der Gastgeber ruhig auseinander.

TuS Hordel wirkte zunächst nervös, blieb seinem Konterstil aber treu. Ernst Kunkel und Tim Pfeiffer setzten erste Nadelstiche, doch der letzte Pass landete häufiger im Aus als beim Mitspieler. Als Detlev Foerster in der 40. Minute Gelb sah, brüllte seine Trainerin Ute Finkeldy von der Seitenlinie: "Detlev, das war der Ball, nicht der Gegner!" - Foerster nickte einsichtig, um sich dann 31 Minuten später die Gelb-Rote Karte abzuholen. Konsequenz ist eben auch eine Tugend.

Nach dem Seitenwechsel drehte Hordel auf. Günther Pfeiffer, gerade einmal 20, zog in der 55. Minute aus der zweiten Reihe ab. Der Ball flatterte, Torwart Michel Moreno streckte sich vergeblich - 1:1. Vincent Albinana hatte zuvor clever abgelegt, und plötzlich roch alles nach Ausgleich. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Pfeiffer später lachend, "aber wenn’s so reingeht, nehm ich’s."

Borna reagierte prompt mit einem Doppelwechsel: Besson und Sosti raus, Itzhaki und Jadin rein. Doch anstatt neuen Schwung brachte das Wechselduo vor allem Unruhe. Jadin kassierte in der 90. Minute noch eine Verletzung - sinnbildlich für den Abend der Gastgeber.

Die Schlussviertelstunde gehörte dann wieder Hordel, obwohl sie da schon in Unterzahl waren. Günther Pfeiffer schoss aus allen Lagen, Marvin Fink prüfte Moreno in der 60. Minute mit einem Strahl aus 20 Metern, und Ernst Kunkel verzog in der 89. knapp. "Ich dachte, der geht rein - aber anscheinend hatte das Tor was dagegen", meinte Kunkel mit einem Grinsen.

Borna hatte zwar neun Torschüsse, Hordel vierzehn - und auch beim Ballbesitz lag das Team von Ute Finkeldy vorne (54 zu 46 Prozent). Trotzdem schimpfte die Trainerin nach Spielende: "Wir hätten das Ding gewinnen müssen. Nach der roten Karte haben meine Jungs plötzlich entdeckt, dass Laufen hilft." Ihr Gegenüber Wer Ninho sah’s gelassener: "Ein Punkt ist besser als keiner. Und immerhin hat keiner meiner Spieler den Schiri beleidigt, das ist Fortschritt."

In taktischer Hinsicht blieb Borna offensiv, griff über die Flügel an, während Hordel lange Bälle in die Spitze drosch, als gäbe es Extrapunkte für Flugweite. Dass sie am Ende den Ausgleich erzielten, lag weniger an feiner Technik als an jugendlichem Mut - und vielleicht auch an Morenos etwas flatternden Nerven.

Die Fans verabschiedeten ihre Helden dennoch mit Applaus. "War ein ehrliches Spiel", meinte ein älterer Zuschauer auf der Tribüne, "nur die Tore hätten ehrlicher verteilt sein können."

So bleibt der Bornaer SV mittendrin im Tabellenmittelfeld, während TuS Hordel mit dem Punkt zufrieden die Heimreise antreten kann - zumindest bis zur Videoanalyse. Denn dort wird Trainerin Finkeldy wohl wiederholt fragen: "Wer sagt den Jungs eigentlich, dass Gelb plus Gelb nicht Gold ist?"

Ein Abend voller Einsatz, Emotionen und leichter Verzweiflung - kurz: Fußball, wie man ihn liebt. Und wer genau hinsah, konnte sogar erkennen, dass ein 1:1 manchmal gerechter ist als jedes 3:2.

17.07.643993 02:30
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Ich mache immer das, was mir gesagt wird. Das habe ich im Osten gelernt.
Jens Jeremies
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