Außenseiter
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Borussia Emsdetten dreht das Spiel spät - Weyhe verliert 1:2

Wenn 3333 Zuschauer an einem Dienstagabend in den Sportpark Weyhe pilgern, dann wollen sie Fußball sehen - und sie bekamen Drama, Schweiß und bittere Mienen im Flutlicht. Am Ende jubelte Borussia Emsdetten über einen 2:1-Auswärtssieg, während der SC Weyhe sich fragte, wie man ein Spiel, das man über eine Stunde lang im Griff hatte, noch aus der Hand geben kann.

Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Hausherren. Die Weyher liefen von Beginn an offensiv auf, Coach Müller - mit seiner Kaffeetasse an der Seitenlinie so ruhig wie ein Schachspieler - hatte seine Mannschaft klar eingestellt: Mutig nach vorne, Ball flach halten, Emsdetten unter Druck setzen. Und das klappte zunächst wunderbar. In der 22. Minute belohnte sich der SC: Felix Stein, der rechte Mittelfeldspieler mit der Flankenpräzision eines Uhrmachers, nahm einen Pass von Pierre LaClaire auf und schlenzte den Ball überlegt ins lange Eck. 1:0 - das Stadion vibrierte, die Fans sangen, und Torhüter Christopher Hildebrandt klatschte noch auf der Mittellinie begeistert Beifall.

Emsdetten dagegen wirkte zunächst fahrig. Trainer Nico Wolf, sonst eher die Ruhe selbst, gestikulierte wild an der Seitenlinie. "Wir spielen hier nicht Hallenfußball!", soll er in der 30. Minute gerufen haben, als seine Abwehr den Ball zum dritten Mal quer durch den eigenen Strafraum spielte. Doch langsam kam Borussia besser ins Spiel. 17 Torschüsse am Ende sprechen eine deutliche Sprache - und zeigen, dass Geduld manchmal eben doch belohnt wird.

Ein Knackpunkt war die 21. Minute: Humberto Futre kam für Janis Walther, der sich gleich nach seiner Einwechslung verletzte - ein tragischer Moment, der Emsdettens Rhythmus zunächst störte, aber später ironischerweise zum Schlüssel wurde. Denn genau dieser Futre bereitete beide Gästetore vor.

Nach der Pause verlagerte sich das Spiel zunehmend in die Weyher Hälfte. Borussia hatte mehr Ballbesitz (knapp 59 Prozent), kombinierte geduldig und ließ den Ball laufen, während Weyhe zunehmend auf Konter setzte. Torwart Hildebrandt wurde zum besten Mann seines Teams - und das sagt viel über den Verlauf der zweiten Halbzeit.

In der 69. Minute fiel schließlich der Ausgleich: Dennis Keil, der zuvor schon vier Mal an Hildebrandt gescheitert war, traf nach schönem Zuspiel von eben jenem Futre aus kurzer Distanz. "Endlich!", schrie Keil, "ich dachte schon, der Keeper hat Magnete in den Handschuhen."

Jetzt war es ein anderes Spiel. Weyhe wirkte müde, das Offensivkonzept löste sich sichtbar in Einzelaktionen auf. Trainer Müller brachte in der 90. Minute Cesare Mariani für den angeschlagenen LaClaire - doch es half nichts mehr. Kurz darauf musste LaClaire tatsächlich verletzt raus, während Emsdetten noch einmal alles nach vorne warf.

Dann die 91. Minute. Flanke Futre, Kopfballabwehr misslingt, der Ball fällt Ricardo Quintana vor die Füße. Der 20-Jährige, eben erst eingewechselt, zieht trocken ab - 2:1. Stille im Stadion, Jubel im Gästeblock. "Ich hab einfach draufgehauen", grinste Quintana später, "und gehofft, dass niemand im Weg steht." Stand auch keiner.

Die letzten Sekunden gehörten dann dem kollektiven Frust des SC Weyhe. Binder versuchte es in der Nachspielzeit noch einmal mit einem Verzweiflungsschuss, der irgendwo im Abendhimmel verschwand. Wenig später pfiff der Schiedsrichter ab.

"Wir haben uns das selbst eingebrockt", meinte ein sichtlich enttäuschter Felix Stein nach dem Spiel. "In der ersten Halbzeit war’s unsere Partie. In der zweiten haben wir aufgehört, Fußball zu spielen." Trainer Müller nickte nur und fügte trocken hinzu: "Das nächste Mal trinken wir den Pausentee später."

Emsdettens Coach Wolf zeigte sich dagegen zufrieden: "Wir haben Geduld bewiesen, und Geduld ist etwas, das man in Emsdetten eigentlich nur beim Bäcker lernt."

Statistisch war der Sieg verdient: 17 zu 4 Torschüsse, mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen (56 Prozent). Und doch hätte es auch anders laufen können - wenn Weyhe seine Chancen genutzt hätte.

Am Ende bleibt ein Flutlichtabend mit allen Zutaten, die der Oberliga-Fußball zu bieten hat: frühe Euphorie, späte Ernüchterung und ein Gast, der sich mit stoischer Ruhe den Sieg holt.

Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen seufzte: "Weyhe führt zur Pause, verliert am Ende - das ist kein Fußball, das ist Folklore."

18.04.644000 03:37
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Freundschaften zählen für mich sehr, aber nicht in diesem Geschäft. Ich habe Jürgen Gelsdorf vor die Tür gesetzt, der war sogar mein Trauzeuge.
Rainer Calmund
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