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Ein lauer Maiabend, Flutlicht, 3000 Zuschauer im kleinen Emsdettener Stadion - und am Ende ein Ergebnis, das so knapp ausfiel wie verdient: Borussia Emsdetten besiegte den TSV Wabern mit 1:0 (0:0) am 26. Spieltag der Oberliga E. Es war kein Spiel für Feinschmecker, aber eines für die Statistikfreunde: 18 Torschüsse der Hausherren standen exakt null auf Seiten der Gäste gegenüber. Das nennt man wohl Einbahnstraßenfußball. Von Beginn an war klar, wer hier das Kommando übernahm. Die Borussia schnürte Wabern tief in der eigenen Hälfte ein. Schon in der 2. Minute prüfte Rechtsverteidiger Damiano Paola die Standfestigkeit der Torpfosten - sie hielten. Kurz darauf zirkelte Aad Van Cortlandt, der später zum Helden werden sollte, gleich mehrfach aus der Distanz aufs Tor. Waberns Keeper Linus Hausmann bekam an diesem Abend mehr Bälle zu fassen als ein Jongleur auf dem Jahrmarkt. Trainer Nico Wolf, bekanntermaßen kein Freund schneller Zufriedenheit, brüllte in Minute 20 Richtung Mittelfeld: "Jungs, das Tor steht da vorne, nicht im Mittelkreis!" Seine Mannschaft nahm es sich zu Herzen - zumindest in puncto Spielfreude. Xabi Panero und Vicente Jorge kombinierten sich durch die Zentrale, Humberto Futre wirbelte über links. Nur das Tor wollte einfach nicht fallen. Wabern hingegen schien mit dem 0:0 bestens leben zu können. Ballbesitz? 37 Prozent. Torschüsse? Fehlanzeige. Dafür aber rustikale Verteidigungsarbeit, wie Heinrich Kremer in der 16. Minute an Niels Bauer demonstrierte - Gelb für den Emsdettener, wohl aus Versehen. Der Schiedsrichter hatte offenbar den Blick für die falsche Richtung. Kurz vor der Pause musste Borussia-Trainer Wolf dann improvisieren: Der junge Hugo Semedo verletzte sich am Knöchel und humpelte vom Feld. "Er sagte, er hätte nur einen Krampf, aber der Blick seines Arztes sagte etwas anderes", so Wolf später. Gustav Abelson kam für ihn und brachte neuen Schwung über die linke Seite. Nach der Pause blieb das Bild gleich: Emsdetten drückte, Wabern verteidigte. Die Gäste standen derart tief, dass man fast Mitleid bekam - oder Gähnen, je nach Temperament. Doch dann, in der 71. Minute, passierte das, worauf die Fans so lange gewartet hatten: Humberto Futre wirbelte über links, legte mustergültig quer, und Aad Van Cortlandt drosch den Ball mit dem rechten Fuß kompromisslos ins Netz. 1:0, Stadionexplosion, endlich! "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Van Cortlandt später schelmisch, "aber der Ball hat sich entschieden, selbst Karriere zu machen." Trainer Wolf kommentierte trocken: "Wenn alle Flanken so reingehen, soll er ruhig weiterflanken." Wabern versuchte danach, zaghaft etwas Offensives zu unternehmen - allerdings ohne jede Wirkung. Kein einziger Schuss fand den Weg auf das Tor von Humberto Pauleta, der vermutlich den ruhigsten Abend seiner Saison verbrachte. Stattdessen schwächte sich der TSV in der 84. Minute selbst: Heinrich Kremer, bereits verwarnt, sah nach erneutem Foul Gelb-Rot und verschwand kopfschüttelnd in die Kabine. "Ich wollte nur den Ball spielen", rief er - vermutlich, um den Ball selbst daran zu erinnern. Zum Schluss wurde es noch einmal ruppig, Wabern verteidigte mit zehn Mann, Emsdetten verwaltete souverän. Die Fans sangen, der Schiedsrichter pfiff ab, und Borussia Emsdetten durfte sich über drei Punkte freuen, die so sicher waren wie ein Sonntagmorgen-Kaffee. "Wir hätten das viel früher entscheiden müssen", resümierte Coach Wolf nach dem Spiel. "Aber manchmal ist Fußball eben wie Kochen - am Ende zählt, dass es schmeckt." Und geschmeckt hat’s, zumindest den 3000 Borussen-Anhängern, die ihre Mannschaft mit stehenden Ovationen verabschiedeten. Der TSV Wabern dagegen fuhr mit gesenkten Köpfen nach Hause. Trainerkommentare? Fehlanzeige. Vielleicht auch besser so - nach 90 Minuten ohne einzigen Torschuss gibt es wenig zu sagen. Fazit: Borussia Emsdetten zeigte spielerische Dominanz, Geduld und am Ende auch Nervenstärke. Aad Van Cortlandt war der Mann des Abends, Wabern dagegen der dankbare Statist in einem Spiel, das so einseitig war, dass selbst der Ballbesitz von 63 Prozent fast geschmeichelt wirkt. Und irgendwo in Emsdetten sitzt jetzt ein kleiner Junge mit glänzenden Augen und sagt: "Mama, ich will auch mal so flanken wie der Aad." - Hoffentlich übt er lieber den Torschuss. 06.04.644000 13:40 |
Sprücheklopfer
Freundschaften zählen für mich sehr, aber nicht in diesem Geschäft. Ich habe Jürgen Gelsdorf vor die Tür gesetzt, der war sogar mein Trauzeuge.
Rainer Calmund