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Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, die kein Drehbuchautor besser hinbekäme - und das Viertelfinal-Hinspiel der Conference League zwischen Bournemouth FC und dem Bonner SC war genau so ein Drehbuch. 3:2 (2:2) hieß es am Ende vor 50.150 enthusiastischen Zuschauern an der englischen Südküste. Es war ein Abend, an dem beinahe alles passierte - nur Langeweile hatte Hausverbot. Schon nach zehn Minuten war der Bonner SC im englischen Frühling angekommen. Detlev Hafner, der rechte Flügelstürmer mit der Eleganz eines Altmeisters und der Entschlossenheit eines Stürmers aus besseren Bundesliga-Zeiten, drosch den Ball nach Vorlage des nimmermüden Vincent Ludvigsen in die Maschen. 1:0 für Bonn - und auf der Tribüne rieben sich die Einheimischen verwundert die Augen. "Ich hab kurz gedacht, wir spielen in Köln!", raunte ein Bournemouth-Fan mit ironischem Unterton. Bonns Offensivdrang blieb beeindruckend. Charles Catrall, der bullige Mittelstürmer, legte in der 29. Minute nach - diesmal nach feiner Vorarbeit von Hafner. 2:0, und Trainer Lukas Teuber ballte an der Seitenlinie die Faust. "Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können - auch auf dieser Bühne", sagte Teuber später, und man glaubte es ihm. Sein Team presste mutig, kombinierte schnell, und für einen Moment sah Bournemouth aus wie der Gast - und Bonn wie der Premier-League-Klub. Doch die Engländer, trainiert von Raffael Vogelsang, sind bekanntlich keine Freunde früher Urteile. Guillaume Neville auf links wirbelte, Harrison Satchmore auf rechts rannte, als wäre er von einem unsichtbaren Motor angetrieben, und William Lansbury - gerade einmal 23 und mit dem Selbstbewusstsein eines 30-Tore-Stürmers - brachte Bournemouth in der 41. Minute zurück ins Spiel. Nach feiner Flanke von Satchmore köpfte er wuchtig ein. Nur eine Minute später folgte der Doppelschlag: Adam Bosworth nutzte eine Unachtsamkeit der Bonner Defensive, nachdem Ewan Lorring präzise von der linken Seite servierte. 2:2! Das Stadion bebte, und Bonns Torhüter Mirko Okonski schüttelte nur den Kopf. "Da war plötzlich alles offen. Wir haben kurz den Faden verloren", gab Verteidiger Amaury Martins später zu. Nach der Pause beruhigte sich das Spiel nicht wirklich - es verlagerte sich nur in eine andere Tonart: weniger Chaos, mehr Taktik. Beide Teams hielten an ihrer offensiven Ausrichtung fest. Die Statistik zeigte am Ende fast Gleichstand: 12 zu 11 Torschüsse, 50,6 zu 49,4 Prozent Ballbesitz, Zweikampfquote praktisch pari. Es war eine Begegnung auf Augenhöhe, nur dass Bournemouth das glücklichere Ende fand. In der 63. Minute traf Charles Winston, der zentrale Mittelfeldmotor der "Cherries", nach kluger Vorarbeit von Rechtsverteidiger Aaron Davonport. Ein Schuss wie ein Versprechen - trocken, präzise, unhaltbar. 3:2, und das Stadion explodierte förmlich. Wenige Minuten später musste Winston allerdings verletzt raus. "Ich hab den Schmerz erst nach dem Jubel gemerkt", grinste er später tapfer mit Eisbeutel auf dem Knie. Während Bonn alles nach vorn warf, erinnerte Vogelsang seine Mannschaft daran, dass "Führen auch eine Kunst ist". Er wechselte dreifach, brachte mit Leo McGowan frische Beine im Mittelfeld und den erfahrenen Ethan Lankford, um das Ergebnis über die Zeit zu bringen. Bonns Coach Teuber konterte mit offensiven Wechseln: Julien Bonnaire, Javier Domingo und später der junge Yannick Van Moer kamen, doch der Ausgleich blieb aus. In der 90. Minute hatte Antonio Gutierrez noch einmal die große Chance - doch Bournemouth-Keeper Samuel Locklear rettete mit einer Parade, die den Begriff "reaktionsschnell" neu definierte. "Ich dachte, das Ding ist drin", stöhnte Gutierrez. "Aber der Typ hat wohl Spiderman-Gene." Gelbe Karten flogen auch: Fabio Valdes sah eine für einen rustikalen Einsteig kurz vor der Pause - "Wenigstens hab ich ihn getroffen", witzelte er später halb entschuldigend. Nach dem Schlusspfiff fielen die Bonner erschöpft auf den Rasen, während Bournemouth jubelte. Trainer Vogelsang fasste das Spiel trocken zusammen: "Wenn du 0:2 hinten bist und trotzdem gewinnst, darfst du heute Abend auf die Pizza extra Käse legen." Für das Rückspiel in Bonn ist damit alles offen. Die Engländer reisen mit einem hauchdünnen Vorsprung an den Rhein, die Bonner mit dem Gefühl, dass sie hier mehr verdient hätten. "Wir haben gezeigt, dass wir mithalten können", sagte Teuber trotzig. "Und zu Hause gibt’s keine englische Sonne, da gibt’s nur rheinischen Regen und Druck." Man darf sich also auf ein Rückspiel freuen, das den gleichen Wahnsinns-Faktor verspricht. Und wenn beide Teams wieder so mutig spielen, könnte selbst der Wetterbericht sagen: 90 Minuten Gewitter, mit Chancen auf Verlängerung. 24.11.643996 21:32 |
Sprücheklopfer
Gerade diesen Nike-Spot sehe ich sehr negativ. Es beginnt jetzt die Reisezeit. Stellen Sie sich nur vor, die Kinder beginnen jetzt auf den Flughäfen mit Bällen herumzudribbeln.
Berti Vogts