Football Today
+++ Sportzeitung für England +++

Bournemouth zerlegt Millwall - 7:0, und keiner wollte es glauben

Ein lauer Maiabend an der Südküste, 44.198 Zuschauer im ausverkauften Vitality Stadium - und ein Spiel, das so einseitig war, dass selbst der Stadionsprecher irgendwann Mitleid bekam. Bournemouth FC schickte den FC Millwall mit einem 7:0 nach Hause, einem Ergebnis, das so deutlich war, dass man es zweimal lesen musste, um sicherzugehen, dass keine Tippfehler im Spiel waren.

Schon nach vier Minuten begann das Unheil für die Gäste: Aaron Davonport, eigentlich rechter Verteidiger, aber offenbar mit Lizenz zum Zaubern, hämmerte den Ball nach Vorarbeit von Michael Clancy ins Netz. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Davonport später, "aber der Ball hatte andere Pläne." Millwall-Trainer Sonny Crocket verzog keine Miene - er ahnte wohl schon, dass das ein langer Abend werden würde.

Bournemouth spielte wie entfesselt. In der 18. Minute legte Björn Lindemann nach, wiederum nach einer Vorlage von Davonport, der an diesem Abend offenbar beschlossen hatte, seine Karriere als Außenverteidiger zu überdenken. Zwei Minuten später war James Combe zur Stelle und erhöhte auf 3:0, nach einem präzisen Zuspiel von Leo McGowan. Als derselbe Combe in der 36. Minute erneut traf, diesmal nach Vorarbeit von Clancy, war das Spiel eigentlich schon entschieden - 4:0 zur Pause, und Millwall war froh, dass es keine Gnadenregel im Fußball gibt.

"Ich habe den Jungs in der Halbzeit gesagt, sie sollen einfach weiterspielen wie bisher", erzählte Bournemouth-Coach Raffael Vogelsang nach dem Spiel mit einem breiten Grinsen. "Ich musste ja nichts ändern. Wozu auch?"

Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte - mit einem Tor von James Combe (47.). Der Stürmer war in dieser Form schlicht nicht zu stoppen. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", meinte Millwalls Torhüter Cameron Huxley sarkastisch. "Ich dachte, das ist Training und jemand pfeift gleich ab."

Als William Lansbury in der 73. Minute nach erneuter Vorlage von McGowan das halbe Dutzend vollmachte, schien Millwall endgültig gebrochen. Spätestens nach Bradley Roades’ Treffer zum 7:0 in der 85. Minute suchten die Gäste nur noch nach dem Schlusspfiff - und vielleicht nach einem Loch, in das sie kollektiv verschwinden konnten.

Statistisch war das Spiel fast gnädig: 52 Prozent Ballbesitz für Bournemouth, 23 Torschüsse gegenüber drei kümmerlichen Versuchen der Gäste. Eine Tacklingquote von 57 Prozent rundete das Bild ab - eine dominante, aber keineswegs überhebliche Vorstellung. "Wir wollten zeigen, dass wir mehr sind als eine Mittelfeldmannschaft", sagte Vogelsang. "Dass es gleich sieben werden, war dann wohl ein kleiner Betriebsunfall - ein positiver."

Millwall-Trainer Sonny Crocket stand nach dem Abpfiff mit verschränkten Armen an der Seitenlinie. "Wir wollten offensiv spielen", erklärte er, "aber offenbar hat das niemand meinen Verteidigern gesagt." Seine Mannschaft war laut Statistik tatsächlich offensiv ausgerichtet, aber Pressing war Fehlanzeige - und das merkte man in jeder Minute.

Einziger kleiner Wermutstropfen für Bournemouth: Michael Clancy musste in der 64. Minute verletzt vom Platz, wurde durch Ioan Mutu ersetzt. "Nur eine Vorsichtsmaßnahme", versicherte Vogelsang, "er hat sich beim Jubeln vertreten."

Die Zuschauer feierten jede gelungene Aktion, und davon gab es reichlich. Nach dem siebten Tor stimmten sie sogar ironisch "We want eight!" an - doch Vogelsang hob nur die Hände und lachte. "Man muss wissen, wann Schluss ist", sagte er später. "Sonst denkt Millwall noch, wir meinen es böse."

James Combe durfte nach 75 Minuten unter stehenden Ovationen raus, ersetzt durch Adam Bosworth. "Ich hätte gern weitergemacht", meinte Combe, "aber der Trainer meinte, er will mich nicht wegen Überproduktion sperren lassen."

Am Ende blieb der Eindruck eines Spiels, das in seiner Klarheit fast surreal wirkte. Bournemouths Offensive wirbelte, als gäbe es keine Defensive mehr, während Millwall in Schönheit unterging - oder besser gesagt: in Ratlosigkeit.

Im Presseraum fasste ein englischer Kollege die Stimmung treffend zusammen: "If this was boxing, the referee would have stopped it after 20 minutes." Niemand widersprach.

Ein 7:0, das in die Vereinsgeschichte eingeht - und ein Abend, an dem Bournemouth zeigte, dass Fußball manchmal Kunst sein kann. Oder, wie es Leo McGowan formulierte: "Manchmal läuft’s einfach. Und heute lief’s wie auf Schienen - nur dass wir den Zug gefahren sind."

Einziger Trost für Millwall: Schlechter kann’s kaum noch werden. Und das ist ja auch etwas.

22.05.644000 16:53
Login
Emailadresse
Passwort
Sprücheklopfer
Heute herrscht schweigende Stille.
Rudi Assauer
NETZWERK
Football Manager
Manager de fútbol
Calcio manager
Football Manager
LINKS
Kostenlos registrieren
Online-Hilfe
Freie Teams
Spieltag & Tabelle
Plattform-News
COMMUNITY
Zeitung
Stammtisch
Chat
ÜBER UNS
Impressum
Kontakt
AGB
Managerspiel Onlinemanager