Außenseiter
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Bremerhavens Offensivfeuerwerk: Fünf Tore, ein Statement

OSC Bremerhaven hat am 22. Spieltag der Oberliga D ein Ausrufezeichen gesetzt - und zwar in Großbuchstaben. Mit einem fulminanten 5:0 (2:0) gegen den FC Östringen ließen die Nordlichter ihrem Gegner keine Chance. 3.637 Zuschauer im stürmischen Nordseestadion sahen eine Heimmannschaft, die von der ersten Minute an zeigte, dass sie nicht zum Diskutieren gekommen war.

Das Spiel war kaum angepfiffen, da zappelte der Ball schon im Netz. Keine 60 Sekunden waren gespielt, als Lars Vestergaard, der dänische Wirbelwind auf der linken Seite, nach feinem Zuspiel des jungen Brandon Combe trocken ins kurze Eck vollstreckte. "Ich war selbst überrascht, dass der so früh reinging", grinste Vestergaard später und fügte mit einem Augenzwinkern hinzu: "Normalerweise brauche ich drei Chancen - heute reichte eine."

Elf Minuten später war es wieder der 31-jährige Vestergaard, der seine Farben jubeln ließ. Diesmal nach einer butterweichen Flanke von Linksverteidiger Jay Johnstone, der in dieser Szene mehr Flügelstürmer als Verteidiger war. 2:0 - und die Gäste aus Östringen schauten sich ratlos an, als hätten sie gerade eine besonders komplizierte Matheaufgabe gestellt bekommen.

Der FC Östringen versuchte, Ordnung in sein Spiel zu bringen, doch Bremerhaven ließ den Ball laufen, als sei er an einem unsichtbaren Gummiband befestigt. 53,7 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse - die Statistiken sprechen Bände. Östringen kam in 90 Minuten auf zwei Schüsse, wovon einer in die Nordsee geflogen sein dürfte. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", murmelte Östringens Coach nach dem Abpfiff, "aber kompakt heißt nicht, dass man sich alle auf den eigenen Sechzehner stellt."

Zur Pause war die Partie praktisch entschieden, auch wenn es offiziell noch 45 Minuten zu spielen gab. OSC-Trainer Rafael Benítez, sonst ein Mann der ruhigen Töne, gestand nach dem Spiel: "Ich habe den Jungs in der Kabine gesagt: Bitte nicht nachlassen. Und sie haben es offenbar wörtlich genommen."

Denn nach einer kurzen Verschnaufpause legten die Gastgeber wieder los. In der 65. Minute krönte Mittelfeldmotor Torsten Berglund seine starke Leistung, als er nach Vorarbeit von Noach Spoor aus 18 Metern trocken abschloss - 3:0, der Rest war Fußballkunst. Berglund kommentierte später mit norddeutscher Gelassenheit: "Ich hab’ einfach mal draufgehalten. Wenn man 19 Mal schießt, darf ja auch mal einer rein."

Nur neun Minuten später war es Dominique Silvestre, der nach einer feinen Kombination über den 17-jährigen Aaron Corey auf 4:0 stellte. Corey, der mit seinen jugendlichen 17 Jahren frech aufspielte, wurde nach dem Spiel von den Fans gefeiert. "Ich hab’ nur gemacht, was der Trainer gesagt hat - also laufen, rennen und dann nochmal laufen", sagte er mit rotem Kopf, während Benítez hinter ihm stolz nickte.

Den Schlusspunkt setzte Rhys Innes in der Nachspielzeit. Der bullige Mittelstürmer, der zuvor noch Gelb gesehen hatte, wollte offenbar nicht mit dieser einzigen Erwähnung im Spielbericht nach Hause gehen. Nach Zuspiel von Berglund drosch er den Ball humorlos unter die Latte - das 5:0, der Deckel auf einem perfekten Abend.

Östringens Torwart Stefan Wiese (nicht zu verwechseln mit dem Namensvetter aus alten Bundesligazeiten) hatte trotz fünf Gegentoren keinen schlechten Tag erwischt - er war schlicht allein gelassen. Als ihn ein Reporter nach dem Spiel fragte, wie man sich nach so einem Abend fühle, antwortete er trocken: "Ich hab wenigstens alle fünf gesehen. Manchmal fliegen sie auch einfach vorbei."

OSC Bremerhaven präsentierte sich taktisch klar offensiv, aber nie kopflos. Die Mannschaft spielte mit Geduld und Präzision, während Östringen zwar kämpfte, aber kaum Mittel fand. Der einzige Lichtblick für die Gäste: keine rote Karte, kein Elfmeter gegen sie - man muss die positiven Dinge sehen.

Und so verließen die Zuschauer das Stadion mit einem Lächeln - die einen wegen des Ergebnisses, die anderen vielleicht, weil sie trotz der Kälte ein unterhaltsames Spiel gesehen hatten. Bremerhaven rückt mit diesem Kantersieg weiter nach oben in der Tabelle und darf zumindest kurz vom Aufstieg träumen.

Oder, wie es Coach Benítez mit einem feinen Lächeln zusammenfasste: "Wir haben heute gezeigt, dass wir auch im April noch wissen, wo das Tor steht. Das ist ja schon mal was."

Ein Abend, an dem selbst der Wind von der Nordsee applaudierte.

11.10.643996 11:45
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