Tuttosport
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Brescia jubelt spät - Derlei dreht das Flutlichtspiel in der Nachspielzeit

39092 Zuschauer im Stadio Mario Rigamonti sahen am Sonntagabend ein Spiel, das mehr Wendungen hatte als ein italienischer Fernsehkrimi: US Brescia besiegte Gela mit 2:1 - und das dank eines Last-Minute-Treffers von Carles Derlei, der in der 91. Minute das Stadion in einen kollektiven Freudentaumel versetzte.

Dabei hatte alles so ruhig begonnen. Schon nach elf Minuten schien der Abend für Brescia in die richtige Richtung zu laufen: Theo Long, der quirlige Linksaußen mit dem unerschütterlichen Selbstvertrauen eines Mannes, der nie den Friseur wechselt, traf nach Vorarbeit von Edoardo Bianchi zur frühen Führung. "Ich habe einfach draufgehalten - und gehofft, dass der Ball diesmal nicht die Tauben erschreckt", grinste Long später. Es war sein dritter Treffer in vier Spielen.

Gela, unter der Leitung von Trainer Michael Müller, ließ sich davon zunächst nicht einschüchtern. Die Gäste hatten über das ganze Spiel hinweg die klareren Chancen: zehn Torschüsse gegenüber Brescias sechs, und das bei nur 46 Prozent Ballbesitz. "Statistik ist was für Buchhalter", knurrte Müller nach dem Spiel, "ich hätte lieber ein Tor mehr gehabt."

Nach der Pause wurde Gela mutiger - oder, wie es Müller formulierte, "ein bisschen lebenslustiger". Und das zahlte sich aus: In der 61. Minute fasste sich Niels Wegener, Gelas laufstarker Mittelfeldmotor, ein Herz und hämmerte den Ball nach Zuspiel von Innenverteidiger Tahsin Caliskan zum Ausgleich unter die Latte. Derlei, der später zum Helden werden sollte, sah in diesem Moment eher aus, als wolle er den Platz verlassen und sich einen Espresso holen.

Das Spiel nahm Fahrt auf, und die Emotionen kochten. Brescias Linksverteidiger Marek Dobias holte sich in der 35. Minute Gelb ab, weil er meinte, dass Gestik eine anerkannte Verteidigungsstrategie sei. Später sah auch Theo Long Gelb - vermutlich, weil er den Schiedsrichter zu leidenschaftlich auf seine "Schwalbenfreiheit" aufmerksam machte.

Trainer Patras Egomanis reagierte mit der Ruhe eines Mannes, der weiß, dass sein Espresso nach dem Spiel sowieso doppelt ist. Er brachte Nuno Etxeita für den gelbbelasteten Dobias (66.) und später Luca Falconara sowie Antonio Ionio, die frischen Wind brachten. Letzterer sollte in der Nachspielzeit noch eine entscheidende Rolle spielen.

Während Gela in den letzten Minuten immer offensiver wurde, mit Pressing, Flanken und einem Torhüter Willem Veeder, der irgendwann weiter vorne stand als sein rechter Verteidiger, lauerte Brescia auf die eine Chance. Und sie kam - in der 91. Minute. Ionio flankte von links, der Ball segelte durch den Strafraum, und Carles Derlei, der bis dahin eher unauffällig gespielt hatte, nahm Maß. Ein satter Schuss, Veeder streckt sich vergeblich, 2:1.

"Ich habe einfach gedacht: Jetzt oder nie", sagte Derlei später, während Egomanis ihm auf die Schulter klopfte. "Manchmal hilft es, nicht zu viel zu denken."

Gela versuchte noch einmal alles, brachte Philippe Graves (für Wegener) und Filipe Semedo (für den verwarnten Caliskan), doch der Ausgleich blieb aus. "Wir haben es selbst verbockt", meinte Wegener nach dem Schlusspfiff und stapfte kopfschüttelnd in die Kabine.

Statistisch gesehen war das Spiel ausgeglichen - 54 Prozent Ballbesitz für Brescia, 46 für Gela, die Zweikampfquote leicht zugunsten der Gäste. Doch die entscheidende Zahl stand auf der Anzeigetafel. Und die erzählte eine Geschichte von Geduld, Cleverness und einem Schuss italienischer Theatralik.

Trainer Egomanis brachte es nach dem Spiel auf den Punkt: "Wir spielen nicht immer schön, aber manchmal schön erfolgreich." Und als man ihn fragte, ob der späte Sieg glücklich war, antwortete er mit einem Lächeln: "Glück ist, wenn der Schiedsrichter nicht vorher abpfeift."

So bleibt Brescia mit diesem Sieg auf Kurs in der oberen Tabellenhälfte, während Gela weiter auf der Suche nach Konstanz ist - und vielleicht nach einem neuen Rezept für späte Gegentore.

Ein Zuschauer brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Wegen solcher Abende liebt man Fußball - und hasst ihn gleichzeitig." Vielleicht war das das ehrlichste Fazit des Abends.

26.11.643996 12:14
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Rainer Calmund
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