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Wenn 59.000 Zuschauer im Stadion des Meeresrauschens in Bristol stehen und der Gegner schon nach einer Viertelstunde aussieht, als wolle er auf das nächste Schiff nach Hause, dann weiß man: Die Pirates haben wieder angelegt. Am 32. Spieltag der 1. Liga England verwandelte das Team von Trainer Phi Ung am Freitagabend Swindon Town in Schiffbruchmaterial - Endstand: 7:0. Schon die erste Minute gehörte den Hausherren. Everhart Derrick prüfte den jungen Swindon-Keeper Billy Morriss, und das sollte für die Gäste leider keine Ausnahme bleiben. 28 Torschüsse der Pirates standen am Ende einem einzigen Versuch der Gäste gegenüber - ein Wert, der sich liest wie aus einem Computerspiel. Das Toreschießen eröffnete ausgerechnet ein Mann, der sonst hinten die Planken dichtmacht: Innenverteidiger Roman Trojan. Nach einer Ecke von Ragip Gürsoy traf er in der 12. Minute wuchtig per Kopf - 1:0. Swindon-Trainer Barney Cheep rieb sich noch den Schlaf aus den Augen, als Javier Costinha sechs Minuten später nachlegte. Der Portugiese verwertete Trojans Vorarbeit eiskalt. "Ich dachte kurz, wir führen schon 4:0, so viele Chancen hatten wir", grinste Costinha später. Swindon versuchte, sich in die Pause zu retten, und durfte dank eines verpassten Schusses von Derrick in der 43. Minute immerhin noch durchatmen. Halbzeitstand 2:0 - gnädig, wenn man bedenkt, dass die Pirates da schon 17 Abschlüsse verbucht hatten. Nach dem Seitenwechsel wurde es dann endgültig ein Schauspiel für die Galerie. Uwe Merkel, eingewechselt zur zweiten Halbzeit, brauchte nur vier Minuten, um sich einzuschreiben: In der 49. Minute traf der 23-Jährige nach feinem Zuspiel von Taylan Karaman zum 3:0. Kaum hatten die Fans das Tor bejubelt, schob Derrick selbst nach - 52. Minute, 4:0. Swindons Abwehr stand da wie versteinert, und man konnte den Eindruck gewinnen, dass selbst die Eckfahnen mehr Gegenwehr leisteten. "Wir wollten eigentlich kompakt stehen", erklärte Swindon-Coach Cheep später mit einem müden Lächeln. "Aber offenbar hat keiner meiner Spieler den Begriff ’kompakt’ gegoogelt." Das fünfte Tor (58.) ging erneut auf Costinhas Konto, der eine Kombination über Derrick und Merkel vollendete. Dann durfte auch der junge Wolfgang Poulin (67.) jubeln, bevor Owen Hannigan in der 71. Minute den Deckel endgültig draufsetzte - per Distanzschuss aus 25 Metern. Hannigan lachte danach: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber manchmal hat der Ball einfach andere Pläne." Phi Ung, der sonst für seine stoische Ruhe bekannt ist, sprang nach dem siebten Treffer kurz auf und warf einen Blick zur Anzeigetafel, als traue er ihr nicht. "So etwas sieht man nicht oft. Ich bin stolz auf die Jungs - auch auf Roman, der offenbar beschlossen hat, ab jetzt Stürmer zu sein", sagte der Trainer trocken. Swindon kam in der 84. Minute immerhin noch zu einem Schuss aufs Tor - Thomas Mayhew probierte es, aber Pirates-Keeper Arpad Toth war bemüht, sich nicht zu erkälten und fing den Ball in Handschuhen, die bis dahin kaum schmutzig geworden waren. Statistisch war das Spiel ein Monolog: 56 Prozent Ballbesitz, 59,7 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 28 Torschüsse - die Pirates spielten, als wollten sie alle verpassten Chancen der Saison auf einmal nachholen. Swindon hatte 44 Prozent Ballbesitz, aber so harmlos, dass man meinen konnte, sie hätten den Ball lieber als Souvenir behalten. Am Ende verbeugte sich das Publikum minutenlang, während Swindons Spieler mit leeren Blicken in die Kabine trotteten. "Das war eine Lehrstunde", murmelte ihr Kapitän John Valentine, der zur Halbzeit eingewechselt worden war. "Wir haben versucht, mitzuspielen. Das war wohl der Fehler." Für Bristol war es der höchste Sieg der Saison - ein Statement im Titelrennen. Für Swindon hingegen ein Abend, den man am liebsten aus den Geschichtsbüchern löschen würde. Oder, wie ein Zuschauer beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn das Piraten sind, dann war Swindon heute das Beiboot ohne Ruder." Und irgendwo in den Katakomben grinste Phi Ung still - der Mann, der seine Mannschaft mit ruhiger Hand zum Kanonendonner führte. 23.01.643997 09:52 |
Sprücheklopfer
Ich habe fertig.
Giovanni Trappatoni