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Ein kühler Maiabend in Enköping, 37.004 Zuschauer im Stadion, die Sonne gerade untergegangen, der Rasen tadellos - nur die Heimmannschaft, Enköping FC, hatte ihr Gleichgewicht offenbar in der Kabine vergessen. Mit 0:2 (0:1) unterlagen die Gastgeber dem IF Brommapojkarna, und ehrlich gesagt: Es hätte schlimmer kommen können. Schon nach wenigen Minuten zeichnete sich ab, wer hier die Musik spielte. Brommapojkarna, angetrieben von einem spielfreudigen Mittelfeld um Hugo Nani und den wieselflinken Nick Reinhardt, presste und kombinierte, als sei das hier ein Trainingsspiel gegen die eigene U19. Enköping hielt dagegen - mit Herz, weniger mit Ballkontrolle. 47 Prozent Ballbesitz und nur sechs Torschüsse stehen am Ende zu Buche. Das erste Tor fiel in der 17. Minute, und es war so schön, dass selbst die Heimfans kurz ihren Unmut vergaßen. Juanito Carvalho, der quirlige Linksaußen der Gäste, nahm einen Pass von Reinhardt mit der Brust an, tanzte Innenverteidiger Göran Johansson schwindelig und schlenzte den Ball gefühlvoll ins lange Eck. "Ich hab einfach Spaß am Fußball", grinste Carvalho nach dem Spiel, "vielleicht ein bisschen zu viel für die Enköpinger heute." Trainer Andreas Godejohann, der sonst eher als nüchterner Stratege gilt, konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen: "Wir wollten offensiv spielen, aber so offensiv war dann selbst mir fast zu viel. Zum Glück hat Juanito das Tor gemacht, sonst hätte ich’s mir anders überlegt." Enköping reagierte mit wütenden Angriffen - oder dem, was sie dafür hielten. Elof Carlsson versuchte es in der 16., 34. und 74. Minute, jedes Mal zielstrebig, jedes Mal an der Gummiwand namens Duarte Ramirez gescheitert. Der Brommapojkarna-Keeper war an diesem Abend ein Ruhepol in einem Spiel, das zunehmend hitziger wurde. In der zweiten Hälfte schien Enköping kurz Hoffnung zu schöpfen, doch dann kam Sergi Antunes. Der bullige Mittelstürmer, 32 Jahre, Bart wie ein Wikinger, Hunger wie ein Löwe - in der 61. Minute traf er nach feinem Zuspiel von Dragan Mihajlovic zum 2:0. Es war die Entscheidung. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", sagte Antunes bescheiden, "aber manchmal reicht das, wenn der Gegner schon müde schaut." Von da an war die Partie weniger Fußball, mehr Frustbewältigung. Rafael Vico, der linke Verteidiger Enköpings, hatte schon in der 70. Minute Gelb gesehen und legte in der 87. noch einen drauf - allerdings nicht mit einem Tor, sondern mit einer übermotivierten Grätsche. Rot. Trainer und Mitspieler griffen sich kollektiv an den Kopf. "Rafa wollte zeigen, dass er kämpft", sagte Kapitän Johansson diplomatisch, "leider hat er vergessen, dass man das auch mit Ball tun kann." Kurz darauf folgte eine weitere Gelbe für Urban Ohlson, und auch der junge Eskil Dahlin holte sich in der Nachspielzeit eine ab - offenbar inspiriert vom Mannschaftskollegen. Enköping beendete das Spiel mit zehn Mann und null Punkten, Brommapojkarna dagegen mit 16 Torschüssen, 53 Prozent Ballbesitz und der Gewissheit, dass sie ihre Chancen diesmal genutzt haben. Ein paar Zuschauer buhten, andere klatschten höflich - vermutlich aus Mitleid. Trainer Godejohann bedankte sich artig bei der Tribüne, während Enköpings Spieler mit gesenkten Köpfen in die Kabine trotteten. "Wir waren heute nicht wach genug", murmelte ein sichtlich angefressener Trainer (dessen Name offiziell nicht bekanntgegeben wurde, aber man hörte ihn bis in die Mixed Zone). "Vielleicht brauchen wir weniger Taktiktafeln und mehr Wecker in der Umkleide." Am Ende bleibt ein klarer Sieg für IF Brommapojkarna, die sich mit dieser Leistung in der oberen Tabellenhälfte festsetzen dürften. Enköping dagegen muss sich fragen, wie man mit so viel Aufwand so wenig Wirkung erzielen kann. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte, während er den Schal enger zog: "Früher haben wir wenigstens verloren, als hätten wir’s versucht." Ein Fazit, das man so wohl in großen Lettern über das Stadion hängen könnte. 26.06.644000 18:14 |
Sprücheklopfer
Ja gut, ich sag mal so: Woran hat's gelegen? Das ist natürlich die Frage und ich sag einfach mal: Das fragt man sich nachher natürlich immer!
Olaf Thon auf die Frage nach dem Grund einer Niederlage